Lehmjöres-Invasion mit Jochen I.

Karneval : Lehmjöres-Invasion mit Jochen I.

Sie sind in Scharen gekommen, waren eindeutig in der Überzahl und haben die Stolberger Burg erobert. Und die Närrischen Lehmjörese aus Vicht haben ihren Helden des Tages tüchtig gefeiert – den neuen Stolberger Burggrafen Jochen I. (Emonds).

Knapp 100 Mitglieder der KG Vicht zogen mit Jochen I., seiner Ehefrau Berit und der gemeinsamen Tochter, seinem Gefolge aus „schwarzen Ratsleuten“, dem Spielcorps Zweifall und den ehemaligen Burggrafen samt Ehefrauen zur Burg hinauf, wo der illustre Tross bereits von der Böllerschützenabteilung der Breiniger St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft erwartet wurde. Zu Ehren des Burggrafen feuerten die Böllerschützen krachende Salven ab.

Kaum von Erste-Große-Präsident Michael Bartz als Burggraf proklamiert, postulierte Jochen I.: „Dahh soll et klenge mett Juchhei unn Alaaf de Baach eropp unn de Baach eraf. Burchjraf Jochen küdd opp d‘r Trun dank die friedlije Lehmjöres-Invasiun!“ Er erklärte, dass der Lehmjöres schon im Vichtbachland angesiedelt war, lange bevor die Burg entstand. „Als Ur-Kupferstädter könnte er gelten, war schon da vor Römern und Kelten.“ Im Sinne der „Völkerverständigung“ beendete Jochen I. seine Antrittsrede mit: „Unn als Veeter wie och Stolberjer Jung wönsch ich uss enn prächtije doll Sessiun.“

Die mit der Unterstützung von Franz-Willi Hirtz verfasste Rede Jochens kam bei den Narren im Rittersaal bestens an. Überhaupt war das Burggrafenfest der Ersten Großen KG wieder viel mehr als ein Alleinstellungsmerkmal im besonderen Stolberger Fastelovend: Es war eine rauschende Karnevalsfeier für alle Jecken aus dem Stadtgebiet, gespickt mit feinster Livemusik und traditionellen Elementen des rheinischen Brauchtums. Was von den Karnevalsfreunden geschätzt wurde, denn der Rittersaal der Burg war ebenso proppenvoll wie das Foyer, und die Narren feierten ausgelassen bei bester Stimmung.

Freilich wurde der „Staffelstab nahtlos weitergegeben“, und der scheidende Burggraf, Robert Voigtsberger, gebührend verabschiedet. Dieser richtete in „dreifacher Funktion“ das Wort an die Jecken. „Als amtierender Verwaltungschef, als Teil des auf nunmehr zwei Mitglieder zusammengeschrumpften närrischen Trifoliums der Rathaus-KG rot-gelbe Funken und vor allem als Burggraf außer Dienst“, meinte Voigtsberger, dass Stolberg auf der Suche nach einem neuen Bürgermeister in Jochen I. immerhin schon einen würdigen Burggrafen gefunden habe.

Die „Veeter Fründe“ aus den Reihen der Närrischen Lehmjörese heizen den Jecken im Rittersaal gehörig ein. Foto: Dirk Müller

Ganz unpolitisch – wie eigentlich versprochen – blieb der Burggraf mit „schwarzem Gefolge“ und auch in seiner Rede nicht, stellte aber eindeutig den Karneval in den Vordergrund der gelungenen Veranstaltung. Jochen I. stattete die Bürgermeisterkandidaten von CDU und SPD gleichermaßen mit seinem Burggrafenorden aus, tanzte mit dem Ehrengardisten der Ersten Großen, dem ehemaligen Bürgermeister und neuem Städteregionsrat, Tim Grüttemeier, „Stippeföttche“ und ließ sich augenzwinkernd zu einem „Wahlkampf Alaaf!“ hinreißen. Tusch.

Seine KG Vicht, in der er unter anderem zehn Jahre den Vorsitz innehatte, zog mit dem Präsidenten Ralf Schiffler indes allerlei närrische Register und begeisterte das Publikum mit ansprechenden Darbietungen.

Die Prinzengarde der Närrischen Lehmjörese wurde kurzerhand zur Burggrafengarde und präsentierte mit Gardemarie Tina (Maaßen), Kindermariechen Felicitas (Kaul), Jugendmarie Carina (Schiffler) und der großen Marie Marina (Pingen) gleich vier Solotänzerinnen. Die Vichter Jugend glänzte unter anderem mit ihrer Showtanzgruppe, und die große Tanzgarde der Lehmjörese erfreute die Zuschauer mit ihrem Können. Für viel Stimmung sorgten die Akteure der großen Gesang- und Showgruppe „Veeter Fründe“, die, aus einem Hofstaat entstanden, inzwischen allesamt aktive Mitglieder der KG Vicht sind.

Der oberste karnevalistische Gratulant, der Jochen I. die Aufwartung machte, war selbstverständlich der Stolberger Prinz Ecki I. (Eckhard Braun), der mit der Prinzengarde der Ersten Großen KG und seinem Hofstaat den Rittersaal zum Kochen brachte. Stadtkommandant Daniel Heinrichs ließ zu Ehren von Tollität und Burggraf Mariechen Eva Schulz und die Tanzgarde der Ersten Großen tanzen, und Ecki I. und sein Hofstaat heizten dem Narrenvolk mit Prinzenlied und Medley gehörig ein.

Dass die friedliche Lehmjöres-Invasion mit dem Wohlwollen der Ersten Großen vonstattengegangen war, stellten die freundschaftlich verbundenen Gesellschaften übrigens eindrucksvoll unter Beweis, als die Jugendgarden der KG Vicht und der Ersten Großen gemeinsam einen Tanz auf die Bühne brachten, den sie eigens zu Ehren des Burggrafen einstudiert hatten. Eberhard Koslowski, der als Moderator souverän durch das Programm führte, schränkte allerdings scherzhaft ein: „Lieber Jochen, für einen Tag gehört die Burg zu Vicht, danach aber wieder allen Stolbergern“, betonte der Kupferstädter Prinz von 2007.

Robert Voigstberger verabschiedet sich als Burggraf außer Dienst. Foto: Dirk Müller

Nachdem „Die Original Eschweiler“ mit ihrem vielfältigen Repertoire tolle Stimmung gemacht hatten, unterhielten mit „De Frees“ und „Tästbild“ weitere Livebands die Gäste beim Burggrafenfest prächtig. Auch die Prinzengarde Brander Stiere hatte sich mit dem Brander Bürgerprinzen Karsten I. (Kehren) angekündigt, um in der Stolberger beziehungsweise Vichter Burg aufzutreten und die Kupferstädter Narren zu begeistern. Zum Finale beeindruckten die „Oecher Troubadoure“ die Jecken, bevor nach fast sechsstündigem Programm das rauschende Fest von Burggraf Jochen I. endete.

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