Kompromiss in Schevenhütte : Drei Brücken über den neuen Canyon

Eigentlich wollten sie bei Starkregen und Hochwasserereignissen nur trockene Keller behalten, aber dann konnten die Anwohner vom Lamersiefen nur noch staunen. Für das Rinnsal sollte ein Canyon vor ihren Häusern gegraben werden. Das war zumindest eine Forderung der Unteren Wasserbehörde auf Basis der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Nun bekommt der Canyon drei Brücken, damit die Schevenhütter wieder ihre Häuser erreichen können.

Auffällig wurde der Lamersiefen eigentlich erst im Mai 2016, als das Bächlein bei einem Starkregen gehörig über die Ufer trat und die angrenzende Bebauung arg in Mitleidenschaft zog. Weitere Hochwasserereignisse dieser Art folgten. Deshalb nahmen der Wasserverband Eifel-Rur und das Tiefbauamt den Lamersiefen noch einmal genauer unter die Lupe. Denn zwei Straßendurchlässe hatten sie zu diesem Zeitpunkt bereits im Auge: Am Bend und am Ortseingang wurden bereits im Herbst 2016 die Betonrohre von 600 auf 1000 Millimeter erweitert.

In der Ortslage plätschert der Lamersief zunächst offen hinter den ersten Häusern, um dann einen Bogen zu machen und die letzten 43 Meter entlang der gleichnamigen Straße durch ein unterirdisches Rohr zu fließen und im Wehebach zu münden. Das 600 Millimeter messende Kreisprofil wird als Engstelle erkannt. Es hat einen zu geringen Querschnitt, befindet sich in einem maroden Zustand, ist teilweise verformt und weist ein unterschiedliches Sohlgefälle auf.

Deshalb hat die Stadt bei der Unteren Wasserbehörde eine Erneuerung der Verrohrung mit einem auf 800 Millimeter erweiterten Durchmesser beantragt. Die Antwort der Behörde indes war ernüchternd. Das verrohrte Teilstück des Lamersiefen sollte in einen bis zu drei Meter tiefen und offenen Graben verwandelt werden.

„Über diesen Plan haben wir mehrfach und eindringlich mit dem Wasserverband Eifel-Rur und der Unteren Wasserbehörde verhandelt“, berichtete der Technische Beigeordnete Tobias Röhm.

Zunächst vergeblich, denn im Februar teilte die Wasserbehörde bei der Städteregion mit, dass das städtische Vorhaben nicht genehmigungsfähig sei. Der Lamersiefen sei ein ökologisch so wertvolles Gewässer, dass es auf den letzten 43 Metern nicht durch ein Rohr fließen dürfe, erklärte die Untere Wasserbehörde mit Verweis auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Aufregung und Empörung

Das prekäre an dem offenen Graben wäre, dass nicht nur sämtliche Versorgungsleitungen für Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation neu verlegt werden müssen, sondern die drei Anwohner nicht mehr an ihre Häuser kämen und ein Fischzuchtbetrieb abgebunden würde.

Entsprechend groß waren Aufregung und Empörung sowohl in Schevenhütte wie in der Politik. Ende April kam es zu einem Ortstermin mit Vertretern der Unteren Wasserbehörde , des Wasserverbandes Eifel-Rur, der Stadtverwaltung und der Ratsfraktionen. Der Termin mündete in einem Kompromiss: ein Plan mit einer Teiloffenlegung des Lamersiefen.

Für die geschlossenen und offenen Bereiche sind jeweils Kastenprofile mit der Breite von 1200 Millimeter vorgesehen. Die Höhe der Kastenprofile wird an die örtlichen Straßenhöhen angepasst. Die offenen Kastenprofile, wo der Lamersiefen durch einen – bei einem Gefälle von 4,6 Prozent bis zu 2,50 Meter tiefen – Canyon fließt, werden durch Geländer gegen Absturz gesichert.

Zwischen 3,80 Meter im Einmündungsbereich zur Wehe bis zu 7,35 Meter lang und 1,20 Meter breit sind laut Planung die vier offengelegten Abschnitte des Lamersiefen. Dazwischen liegen drei verrohrte Abschnitte von drei, vier und 7,95 Meter Länge. Über letzteren verläuft weiterhin der Forstweg zum Fischzuchtbetrieb, und „die Anwohner erhalten jeweils eine drei Meter breite Zufahrt zu ihren Grundstücken“, berichtet Tobias Röhm heute. Dies sei so auch mit den Betroffenen abgestimmt. Am 3. Juli befasst sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt mit dem Thema. Der soll die weitere Bearbeitung an den Bau- und Vergabeausschuss verweisen.

Übrigens: Weiterhin verlegt werden müssen für die Bauarbeiten die Hausanschlüsse. Die Leitungen der Versorgungsträger müssen umfangreich verlegt werden. Jetzt queren sie überhalb des Rohrs, zukünftig unterhalb des Kastenprofils, erklärte die Verwaltung.

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