Stolberg: Kogelshäuserschule: Raus aus dem Schatten der Sekundarschule

Stolberg: Kogelshäuserschule: Raus aus dem Schatten der Sekundarschule

Das Gespräch beginnt mit sehr offenen Worten: „Wir haben uns manche Dinge zu einfach vorgestellt“, räumt Brigitte Zilligen ein. Als Leiterin der Ganztagshauptschule Kogelshäuserstraße und Nachfolgerin von Jörg Klein hat sie kein leichtes Erbe angetreten. Denn während ihr (ehemaliger) Kollege nun die neu gegründete Sekundarschule im Hause führt und aufbaut, ist Zilligen für eine Einrichtung verantwortlich, die es in fünf Jahren nicht mehr geben wird.

Die Hauptschule nimmt seit diesem Sommer keine Fünftklässler mehr auf und läuft aus. „Aber wir wollen nicht in der Versenkung verschwinden“, betont die Leiterin, die gewillt ist, die Hauptschule wieder mehr in den Blickpunkt zu rücken, nachdem sie in den vergangenen zwei Jahren doch sehr stark im Schatten der Bemühungen um die Eröffnung einer Sekundarschule in Stolberg gestanden hat. Das Motto steht fest: „Auslaufen ja, Untertauchen nein.“

Brigitte Zilligen spricht von einer „sensiblen Situation“. Das bezieht sich aber weniger auf den Umgang zwischen den Kindern und Jugendlichen der beiden Schulformen an der Kogelshäuserstraße. „Die kommen sehr gut miteinander aus“, berichtet Schulsozialarbeiter Markus Stork von einer funktionierenden Gemeinschaft schon nach wenigen Wochen. Für alle anderen Beteiligten aber stellt sich „eine völlig neue Situation“, wie Zilligen berichtet: „Wir haben zwei Systeme mit zwei unterschiedlichen Schulaufsichten, die nicht nur nebeneinander laufen, sondern auch voneinander profitieren sollen.“

Dabei sind zunächst einmal ganz viele praktische Dinge zu regeln: Pausenaufsichten, die Belegung der Fachräume, die Nutzung der Mensa und die Besetzung des Kiosks — um nur einige Beispiele zu nennen. Doch es geht auch um die inhaltliche Arbeit: „Die Sekundarschule trifft hier auf jahrelang bewährte Systeme, an denen sie teilhaben kann“, betont Stork.

Diese sollen, so der Schulsozialarbeiter, wenn möglich auch erhalten bleiben. Was eine große Herausforderung darstellt, weil Haupt- und Sekundarschule von ihren Konzepten her doch erhebliche Unterschiede aufweisen. Da trifft es sich gut, „dass beide Schulleitungen sehr offen und konstruktiv mit der Situation umgehen“.

Brigitte Zilligen setzt auf die Stärken ihrer Schule. „Wir haben noch einiges vor und werden jedem Schüler bis zur letzten Stunde ein hochwertiges Angebot bieten können“, versichert sie. Das gilt auch für den gemeinsamen Unterricht (GU), der erst zu Beginn des vergangenen Schuljahres eingeführt worden ist und an dem derzeit sieben Sonderpädagogen mitwirken.

Berufswahlorientierung

Ein weiterer Schwerpunkt ist und bleibt die Berufswahlorientierung. „Die achten Klassen befinden sich gerade in den Orientierungswochen, in der neunten und zehnten Klasse werden Praktika und ein Bewerbungstraining absolviert“, erklärt Schulsozialarbeiterin Vanessa Stumm. Der Auftrag für die verbleibenden fünf Jahrgänge gelte unverändert: „Es geht darum, für unsere Schüler passgenaue Wege in die berufliche und private Zukunft zu finden.“

Daran werde auch der zunehmende personelle Aderlass, der durch das Auslaufen der Schule und die rückläufigen Schülerzahlen bedingt ist, nichts ändern. Teilabordnungen von Fachlehrern anderer Schulen sowie die Rückabordnung von Kollegen, die zur Sekundarschule gewechselt sind oder wechseln werden, sollen sicherstellen, dass die Unterrichtsvielfalt bis zum letzten Schuljahr ohne wesentliche Einschränkungen gewährleistet werden kann.

„Wir sind da in einer luxuriösen Situation, weil für die Zeit des Übergangs zwei Schulformen in einem Haus vertreten sind“, bekräftigt Markus Stork. Auch wenn er sich das in manchen Punkten etwas einfacher vorgestellt hatte . . .

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