Küchenprojekt für Bewohner des Stolberger Obdachs am Kelmesberg

Weitere Unterstützer gesucht : Nächstenliebe, die durch den Magen geht

Schon die kräftige „Bällchensuppe“ mit Hackfleisch und viel Gemüse macht einen schmackhaften und einen sättigen Eindruck. Doch es duftet noch nach mehr. Hähnchengeschnetzeltes mit Reis und dazu Wirsing sowie Rosenkohl werden aufgetischt, als Nachtisch stehen Schoko-Bannen-Mus und Apfelkompott bereit.

Ein recht normales Weihnachtsessen, mag man meinen, aber für die Bewohner der Notunterkunft am Kelmesberg ist es keine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht, dass es am zweiten Weihnachtsfeiertag wieder eine festliche warme Mahlzeit gibt – kostenlos.

„Dann machen wir Rindfleischsuppe, Rinderbraten mit Kartoffelklößen, Kaisergemüse und Rotkohl. Als Nachtisch gibt es Joghurt mit frischem Obst“, beschreibt Dieter Brockmann. Der ausgebildete Koch ist als Ehrenamtler am Kelmesberg aktiv und sorgt gemeinsam mit dem Bewohner Bernd Uecker für die Mahlzeiten. „An beiden Weihnachtsfeiertagen kochen wir jeweils 30 Portionen. Und im Notfall können wir immer noch etwas zaubern. Wir bekommen alle hier satt“, betont Uecker. 

Tischgebet mit Pastor Funken 

Dann begrüßt er die ersten Kelmesberg-Bewohner in der Küche, während Brockmann geschäftig Teller füllt. Uecker übergibt das Wort an Pfarrer Hans Rolf Funken, der das Tischgebet spricht. Auf das „Amen“ folgt ein „guten Appetit“, und die Bewohner lassen es sich schmecken. „Wir haben hier auch Menschen, die krank oder behindert sind. Denen bringen wir das Essen selbstverständlich bis ans Bett“, sagt Uecker. Die zwei Festmahlzeiten an den Weihnachtstagen seien natürlich etwas besonderes, aber grundsätzlich biete die Gemeinschaftsküche der Notunterkunft sieben Tage die Woche eine Anlaufstelle zum Frühstücken und mittags eine warme Speise, erklären Brockmann und Uecker.

„Mein Hobby ist Kochen, und mit dem Profi Dieter Brockmann habe ich eine tolle Unterstützung“, sagt Uecker. „Jetzt klingelt jeden Morgen um 7.15 Uhr mein Wecker, und ich bereite alles fürs Frühstück vor, setze Kaffee auf, backe Brötchen auf und so.“ Nach dem Frühstück komme Brockmann hinzu, und die Beiden kochen das Mittagessen, das ab 12.30 Uhr serviert wird. Dieses kostenfreie Angebot für die Bewohner der Notunterkunft wollen die Ehrenamtler Uecker und Brockmann auch in Zukunft erhalten. „Die Gemeinschaftsküche soll gesunde Ernährung und auch Gesellschaft möglich machen und dabei einen geregelten Tagesablauf fördern, und das Angebot soll auch für andere Menschen in der Nähe gelten, die finanzielle Probleme haben“, erläutert Brockmann.

Der gelernte Koch Dieter Brockmann serviert das Weihnachtsmahl und will dauerhaft täglich, zwar bescheidenere, aber gesunde und warme Mahlzeiten am Kelmesberg anbieten. Foto: Dirk Müller

Seine erste Aufgabe bei dem Projekt bestand darin, Lebensmittel und Geld zu besorgen. „Maßgeblich unterstützt wird unsere Küche vom SKM Stolberg. Der Katholische Verein für Soziale Dienste stellt auch Spendenquittungen für das Projekt aus. Spender wie Dirk Giessler, Dieter Nehrlich, Dieter Bierfert und weitere helfen uns sehr, und Lebensmittel erhalten wir von der Stolberger Tafel, der Gaststätte ,Weißes Rößl‘ und dem Supermarkt ,Nahkauf Büsbach‘“, führt Brockmann aus. „Wenn die Nahrungsmittel nicht mehr lange haltbar sind, ist das für uns kein Problem, denn wir verarbeiten sie sofort“, beschreibt Uecker.

Um allerdings wirklich langfristig die warmen Mahlzeiten sowie ein kleines Frühstück täglich anbieten und dabei auch ein wenig vorausplanen zu können, benötige das Projekt noch mehr Unterstützung (siehe Infokasten), sagt Brockmann: „Wir sind darauf angewiesen, weitere Sach- und Geldspenden zu bekommen, um den Bewohnern der Notunterkunft und armen Leuten in der Umgebung auf Dauer dieses Stück Menschlichkeit zu erhalten.“

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