Kupferstadt nimmt ersten Schritt zur Elektromobilität

Streetscooter & Co. im Einsatz : Mit einer Stromladung durch Stolberg

„Ich bin sehr zufrieden“, sagt der TBA-Mann mit einem Lächeln auf den Lippen. Ingo Steg ist der Markierer des Technischen Betriebsamtes der Kupferstadt. Seit vier Monaten ist er ganz leise im Stadtgebiet zu seinen Einsatzorten unterwegs: Elektrisch, mit einem der beiden neuen Streetscootern, die nun die städtischen Bauhoffarbe Orange tragen.

Maximal 20 bis 30 Kilometer legt Ingo Steg am Tag zurück, um Farbmarkierungen auf Straßen und Plätzen zu erneuern oder neu aufzumalen. Dazu braucht er nicht viel: Farbe, Pinsel und ein wenig Zubehör, das nicht all zu viel auf die Waage bringt. „Ich komme meistens mit einer Stromladung in der Woche aus“, sagt Steg und ist ganz zufrieden mit Komfort und Flexibilität seines neuen Dienstwagens. Für 160 Kilometer soll eine Akkuladung reichen.

Mittlerweile ist das zweite bestellte Exemplar ausgeliefert und soll noch für seinen Dienst präpariert werden. Vermutlich wird es ein „Pflastererauto“ – für den Kollegen, der Reparaturarbeiten an den immer wieder auftretenden Schadstellen ausführt. Eine Sisyphusarbeit, die aber in der Regel ein Mitarbeiter allein bewerkstelligen kann. Und das ist zugleich die Herausforderung, vor die ein Streetscooter das Betriebsamt stellt. „Das Führerhaus hat nur einen Sitzplatz“, sagt TBA-Leiter Georg Paulus. Aber seine Einsatzgruppen sind überwiegend zu zweit oder zu dritt unterwegs.

Das in Aachen gegründete Fahrzeugunternehmen beabsichtige absehbar jedoch nicht, Platz für mehrere Personen in der Fahrerkabine zu schaffen, berichtet Paulus. Ebenso wenig werde es in nächster Zeit Anhängerkupplungen geben, was bei einer Nutzlast von 740 Kilogramm die Einsatzmöglichkeiten im kommunalen Dienst deutlich einschränke.

„Deshalb prüfen wir vor einer Beschaffung auch immer ganz genau, ob sich ein Fahrzeug für den geplanten Einsatz eignet“, sagt Tobias Röhm. Die Elektromobilität stößt halt immer noch an ihre Grenzen, so der Technische Beigeordnete. Rund 51.000 Euro hat jeder Streetscooter gekostet, bei einem 40-prozentigen Zuschuss steuert der Bund 20.500 Euro pro Fahrzeug bei.

Die neue klimafreundlichen Pedelec-Boxen-Stand am Zinkhütter Hof ist gleich bienenfreundlich bepflanzt worden. Foto: Jürgen Lange

Gleichwohl ist mit den beiden kleinen Elektro-Lastern noch längst nicht Schluss für den Stolberger Einstieg in die prosperierende Welt der Elektromobilität, die Georg Trocha als städtischer Klimaschutzmanager maßgeblich begleitet.

Markus Crumbach kommt auch in den Genuss eines klimafreundlichen Dienstfahrzeuges, mit dem er nun leise und sauber durchs Stadtgebiet pendeln darf, um eben sauberzumachen. Anfang dieses Jahres ist die neue Kleinkehrmaschine geliefert worden, die allerdings mit vergleichsweise satten 226.000 Euro zu Buche schlägt. Dabei hat sie den entscheidenden Vorteil, dass sie klein, genauer gesagt schmal ist. Deshalb hat die Stadt sie geordert, um mit den Borsten des Elektrobesens eben auch auf schmalen Gassen, Bürgersteigen und auf Radwegen den Schmutz zu beseitigen.

Mit der Neubeschaffung „müssen wir noch Erfahrungen sammeln“, gesteht Georg Paulus ein. Laut Datenblatt reicht der Akku der Kehrmaschine für einen achtstündigen Einsatz. Mit maximal 60 km/h kann sie vom Betriebsamt an der Mausbacher Industriestraße aus zu ihren Einsätzen im knapp 100 Quadratmeter großen Stadtgebiet ausrücken.

Da muss die TBA-Crew noch sehen, wie sich die berühmte Stolberger Topographie auf die Einsatzfähigkeit auswirkt. Erwartet wird, dass einerseits die Steigungen Energie schlucken werden. Andererseits dienen bergab Bremsvorgänge – man gibt halt kein „Gas“ mehr – zur Rückspeisung der Batterien. Grundlegende Erfahrungswerte fehlen zwar noch, aber „es wäre ja unsinnig, wenn wir die Kehrmaschine auf einen Hänger verladen und konventionell zum jeweiligen Einsatzort fahren würden“, sagt Paulus schmunzelnd.

Nur kürzere Entfernungen muss Josef Heitkamp bewältigen. Er sitzt am Steuer eines bereits 2016 für 19.000 Euro gebraucht gekauften Elektro-Gabelstaplers. Denn der ist normalerweise nur in den Dienststellen des TBA gefordert.

Und bei der Beschaffung des Glutton – des elektrischen Staubsaugers für die Innenstadt – hat im vergangenen Jahr die Gesellschaft für Stadtmarketing einen großen Teil der Kosten übernommen. Auch Frank Schwarz, der TBA-Mann, der mit diesem „Vielfraß“ (so die Übersetzung) selbst Zigarettenkippen aus den Pflasterfugen saugt, zeigt sich sehr angetan von seinem „Gassi-Partner“.

