Stolberg: Kishons „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht” im Burghoftheater

Stolberg: Kishons „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht” im Burghoftheater

„Vielleicht ist das Lachen eine der größten Erfindungen Gottes.” Man findet dieses Zitat im Internet. „Sprüche von klugen Köpfen” ist der Titel der Website, von Galilei bis Freud, von Heine bis Warhol, alle sind sie hier verewigt. Und ja, auch dies ist der Ausspruch eines „klugen Kopfes”, zweifelsohne: Ephraim Kishon.

Dass seine Satire „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht” bei ihrer Premiere im Burghoftheater die Zuschauer begeistert, hat aber noch einen anderen Grund: Die Amateurtheatergruppe „Spielfreu(n)de 2010” unter der Regie der Schauspielerin und gebürtigen Stolbergerin Stefanie Otten zeigt eine hervorragende Darbietung. Eine Inszenierung, die es schafft, den ganzen Humor aus dem Skript auf die Bühne zu transportieren, aber bei allem Witz auch die Botschaft des Stückes nicht vergisst.

Der erfolglose Maler Raphael Schlesinger (Dirk Verhoolen) fristet ein zutiefst unbefriedigendes Dasein. Der Rembrandt-Verehrer ist notorisch pleite, seine Werke, meist Nacktporträts seines Modells Dahlia (Anne-Marike Spering), finden keine Abnehmer. Doch mit dem Erscheinen des „Kunst-Papstes” Karla M. Kaschtan (Daniela Otten) ändert sich sein Leben.

Die berühmte Kunstkritikerin entdeckt eine Zweckkonstruktion, die Rafaels Leben über Nacht verändern soll: Ein Tisch als Grundlage, darauf ein Stuhl und die Spitze bildet ein Wasserkocher, dessen Kabel nur auf diese Weise die Deckensteckdose erreicht. Das Kunstwerk „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht” ist geboren und der schüchterne, überrumpelte Maler Raphael erlangt weltweite Bekanntheit, kommt als gefeierter „Mobiliarist” in die Kunstmetropole Paris.

Dort arbeitet er für seinen Mäzen Josef Pickler (Bernhard Bienemann), einen schmierigen Kunsthändler. Gemeinsam mit dem Bildhauer Gogo (Michael Straten), der naiven und tränenreichen Malerin Jacquot (Brigitte Keldenich), dem freizügigen Modell Mon Chéri (Birgit Stegink) sowie der Tänzerin Simone (Daniela Otten) lebt und arbeitet er. Doch statt seinen Traum von der klassischen Malerei verwirklichen zu können, muss er weiter abstrakte Werke à la „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht” produzieren.

Rafael hält es nicht lange in Paris aus. Nahezu angewidert rechnet er mit der Absurdität der von ihm entfremdeten Kunstszene ab. Seine turmähnlichen, abstrakten Gebilde beschämen ihn zutiefst. Die Überhöhung der Kunst durch die Kunstkritik, die profitgelenkte Vermarktung von zweifelhafter, moderner Kunst, mit dieser Welt kann sich der Maler im farbbetupften Hemd nicht identifizieren, er begehrt auf, protestiert und resigniert.

Mit viel Wortwitz und Humor, aber auch der nötigen Portion Nachdenklichkeit bringt das zehnköpfige Ensemble die Satire an diesem Abend auf die Bühne. „Wir sind sehr zufrieden, es war ein toller Abend mit einem tollen Publikum”, zeigt sich Regisseurin Stefanie Otten begeistert und fügt strahlend hinzu: „Ich bin natürlich auch unendlich stolz auf die Schauspieler, das war Spitzenklasse”.

Entstanden ist die Gruppe aus einem Volkshochschulkurs über die Grundlagen der Schauspieltechnik, die Satire von Kishon ist erst ihr zweites Stück. In den nächsten Wochen geht es auf Tournee.

Am 13. und 14. Mai sind die begeisterten Schauspieler im Alten Rathaus in Würselen zu sehen, am 27. und 28 Mai spielen sie im Saal der KHG (Pontstraße 74-76) in Aachen auf. Der Vorhang öffnet sich stets um 20 Uhr.