Stolberg: Keine Liste, kein Konzept: Grüne lassen Versammlung platzen

Stolberg: Keine Liste, kein Konzept: Grüne lassen Versammlung platzen

Eine wesentliche Änderung hat es dann doch in den vergangenen Tagen gegeben: Die brach liegende Homepage ist aktualisiert und sogar mit einem gültigen Terminhinweis versehen worden: „Die nächste Fraktionssitzung findet am 10. Februar statt.“ Es ist eine bemerkenswert klare Aussage, nimmt man das diffuse Gesamtbild als Maßstab, das die Stolberger Grünen seit Wochen bieten.

Denn ansonsten ist zumindest in der Öffentlichkeit so ziemlich alles unklar, was den hiesigen Ortsverband angeht. Und das dreieinhalb Monate vor den Kommunalwahlen. Bei der Mitgliederversammlung am 29. Januar hatte die dreiköpfige Führungsmannschaft zur Überraschung mancher Anwesenden angekündigt, innerhalb einer Woche die Kandidatenliste für die 22 Wahlbezirke in der Kupferstadt zu erstellen und auch ein kommunalpolitisches Programm vorzubereiten. Beides sollte am Donnerstag bei einer neuerlichen Versammlung präsentiert werden. Stattgefunden hat diese dann aber nicht. Und auch die nach Informationen unserer Zeitung vom Vorstand geplante schriftliche Absage an die Mitglieder ist nicht verschickt worden.

Satzung: Frau an der Spitze

Damit bleibt weiter offen, wie und mit wem die Stolberger Grünen in den Wahlkampf ziehen werden. Auch der Vorstand konnte am Freitag keine klärenden Aussagen machen. Sprecherin Dina Graetz betonte am Nachmittag auf Anfrage unserer Zeitung, die kurzfristige Absage sei „aus organisatorischen Gründen“ notwendig gewesen. „Wir haben noch Gesprächsbedarf.“ Nun soll Anfang März ein weiterer Anlauf für eine Kandidatenkür gemacht werden.

Nach der Satzung der Grünen müsste den Mitgliedern dann eine Frau als Spitzenkandidat präsentiert werden. Ob sich in den Reihen der derzeit gut 30 Mitglieder überhaupt eine Bewerberin befindet, die zudem mit einer mehrheitlichen Unterstützung der Basis rechnen kann, wird in Teilen der seit 2009 von inneren Zerwürfnissen gezeichneten Grünen bezweifelt. Gleiches gilt auch hinsichtlich eines geeigneten Bürgermeister-Kandidaten, wie der scheidende Fraktionsvorsitzende Franz-Josef Ingermann in der vergangenen Woche im Interview eingeräumt hatte.

So steigt die Zahl derjenigen in der Partei, die sich nicht nur um das Image Sorgen machen, sondern zudem befürchten, dass ihre Partei in der Kupferstadt nur mit einer unvollständigen Kandidatenliste oder schlimmstenfalls gar nicht zur Wahl am 25. Mai antreten könnte. Denn allmählich drängt die Zeit: Das Kommunalwahlgesetz in NRW schreibt vor, dass Kandidaten und Reservelisten bis spätestens 48 Tage vor der Wahl benannt werden müssen. Stichtag ist demnach der 7. April.

Dina Graetz bleibt derweil gelassen: „Die Wahllisten und das Wahlprogramm sind in Arbeit und werden unseren Mitgliedern dann im März zur Abstimmung vorgelegt.“ Angesichts der aktuellen Innen- und Außendarstellung der Grünen dürfte sich die beruhigende Wirkung dieser Worte auf die Mitglieder in engen Grenzen halten.

(gro)