Schwarz statt Grün: die Ladestationen 230-Volt-Anschlüssen und USB-Gerät mit vier Adaptern pro Box. Foto: Jürgen Lange

Mit diesem Fahrzeugpark ist jedoch längst noch nicht Schluss für Stolbergs ersten Schritt in die Welt der Elektromobilität, berichtet Tobias Röhm. Bestellt sind noch ein Renault Kangoo, der in erster Linie, aber nicht nur vom Hausmeisterpool der Stadt bei der Belieferung der städtischen Liegenschaften genutzt werden soll, sowie zwei e.Go. Die beiden Kleinwagen sollen die Bediensteten für Dienstgänge nutzen können, in der Erwartung, dass einige Mitarbeiter dann nicht mehr mit dem konventionellen Privatwagen zur Arbeit kommen. „Auch das spart CO2-Emissionen ein“, sagt Trocha.

Mit einer Analyse der Fahrtenbücher und einer Mitarbeiterbefragung im Rathaus hat der Klimamanager das Potenzial untersucht. Die Dienstfahrten mit privaten Pkw summieren sich im Jahr auf 200.000 Kilometer und 43 Tonnen CO2-Ausstoß. 17 Prozent der Befragten nutzen ihren Pkw für Dienstfahrten. Mit dem Rad zur Arbeit kommen würden 40 Prozent der Autofahrer, wenn unter anderem Autos oder E-Bikes für Dienstgänge vorhanden wären. Und 70 Prozent der Teilnehmer wären bereit, Dienstfahrzeuge oder Carsharing zu nutzen. Alles Gründe für Tobias Röhm, dem Stadtrat die Beschaffung der drei Elektroautos sowie der E-Bikes ans Herz zu legen.

Die Mitarbeiter werden sich aber noch etwas gedulden müssen, weiß Röhm. Denn bislang habe der Aachener Hersteller lediglich Reservierungen für die Elektro-Kleinfahrzeuge entgegengenommen. Die Produktion der Autos laufe jetzt erst langsam an.

Aber bereits gut nachgefragt sind drei weitere Klimaschützer, die die Stadt im vergangenen Jahr in Dienst gestellt hat: „Die E-Bikes sind bei den Kollegen sehr gefragt“, sagt Georg Trocha. Zumindest wenn das Wetter passt. Bislang stehen bei den drei Fahrrädern mit zuschaltbarem Elektroantrieb insgesamt 1500 Kilometer auf dem Tacho. Selbst das bringt 210 Kilogramm CO2-Einsparung, rechnet der Klimaschutzmanager vor. Bei der Fahrzeugbeschaffung macht Stolberg bei seiner Klimaschutz- und Mobilitätsoffensive – auch um Vorbild zu sein – nicht halt. Wer elektrisch unterwegs sein will, muss auch Strom tanken können.

Neue Ladeinfrastruktur

Also müssen mehr passende Steckdosen her. Zwei gab es bis vor kurzem im Stadtgebiet, bei EWV vor der Haustüre auf dem Oberstolberger Markt und Kaufland auf einem Parkplatz. Mit der Eröffnung des Parkhauses am Hauptbahnhof sind zwei weitere Ladesäulen mit je zwei Steckdosen hinzugekommen. Mittlerweile sind weitere installiert: in Breinig auf dem Parkplatz Stefanstraße, ganz frisch auf dem Heinrich-Böll-Platz und in Mausbach „Im Hahn“. In Kürze folgen Standorte am Mühlener Bahnhof und zwei „Wallboxen“, also Steckdosen in der Fassade, des Dienstleistungszentrums.

Geprüft wird derzeit, wie die Stromversorgung, eventuell unter Hinzunahme von Solarmodulen für eine Ladestation auf dem Parkplatz Bergstraße, ausreichend gestaltet werden kann. Und geplant wird eine weitere Ladesäule mit der Neugestaltung des Büsbacher Marktes.

Mit diesen Stationen ist gesundheitsbewussten Radfahrern allerdings noch nicht geholfen. Aber auch für sie werden derzeit diverse spezielle Ladeboxen im Stadtgebiet installiert. Dabei bieten sie viel mehr Service als lediglich einen Fahrrad-Akku aufladen zu können. Jede Box verfügt über zwei konventionelle Steckdosen nebst einer Sammlung unterschiedlicher Anschlussstecker für geringere Voltzahlen, mit denen man auch bequem das Mobiltelefon oder andere Geräte aufladen kann.

Eine Säule mit jeweils vier Boxen ist nun am Hauptbahnhof im Wartehäuschen der Bushaltestelle zu finden, zwei Säulen mit insgesamt acht Boxen stehen am Museum Zinkhütter Hof, das auch eine Station der Grün- und der Metropolroute ist. Eine weitere Ladesäule wird in Kürze auf dem Ludwig-Philipp-Lude-Platz am alten Rathaus aufgestellt. Dort und auf dem Kaiserplatz folgen zudem eineinhalb Dutzend Fahrradbügel, wie sie im Rahmen des Mobilitätskonzeptes vielfach beispielsweise auch am Bastinsweiher und am Hauptbahnhof aufgestellt worden sind.

Zudem hat die Stadt in abschließbare Fahrradboxen investiert. 16 kann man am Hauptbahnhof und acht am Mühlener Bahnhof anmieten. Die Nachfrage ist groß. Ansprechpatner ist Stephan Beckers unter 13-225.