Kunst trifft Flussperlmuschel am Hammerberg

Ausstellung : Kunst trifft Flussperlmuschel am Hammerberg

Vielfältige Werke von mehr als 30 Künstlern befassen sich mit dem Artenschutz. Am kommenden Wochenende noch zu sehen.

Mit „Margarita M – Flussperlmuschel auf Abwegen“ ist eine äußerst ansprechende Ausstellung eröffnet worden, die am kommenden Wochenende noch am Hammerberg zu sehen und garantiert einzigartig in ganz Nordrhein-Westfalen ist.

Einerseits existiert im Perlenbach bei Monschau die einzige in NRW verbliebene Population der Flussperlmuschel „Margaritifera“, und andererseits lockt die Ausstellung mit themenbezogenen Werken von mehr als 30 Künstlern sowie einer Fülle von wissenschaftlichen Informationen der Biologischen Station. Die die weltweit bedrohte Art in NRW vor dem Aussterben bewahrt hat.

Spannende Informationen und facettenreiche Kunstwerke – und damit Artenschutz und künstlerische Auseinandersetzungen – bilden bei der von der NRW Stiftung geförderten Schau eine homogene Mischung in Skulpturengarten und Atelierhaus von Gastgeberin Birgit Engelen.

Bemerkenswert sind sowohl die Vielfalt der Exponate, als auch die tiefgehende Beschäftigung der Künstler mit dem Thema. „Einige Künstler haben an zwei Infoabenden, einer Wanderung und einem Laborbesuch teilgenommen“, beschreibt Heidi Selheim von der Biologischen Station den theoretischen Unterbau der Kunstschaffenden.

Ob Gemälde, Mobile, Assemblagen, Objekte aus Keramik, Glas, Stahl, Textil und mehr, Fotografien, Installationen, Skulpturen, Collagen, Illustrationen, Literatur oder Ausdruckstanz – die Künstler widmeten sich der bedrohten Muschel, der Perlen oder auch der Funktion der Art, denn eine einzige Flussperlmuschel filtert täglich rund 30 Liter Wasser und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Qualität unserer Gewässer.

Andere Werke griffen die unbedingt notwendige Koexistenz von Flussperlmuschel und ihrem Wirt-Fisch Bachforelle auf, der nach dem Bau der Perlenbachtalsperre Mitte der 1950er Jahre nicht mehr zur Muschel gelangen konnte.

Auch weitere verschiedene Formen der Bedrohung im Laufe der Zeit nahmen die Künstler in den Fokus. Machte anfänglich die Habgier nach den Perlen den Muscheln zu schaffen, setzte ihnen später die Industrialisierung, vor allem die durch Abwässer der ansässigen Tuchfabriken drastisch verschlechterte Wasserqualität zu. Später litt die Flussperlmuschel unter der Intensivierung der Landwirtschaft, die ebenfalls zu Lasten der Wasserqualität ging.

Im Detail und auch grundsätzlich thematisieren manche der teilnehmenden Künstler die „besonders erfolgreichen menschlichen Untugenden und Übel zur Ausrottung biologischer Arten“, wie Käthe Loup es in einem Werkstitel formuliert. Mit „Margarita M – Flussperlmuschel auf Abwegen“ ist den Machern eine sehenswerte Schau gelungen, die Kunst, Natur- und Artenschutz auf attraktive Weise, mit zahlreichen qualitativ überzeugenden Kunstwerken und lehrreich, aber nicht belehrend, vereint.

Mehr von Aachener Nachrichten