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Fenster der Begegnung im Seniorenzentrum: Kreative Lösung gegen Vereinsamung gefragt

Fenster der Begegnung im Seniorenzentrum : Kreative Lösung gegen Vereinsamung gefragt

Den Start als Geschäftsführer hatten sich Heike Bonn und Günter Schmalen wohl ein wenig anders vorgestellt. Seit dem 1. März leiten die beiden das städtische Seniorenzentrum auf der Liester, seit Mitte März ist dieses für Besucher geschlossen.

Eigentlich hatte sich Bonn gewünscht, das Haus offen zu führen, Feste oder Ausstellungen zu veranstalten. Nun ist das Gegenteil der Fall. Damit sich Bewohner und Angehörige dennoch sehen können – natürlich im Rahmen der Vorschriften und mit genügend Abstand – gibt es auf der Liester nun das Fenster der Begegnung. Und das erfreut sich großer Beliebtheit.

Jeden Tag kann diese Möglichkeit sechs Stunden genutzt werden – drei Stunden am Vormittag und drei Stunden am Nachmittag. Angehörige, die Interesse haben, melden sich vorab an, damit dies in der Einrichtung koordiniert werden kann. Vor rund zwei Wochen ist die Idee entstanden. „Wir sind darauf gekommen, weil unsere Bewohner natürlich schon das Bedürfnis haben, ihre Liebsten zu sehen“, sagt Heike Bonn. In den meisten Fällen sind damit die Kinder und Enkelkinder gemeint. In einigen Fällen betrifft das aber auch die Ehepartner. Ebenso auf anderen Wegen findet die Kommunikation mit Angehörigen derzeit statt. Das Haus besitzt drei Tablets und drei Smartphones. Diese Lösung sei aber eher etwas für die „fitteren Bewohner“, meint Bonn.

Im Seniorenzentrum auf der Liester gibt es bislang keinen Corona-Fall. Bewohner und Belegschaft wurden in der vergangenen Woche getestet. Eine Quarantäne-Station wurde dennoch vorsorglich eingerichtet. Ein wenig „abgeschottet“ seien die Bewohner der Wohngemeinschaft. Dort leben mittlerweile elf Stolberger. Interesse gebe es nach wie vor, ein Probewohnen sei derzeit allerdings nicht möglich.

Im mobilen Bereich habe sich – bis auf das umfassende Desinfizieren – nicht viel geändert. Nur wenige Kunden hätten die hauswirtschaftliche Betreuung abgesagt, erklärt Bonn.

Besonders schade findet Heike Bonn: Die Tagespflege darf derzeit aufgrund von Corona nicht geöffnet werden. Erst im März öffnete die Einrichtung auch den fünften Tag in der Woche. „Hätte alles wie geplant stattgefunden, hätten wir Ende April oder spätestens Ende Mai in der Tagespflege die volle Auslastung erreicht“, ist sich Bonn sicher. Der Kontakt zu den Senioren werde allerdings weiterhin gepflegt. Mehrmals in der Woche finden beispielsweise Telefonate statt. Die Mitarbeiter der Tagespflege unterstützen nun den ambulanten und stationären Bereich.

Ende Mai im Stadtrat

Und Annegret Miller, die übergangsweise das Haus führte? Sie steht der Einrichtung weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Ende Mai muss die neue Geschäftsführung wieder vor den Stadtrat treten und die neuen Zahlen präsentieren.

Die Stimmung in der Einrichtung sei trotz Coronavirus gut, sagt Bonn. „Hier wurde selten so viel gelacht wie momentan“, sagt sie. Derzeit bereite man sich darauf vor, den Garten herzurichten, damit dieser bei schönem Wetter von den Bewohnern genutzt werden kann.