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Testlauf in Breinig: Können Stolberger bald die Küchentonne für Bioabfälle nutzen?

Testlauf in Breinig : Können Stolberger bald die Küchentonne für Bioabfälle nutzen?

Dass es in Stolberg keine Biotonne gibt, liegt am Boden, der vielerorts mit Schwermetall belastet ist. Möglicherweise gibt es aber bald eine Alternative: die Küchentonne. Knapp 1000 Haushalte in Breinig testen diese gerade, im kommenden Jahr könnte dann eine Entscheidung fallen.

Die fehlende Biotonne in Stolberg ist ein lang und viel diskutiertes Thema. Aufgrund der geogenen Vorbelastung haben die Einwohner nur die Restmülltonne für jeglichen Bioabfall, oder sie müssen diesen aktiv zu Sammelstellen bringen. Bald könnten Bürger aber von einer Zwischenlösung profitieren, die gerade in Breinig getestet wird: die Küchentonne.

Der wesentliche Unterschied zu einer Biotonne liegt darin, dass nur kompostierbare Abfälle aus der Küche in den Behälter dürfen. „Alles aus dem Garten muss draußen bleiben“, erklärt Stephanie Pfeifer von der Regio-Entsorgung. Der Grund dafür ist die bereits angesprochene geogene Vorbelastung. Das bedeutet, dass Laub und Grünschnitt aus dem Garten in der Stolberger Umgebung häufig schwermetallbelastet sind.

Deshalb biete sich Breinig als Testgebiet besonders an, wie Bürgermeister Patrick Haas (SPD) betont: „Breinig ist durch den Erzbergbau vorbelastet. Außerdem ist dieser Ortsteil ein wenig abgekapselt, was die Testphase einfacher macht.“ Die Testphase, das sind rund acht Monate. Begonnen hat sie im Oktober, enden wird sie voraussichtlich im Juni 2021.

In dieser Zeit nimmt die Regio-Entsorgung mindestens einmal pro Monat Proben von dem Abfall, der in der Küchentonne ist. Bei der 14-tägigen Abfuhr wird also jede zweite stichprobenweise kontrolliert. Die Tests sollen zeigen, dass der Inhalt der Tonnen nicht schwermetallbelastet ist. Denn das wäre ein Problem bei der Verwertung der Abfälle in der Biovergärungsanlage der AWA in Würselen.

„Wenn der Abfall vergärt, wird daraus Biogas, das in einem Blockheizkraftwerk verstromt wird“, erklärt Pfeifer. Dafür sei belasteter Müll nicht geeignet. Dieser müsse nach wie vor in den Restmüll und würde dann verbrannt werden. Die bisherigen Tests fielen jedoch sehr positiv aus, wie Pfeifer berichtet. Bisher habe man keine Gartenabfälle gefunden, sondern nur richtig befüllte Tonnen. Fotos dokumentieren Bilder von Küchenabfällen wie verdorbenem Obst und Gemüse.

Umfangreiche Aufklärungsarbeit

Dass das so gut funktioniere, liege auch an der umfangreichen Aufklärungsarbeit, die die Regio-Entsorgung sowie die AWA-Abfallberatung aktiv anstreben. „In den Städten, wo es schon lange eine Biotonne gibt, merkt man, dass die Befüllung häufig mangelhaft ist. Da haben wir nicht gut genug kommuniziert“, bilanziert Pfeifer. Deshalb müssten sie und ihre Kollegen dort immer wieder nachhelfen.

Das habe man in Breinig von Anfang an anders machen wollen. „Es ist hier ein Modellprojekt, deshalb wollen wir die Anwohner auch mitnehmen und sie informieren.“ Denn der Test basiert auf einer freiwilligen Teilnahme. Im August hat die Regio-Entsorgung die 1686 Eigentümer in Breinig angeschrieben und das Projekt vorgestellt. Insgesamt 944 Haushalte haben sich für die Testphase angemeldet, am 21. Oktober ist die Küchentonne das erste mal abgeholt worden.

Die ersten Erfahrungen der Bürger sind durchaus positiv. „Ich bin erstaunt, ich habe kaum noch Restmüll“, erzählt Ingrid Lange. Sie habe sich doch mit der richtigen Befüllung und Entsorgung beschäftigen müssen, da nicht alles von Beginn an klar gewesen sei, aber das sei bei Neuem ja schließlich immer so. Außerdem habe ihr die Beratung gut weitergeholfen. In jedem Fall halte sie die Küchentonne für die bessere Alternative zum Komposthaufen, den in Breinig viele im Garten hätten.

Wenn die weiteren Rückmeldungen auch so positiv ausfallen und vor allem die Testergebnisse dem Abfall die richtige Qualität bescheinigen, werde darüber nachgedacht, die Küchentonne weiter zu verbreiten. „Wir würden den Test nicht machen, wenn es nicht das Ziel wäre, die Tonne in ganz Stolberg einzuführen“, betont Bürgermeister Haas.

Kein Zwang zur Tonne

Er betont aber auch, dass es einen Zwang zur Küchentonne wiederum nicht geben werde. Damit tue man sich keinen Gefallen, denn es würde die Akzeptanz der Bürger nicht steigern. Stattdessen erhofft Haas sich, dass die Teilnehmer der Testphase mit Freunden und Bekannten über ihre Erfahrungen sprechen und sich so der Nutzen herumspreche.

Unabhängig von möglicherweise geringeren Kosten für die Restmüllentsorgung habe die getrennte Abfuhr der Küchenabfälle nämlich auch Vorteile in Sachen Nachhaltigkeit, da nicht mehr so viel Müll verbrannt würde. Aktuell ist der Test für die teilnehmenden Bürger kostenlos, die Stadt übernimmt die Kosten von maximal 80.000 Euro.

Wie die Finanzierung bei einer stadtweiten Einführung aussieht, kann Haas noch nicht sagen. Er könnte sich aber vorstellen, dass die Überlegungen rund um den Gebührenhaushalt zeigen, dass sich finanziell für die Nutzer kaum etwas ändert, wenn sie wiederum weniger für den Restmüll zahlen müssen. „Es ist also ein doppelter Effekt: Man kann vielleicht ein bisschen Geld sparen und tut der Umwelt etwas Gutes“, wirbt Haas für das Projekt, das von den Grünen angestoßen und einstimmig im Rat beschlossen wurde.

Die breite politische Mehrheit gibt es für die Küchentonne also schon, jetzt müssen nur noch die Bürgermeinung und die Müllqualität stimmen. Vielleicht ist dann die lange Diskussion rund um den Biomüll in Stolberg bald beendet.