KG Vicht: Frauen aus Stolberg gründen Damen-Garde-Corps

Uniform, Stiefel und Lippenstift : Stolbergerinnen gründen erste Damen-Garde-Corps der Region

Karneval ist Männersache? Nein! Zumindest nicht in Stolberg-Vicht. Dort hat sich vor rund zwei Jahren nämlich das erste Damen-Garde-Corps in der gesamten Euregio gegründet.

Katharina Kaul, Ute Kever, Stephanie Frey und Sabrina Küther tragen Reithosen, Uniformjacken und Stiefel – ganz so wie auch die Männer der Karnevalsgesellschaft Vicht. Oder vielleicht doch ein kleines bisschen anders. Wenn man einen genaueren Blick auf die Uniformen der vier Frauen wirft, erkennt man, dass sie etwas weiblicher geschnitten sind.

Sie betonen nicht nur die Taille, sondern haben auch einen Ausschnitt. Roter Nagellack und roter Lippenstift runden den Look ab. Wenn die vier Stolbergerinnen mit ihrem Verein unterwegs sind, sorgen sie für Aufsehen – im positiven Sinne. Bis sie ihre Idee allerdings durch- und umsetzen konnten, war es ein weiter Weg.

Los ging es vor ungefähr drei Jahren. „In der Regel war es so, dass unsere Männer mit dem Verein unterwegs sind, in dem unsere Kinder auch tanzen. Und an uns blieb dann die Wäsche hängen“, bringt es Stephanie Frey auf den Punkt. Und Katharina Kaul ergänzt: „Unsere Männer und Kinder marschierten auf die Bühne, dabei machten wir eigentlich die Hauptarbeit, durften aber nie mit auf die Bühne, sondern immer nur von unten zugucken. Das ärgerte und frustrierte uns. Wir wollten mittendrin sein statt nur dabei.“ Schnell stand für die Frauen fest: „Was die Männer können, das können wir auch.“

Eine eigene Gruppierung

Doch das war zu Beginn gar nicht so einfach. Denn die Prinzengarde der KG wollte weiterhin eine reine Männergruppierung bleiben. Die Gründung eines eigenen Vereins kam für die Frauen allerdings nicht in Frage. „Wir fühlen uns in unserem Verein wohl und wollten einfach nur dabei sein“, sagt Frey. So gründeten die Damen schließlich ihre eigene Gruppierung mit einem Führungsstab bestehend aus Generalissima, Quästorin und Konsultantin.

Ein besonders beliebtes Fotomotiv: Immer häufiger werden die Frauen des Vichter Damen-Garde-Corps auf ihre Uniformen angesprochen. Die Idee kommt natürlich nicht nur in Stolberg bestens an, erklären die Karnevalistinnen. Darauf sind sie auch besonders stolz. Foto: A. Kaul

„Wir sind keine weibliche Kostümgruppe und auch kein eigenständiger Verein, sondern eine Gruppierung der KG Vicht“, erklärt die Generalissima Katharina Kaul. Sinn und Zweck dahinter: „Wir wollten das Brauchtum pflegen und Karneval nostalgisieren, gleichzeitig aber auch eine neue, zeitgemäße Tradition begründen. Und das, was wir machen, musste auch Hand und Fuß haben. Das war uns ganz wichtig“, sagt die Konsultantin Stephanie Frey.

Das sollte vor allem durch die Uniformen ausgedrückt werden. Sie sind auf der einen Seite zwar traditionell und in den Farben der KG gehalten, auf der anderen Seite betonen sie allerdings auch weibliche Vorzüge. Roter Lippenstift, roter Nagellack und farblich passendes Make Up runden das Erscheinungsbild ab und gehören zur Uniformordnung der Damen dazu. Den Säbel der Prinzengarden tauschten die Damen gegen eine Kartuschentasche. „So wie wir Frauen nun mal sind – ein Täschchen muss natürlich immer dabei sein!“, meint Gardissima Sabrina Küther lachend.

Gefeiert wird natürlich gemeinsam mit den Männern. Die Gründung eines eigenen Vereins kam für die Mitglieder des Damen-Garde-Corps nicht in Betracht. Foto: A. Kaul

Teurer als Kostüme

Angefertigt wurden die Uniformen übrigens von einem bekannten Uniform-Schneider in Köln. Komplettiert werden diese durch die entsprechende Kopfbedeckung: „Da orientieren wir uns an den Männern. Bei Bühnenauftritten tragen wir Dreispitz und ansonsten Krätzchen. In der Hinsicht passen wir uns an, damit wir auf der Bühne eine Einheit sind“, führt Kaul aus. Dass Uniformen um einiges teurer sind als Kostüme, wussten die Vichter Frauen durch die Anschaffung der Uniformen ihrer Männer schon vorab. So war das für sie kein Grund, auf die Anschaffung zu verzichten.

„Jetzt habe ich etwas, das ich mit Stolz anziehe und in dem ich mich wohlfühle. Und jedes Jahr ein neues Kostüm anzuschaffen, geht auch ins Geld“, sagt Stephanie Frey. „Außerdem ist die Uniform durch die individuelle Maßanfertigung sehr gemütlich, und man muss sich keine Gedanken mehr darüber machen, was man anzieht“, sagt Quäs­torin Ute Kever und lacht.

Alles geregelt im Soldbuch

Doch nicht nur ein gepflegtes Erscheinungsbild gehört zu den Pflichten der Mitglieder. Gutes Benehmen verstehe sich von selbst, und auch die Teilnahme an allen Umzügen und Aufmärschen auf die Bühne gehören dazu – alles geregelt im Soldbuch des Damen-Garde-Corps. Trotzdem kommt bei alldem das Feiern nicht zu kurz. Kompromisse – vor allem in Sachen Uniform – gehe man nicht ein, denn es handle sich um eine Uniform, nicht um eine Multiform. „Wir bleiben unserer Linie treu, und das macht uns aus“, sagt Ute Kever.

Wer im Damen-Garde-Corps dabei sein möchte, hat auch einige Pflichten. Dazu gehört unter anderem, dass man bei den Ausmärschen der Gesellschaft dabei ist. Foto: A. Kaul

Dass ihr Damen-Garde-Corps durchweg positiv in Stolberg und Umgebung aufgenommen wird, war den Gründerinnen ziemlich schnell klar. „Das ist etwas, das eine Gesellschaft bereichert und den Karneval nicht nur als reine Männerdomäne darstellt“, meint Katharina Kaul. Sind die Karnevalistinnen unterwegs, sind sie ein beliebtes Foto-Motiv. „Wir werden oft gefragt, ob man mit uns ein Bild machen kann. Darüber freuen wir uns natürlich immer“, sagt Frey. Was für die vier Frauen allerdings noch viel wichtiger ist: „Wir sind mit dem Herzen dabei und eine richtige Einheit geworden, und das gibt einem sehr viel.“

Vier uniformierte Mitglieder hat das Damen-Garde-Corps bereits. Sechs weitere Frauen interessieren sich und könnten sich eine Mitgliedschaft vorstellen.

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