Stolberg: Kindertagespflege in Stolberg im Blick

Stolberg: Kindertagespflege in Stolberg im Blick

Aufmerksam hört Katharina Caspar ihrem Gegenüber zu. Die junge Mutter ist alleinerziehend und fängt demnächst eine Ausbildung im Supermarkt an. Während sie arbeitet, ist ihr Kind in der Kita. Aber Feierabend und Kindergarten-Schluss lassen sich nicht ganz miteinander vereinbaren. Es geht zwar nur um eine Stunde, aber es ist eben eine Stunde, in der das Kind unversorgt wäre.

Gedanklich geht Katharina Casper schon die Tagesmütter durch, die in Frage kommen würden. Kind in der Kita abholen, eine Stunde betreuen. „Ich habe mit der Mutter ausgemacht, dass ich gucke und nach einer Tagesmutter suche.“

Kindertagespflege in Stolberg: Helene Pütz, Ulrike Bergmann und Katharina Casper sind die Ansprechpartnerinnen. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Katharina Casper arbeitet mit ihren Kolleginnen Ulrike Bergmann und Helene Pütz im Rathaus. Dort sind sie zuständig für die Fachberatung Kindertagespflege und damit zurzeit für etwa 120 Mädchen und Jungen unter drei Jahren, die von knapp 40 Tagesmüttern und einem Tagesvater betreut werden, wenn die leiblichen Eltern das Angebot in Anspruch nehmen, weil sie zum Beispiel beide berufstätig sind. Oder es geht um die so genannte Randzeitenbetreuung, die die Zeiten vor und nach der eigentlichen Kindergartenzeit beinhaltet — wie im eingangs beschriebenen Fall.

Bis zu fünf Kinder betreuen

„Die Tagespflege ist vom Gesetzgeber ebenso berechtigt, wir sind also gleichgestellt mit den Kindergärten“, erklärt Gruppenleiterin Helene Pütz. Einen Vorteil in der Kindertagespflege als Betreuungsform für U3-Kinder sehen die Damen in puncto Flexibilität und kleinerer, familiärer Gruppen. Die drei Frauen sind es auch, die die Tagespflegeerlaubnis ausstellen, die es der Tagesmutter erlaubt, bis zu fünf Kinder betreuen zu dürfen. „Da gibt es klare Regeln“, sagt Pütz. Die Mitarbeiterinnen beraten vor Ort und am Telefon, begleiten Eltern, prüfen das Tagespflege-Personal. Zweimal im Jahr werden Hausbesuche gemacht, darüber hinaus bietet das Jugendamt in jedem Quartal Treffen an, die genutzt werden können zum Vernetzen, für einen Austausch.

Insgesamt sei die Stadt beim U3-Angebot sehr gut aufgestellt. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für ein- und zweijährige Kinder tritt am 1. August bundesweit in Kraft. Für Kinder ab drei Jahren gibt es bereits einen solchen Rechtsanspruch.

Nach Länderangaben stehen rund 802.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige zur Verfügung. Das ursprüngliche Ausbauziel lag bei 780.000 Plätzen — von 100 Kleinkindern sollen im Bundesdurchschnitt 39 versorgt werden können.

Bei der Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen kooperiert das Helene-Weber-Haus mit den Jugendämtern der Stadt Stolberg und der Städteregion sowie mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Stolberg. Die Teilnahme an den mit insgesamt 160 Stunden umfassenden Seminaren ist Voraussetzung zur Erlangung der Pflegeerlaubnis. „Die Personen, die bereits einen pädagogischen Grundberuf haben, müssen 100 Stunden absolvieren“, erläutert Ulrike Bergmann.

Ist die Qualifizierung vorhanden und die Tagespflegeerlaubnis ausgestellt, findet einerseits eine regelmäßige Begleitung statt und müssen sich die Tagesmütter und —väter natürlich auch fortbilden. „Wir unterstützen die Tagesmütter bei der Vermittlung von Tageskindern, beraten und begleiten bei pädagogischen Fragen und geben Hilfestellung bei Konflikten in der Betreuung“, so Bergmann.

Für suchende Eltern oder Alleinerziehende bieten die Jugendamt-Mitarbeiterinnen Informationen und Beratung zur Kindertagespflege und anderen Betreuungsangeboten, vermitteln Tagespflegepersonen. Wie bei den Kindertagesstätten zahlen Eltern einen Kostenbeitrag an die Stadt, abhängig vom Einkommen. Die Tagesmutter wird dann von der Stadt entlohnt.

„Wir kooperieren eng mit den acht Familienzentren, sprechen uns ab und beraten auch dort“, Helene Pütz. Und Katharina Caspar ergänzt: „Das ist ein niedrigschwelliges Angebot. Manche Eltern gehen eben einfach lieber ins Familienzentrum, also in ihren Kindergarten, als zum Jugendamt. Da gibt es manchmal noch Hemmungen.“

Wer kommt überhaupt als Tagesmutter oder -vater infrage? „Freude im Umgang mit Kindern ist natürlich Grundvoraussetzung“, sagt Pütz. Wer dann auch noch Kinder und deren Familien als Tagesmutter ein Stück auf ihrem Weg begleiten möchte, sich für pädagogische Tätigkeiten und die damit verbundenen Herausforderungen interessiert, gerne sebstständig arbeiten und den Rahmen seiner Arbeit selbst bestimmen können möchte, sollte das Gespräch mit den Damen suchen.

„Die Mischung bei uns ist unterschiedlich. Es gibt Tagesmütter, die davon leben. Ein Großteil macht das, um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können“, weiß Bergmann.

Reich wird man als Tagesmama oder -papa sicherlich nicht, der monatliche Leistungssatz beträgt bei vollem Einsatz, also über 40 Stunden, 720 Euro. Dennoch ist die Nachfrage gut. Und dass ab dem 1.8. der große Ansturm seitens Eltern von unter Dreijährigen kommt, zeichnet sich laut Helene Pütz auch nicht ab. „Aber wir sind da recht flexibel — wir haben genügend Tagesmütter und auch genügend Plätze!“