Kelten, Römer und Knappen in Stolberg erwachen in Bildern zum Leben

Christian Altena rekonstruiert : Kelten, Römer und Knappen in Stolberg zum Leben erweckt

Zeitreise: Keine Vokabel beschreibt besser den Vortrag, den Christian Altena dem Publikum im Saal des Kulturzentrums Frankental präsentierte.

Als Abschluss der zwölfteiligen Reihe, die dem 900-jährigen Stadtjubiläum gewidmet war, stellte der 38-jährige Historiker Rekonstruktionen, beziehungsweise Vorschläge dazu vor, die eine lebendige Zeitreise in die Vergangenheit der Kupferstadt Stolberg ermöglichten: Rekonstruktionen, die der Historiker selbst angefertigt hat und die durch seine Forschungen am Bauwerk und der Sichtung von historischem Bild- und Schriftmaterial eine wissenschaftliche Grundlage erhalten haben.

Mehrere Dutzend in Bleistift erstellte Zeichnungen zeigten neben der Dorffer und Stolberger Burg auch Kupferhöfe und -mühlen sowie andere wichtige, zentrale Einrichtungen der Innenstadt und der Stadtteile. Angesiedelt waren die Darstellungen, die die ursprüngliche Architektur, die Baustile und die Besonderheiten der historischen Bauwerke wiedergaben, überwiegend im 16. und 17. Jahrhundert.

Aber auch Rekonstruktionen aus dem 18. und 19. Jahrhundert wurden präsentiert. Dazu gehörten beispielsweise das ehemalige Offermannsche Gartenhaus auf dem heutigen Willy-Brandt-Platz, die anfänglich kleine Mühlener Kirche an der Salmstraße und das im Bau begriffene alte Rathaus am Kaiserplatz.

Somit präsentierte der Experte bekannte Stolberger Bauwerke aus einer unbekannten Sicht. Schließlich sind Stolbergs historische Gebäude von einer langen Baugeschichte gekennzeichnet und wurden in der Vergangenheit immer wieder verändert, um sie den aktuellen Anforderungen und Gegebenheiten anzupassen. Die Zeichnungen erzeugten nicht nur durch ihre Darstellungsart Stimmungen, sondern waren auch von einer hohen künstlerischen Qualität.

Um Stimmungen erzeugen und ein Gesamtbild wiedergeben zu können, hatte Altena seine Rekonstruktionen in ein Umfeld gestellt, das von Bäumen, Menschen, Tieren und Wetterlagen gekennzeichnet war. Ergänzt wurden die Illustrationen situationsbedingt – wenn erforderlich – unter anderem durch die Darstellung von Misthaufen, Werkzeugen und Transportfahrzeugen. Durch dieses Beiwerk und die genaue Darstellung der architektonischen Einzelheiten gewannen die Zeichnungen an Authentizität und Überzeugungskraft.

Schließlich sind Altenas Rekonstruktionen keine Fiktionen im Sinne von 'ausgedacht', sondern entsprechen, basierend auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungen, durchaus einer anzunehmenden Realität und Begebenheit: Vorgänge, die von ehemaligen Fensterformen, der einstigen Gestaltung von Fassaden und Mauerwerk sowie der frühen Ausformung von Türmen, Toren und Nebengebäuden gekennzeichnet waren. Sie wurden von Altena anschaulich erläutert und mit spannenden Hintergrundinformationen aus der Entstehungsgeschichte und dem Werdegang der Bauwerke versehen.

Immer wieder machte der Experte dabei die Besucher mit heute noch vorhandenen Baubefunden vertraut, die Aufschluss geben über die ursprüngliche Gestaltung und das Aussehen der Gebäude. Als Beispiel zeigte Altena unter anderem im Mauerwerk noch vorhandene Entlastungsbögen, die Anzeichen für die einstigen Fensterformen sein können.

Begonnen hatte der Historiker seinen chronologisch konzipierten Vortrag, indem er Rekonstruktionen der keltischen Fliehburg oberhalb des Staudammes der Wehebachtalsperre und der antiken, römischen Knappensiedlung am Breinigerberg vorstellte. Später folgten Zeichnungen, die zum Beispiel das ursprüngliche Bild der Kupferhöfe und -mühlen Blankenberg, Weide, Enkerei, Binsfeldhammer und Grünenthal zeigten. Vorgestellt wurden aber auch das Vogthaus in Gressenich, das Beginenhöfchen an der Grabenstraße, die herrschaftliche Zwangs- und Bannmühle in der Altstadt und die evangelische Vogelsangkirche.

Die Besucher waren begeistert. Lang anhaltender Applaus beendete die abwechslungsreiche und kurzweilige Vorstellung, die gleichsam das „Sahnehäubchen" auf einer von der Volkshochschule und dem Stadtarchiv initiierten langen Vortragsreihe war. Zur Veranschaulichung der gezeigten Zeichnungen und Skizzen hatte der Historiker eine Zeichnung im Original präsentiert, die die Altstadtpartie mit der Burg vom heutigen Willy-Brandt-Platz aus gesehen, im 16. Jahrhundert zeigte.

Viele Besucher wünschten sich, die die repräsentierten Rekonstruktionen in absehbarer Zeit auch in Buchform wieder sehen zu können.

(doe)
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