Stolberg: Legasthenietrainerin Strang: „Ich investiere viel Herzblut in jedes Kind“

Stolberg: Legasthenietrainerin Strang: „Ich investiere viel Herzblut in jedes Kind“

Seit zehn Jahren ist Monika Strang Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin. In diesem Jahr kann sie auf zehn erfolgreiche Berufsjahre zurückblicken. Deshalb gibt es am Samstag ein kleines Fest in der Hostetstraße, das sie mit „ihren“ Kindern, deren Eltern und Freunden feiert.

Was es mit diesem Beruf auf sich hat, was die Schwäche für die Kinder bedeutet und wie dem entgegengearbeitet werden kann, hat sie im Interview mit Marie-Luise Otten erzählt.

Erklären Sie einem Laien, was es mit Legasthenie auf sich hat?

Strang: Eine Legasthenie ist eine angeborene Lese- und Rechtschreibschwäche. Die betroffenen Personen zeigen nur Teilleistungen in den Wahrnehmungsbereichen, obwohl sie sonst eine ganz gute oder zumindest eine durchschnittliche Intelligenz aufweisen. Gleiches gilt für die Dyskalkulie, die eine angeborene Rechenschwäche ist. Teilleistungen in den Wahrnehmungsbereichen, was muss man sich darunter vorstellen?

Strang: Man unterscheidet in der Wahrnehmung verschiedene Teilbereiche, die nicht oder nur unzureichend funktionieren. Nehmen wir zum Beispiel das optische Gedächtnis. Darunter verstehen wir, dass wir die Dinge, Bilder oder in diesem Fall Wörter fotografisch erfassen und auch wieder abrufen können. Funktioniert dieser Bereich nicht, heißt das, dass der Betroffene gesehene Worte nicht abspeichern kann. Es gibt acht verschiedene Wahrnehmungsbereiche, und manchmal reicht es, wenn nur ein Teil betroffen ist.

Seit wann gibt es diese Schwäche?

Strang: Da diese Schwäche vererbbar ist, gibt es sie wahrscheinlich schon so lange, wie es die menschliche Orthografie gibt. Früher galten diese Kinder als dumm und wurden vielfach in Förderschulen untergebracht. Kaum jemand hat sich Gedanken darüber gemacht. Dennoch hat man schon im 19. Jahrhundert angefangen, darüber Forschung zu betreiben. Seit den 70er Jahren gibt es den Begriff Legasthenie. Die Forschungen um die Dyskalkulie sind noch jünger, und erst in den letzten Jahren kann man hier einen Fortschritt in der Anerkennung finden.

Kommt die Legasthenie nur bei Kindern vor? In welchem Alter sind diese dann meist?

Strang: Feststellen lässt sich eine Legasthenie tatsächlich erst, wenn die Kinder eingeschult sind, dennoch sind wir heute auch in den Kindertagesstätten soweit, die sogenannten Vorläuferfähigkeiten der Kinder zu schulen und zu erkennen. Man kann im Vorschulalter keine wirklichen Prognosen stellen, aber Eltern darauf aufmerksam machen, diese Fähigkeiten im Blick zu haben. Es ist bekannt, dass es auch in unserer heutigen modernen Welt immer noch erwachsene Menschen gibt, die nicht in der Lage sind, zu schreiben oder zu lesen.

Was sind Vorläuferfähigkeiten?

Strang: Hier handelt es sich um die Fähigkeiten, die Kinder bereits im Vorschulalter haben, um das Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen, also Reime bilden, Silben klatschen und Laute heraushören. In der Mathematik bedeutet es, Mengen erfassen, Zahlen erkennen und zählen können.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Legasthenietrainer zu werden?

Strang: Eigentlich bin ich ja mit Leib und Seele Erzieherin. Allerdings wollte ich immer ein zweites Standbein haben, weil ich nicht wusste und weiß, wie lange man diesen Beruf körperlich und auch nervlich durchhalten kann. Nachdem ich dann für ein betroffenes Mitglied in der Familie Hilfe gesucht habe, bin ich auf diese Ausbildung aufmerksam geworden. Damals habe ich mir Rat bei einer mir bekannten Lehrerin, der heutigen Rektorin der Grundschule Gressenich, geholt. Petra Bleimann hat mir dazu geraten, diesen Schritt zu gehen und mich dann auch im praktischen Teil der Ausbildung unterstützt.

Und das jetzt schon seit zehn Jahren!

Strang: Ich bin heute sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein. Es ist sehr schön, zu erleben, wie die Kinder sich weiter entwickeln und wieder Erfolge erzielen. Oft ist der erste Schritt, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, so dass sie sich wieder etwas zutrauen. Viele erfahren auch heute noch einen Leidensweg, ehe man diese Schwächen erkennt. Ich stecke in jedes Kind, das mir anvertraut wird, viel Herzblut und bekomme sehr viel von ihnen zurück.

Welche Ausbildung ist dafür notwendig?

Strang: Die Ausbildung ist ein Fernstudium mit vielen praktischen Stunden, die ich, wie gesagt, an der Grundschule in Gressenich absolvieren konnte.

Wie lange dauert so eine Ausbildung?

Strang: Die Ausbildung dauert zwischen acht Monaten und zwei Jahren.

Wie lange dauert eine Therapie?

Strang: Das ist manchmal schwer zu sagen. Eine Therapie ist immer etwas Individuelles. Aber man kann davon ausgehen, dass man im Minimum immer zwei Jahre braucht. In vielen Fällen dauert es aber auch länger.

Findet sie im Einzel- oder Gruppenunterricht statt?

Strang: Das Training ist eine individuelle Sache, die auf die jeweiligen Kinder zugeschnitten sein muss. Es fällt den Kindern aber oft leichter, wenn sie nicht alleine sind. Dann ist es sinnvoll, ein zweites Kind dazu zu nehmen. Aber mehr geht auf keinen Fall, weil dann die Individualität nicht mehr gewährleistet werden kann.

Wo ist der Unterricht? Und wie lange dauert er?

Strang: Der Unterricht findet in meinem Praxisraum in der Hostetstraße statt und dauert je nach Absprache zwischen 45 und 60 Minuten, ein bis zwei mal in der Woche.

Wie kommen Sie an Ihre Kunden?

Strang: Das ist sehr unterschiedlich. Zum einen bekomme ich vom Jugendamt Kunden, die eine Förderung nach dem Jugendhilfegesetz Paragraf 35a erhalten. Zum anderen habe ich sehr viele Kunden durch Mund zu Mund Propaganda, die sich bei mir melden. Andere finden mich auch über meine Internetseite monika-strang-legasthenietraining.de.