Stolberg: Kein freier Träger für neue Kita im Kohlbusch gefunden

Stolberg : Kein freier Träger für neue Kita im Kohlbusch gefunden

Zwei Jahre lang hat die Stadt ihr neues Projekt angeboten wie heiße Semmeln. Aber niemand zeigte Interesse. Weder auf die erste Ausschreibung Ende 2016, noch auf die zweite im vergangenen Jahr, in der sich die Stadt bereiterklärte die gesetzlichen Trägeranteile zu den zu übernehmen, führte nicht zur erhofften Resonanz. Nun baut und betreibt Stolberg die neue Kindertagesstätte an der Spinnereistraße selbst.

In der kommenden Woche soll der Vergabeausschuss einen Architekten mit der Planung beauftragen. 200.000 Euro hat der Stadtrat dazu jüngst außerplanmäßig bereitgestellt. Mittlerweile drängt die Zeit. Das sagt auch Robert Voigtsberger: „Es besteht dringender Handlungsbedarf zur nachhaltigen Sicherstellung der Erfüllung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab 1 Jahr in der Kupferstadt“.

Bereits 2016 ging die Jugendhilfeplanung davon aus, dass alleine durch die Flüchtlingszuweisungen für Stolberg in Kita- und Kindertagespflegeeinrichtungen circa 70 bis 80 Kinder mehr zu berücksichtigen sein werden, erklärt der Erste Beigeordnete und Jugenddezernent. Im Vorfeld der Anmeldungen zum Kindergartenjahr 2018/19 zeichnete sich ein besonders spürbarer, aber erwarteter Bedarf derzeit im Bereich Unterstolberg ab.

Hoher Bedarf im Umfeld

Das war auch so Anfang 2016 prognostiziert worden. Bewusst entschied sich die Verwaltung für einen Standort im Kohlbusch. Im Dreieck Unterstolberg, Münsterbusch und Atsch/Schneidmühle könne so an der Spinnereistraße eine besonders hohe und wohnortnahe Versorgung bei einem ausgesprochen hohen Bedarf auch angesichts der Sozialprofile aus dem Familienbericht erreicht werden. Im August vor zwei Jahren rodete und entrümpelte das Forstamt das 3675 Quadratmeter große Areal in Erwartung eines Baubeginns bis Anfang 2018.

Warum sich die üblichen freien Träger für ein weiteres Engagement in Stolberg, was kostengünstiger für die Stadt gewesen wäre, nicht interessierten, darüber könnte selbst Voigtsberger „nur spekulieren“. Wichtiger ist es dem Beigeordneten, dass nun gehandelt wird.

„Spätestens zum Kindergartenjahr 2020/21 soll die Einrichtung in Betrieb gehen“, sagt Voigtsberger. „Am liebsten noch früher.“ Wenn jetzt die Planung anläuft, ziehen sich der Ausführungsbeschluss, die Ausschreibung und Auftragsvergabe durch das Folgejahr, in dem im Herbst/Winter der Bau beginnen würde.

Konzipiert werden soll die Einrichtung für 70 Kinder in vier Gruppen. Zehn Plätze sollen für Kinder im Alter bis 2 Jahre geschaffen werden. Dazu ist neben dem Gruppen- und seinem Nebenraum ein Differenzierungsraum als Ruhe-/Schlafstätte erforderlich.

Sanitärbereich und Differenzierungsraum

20 Plätze sollen in einer Gruppe für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren geschaffen werden; weitere 25 Plätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Die vierte Gruppe soll inklusiv mit 15 Plätzen für Kinder zwischen drei und sechs Jahre geführt werden.

Allen Gruppen wird neben dem eigentlichen Gruppen- und seinem Nebenraum ein eigener Sanitärbereich und ein Differenzierungsraum geboten; der integrativen Gruppe darüber hinaus ein weiterer Raum für pädagogische und therapeutische Angebote sowie ein Pflegebereich.

Hinzu kommt die erforderliche Ausstattung basierend auf den Empfehlungen des Landschaftsverbandes Rheinland: Mehrzweck- mit Geräteraum, Küche, Leitungszimmer, Personalraum, Wirtschaftsräume weitere Sanitärbereiche sowie Abstellräume. Zudem wird für jede Gruppe mit einem Außenspielbereich von 300 Quadratmeter kalkuliert.

Preiswerter kalkuliert als 2016

Unter dem Strich rechnet das Jugendamt mit einer Grundfläche von 600 Quadratmetern und einem Außenbereich von 1200 Quadratmeter, um diese Standards erfüllen zu können. Bei den Baukosten ging das Amt 2016 noch von 2,9 Millionen Euro plus 180.000 Euro für die Einrichtung aus.

Das soll nun preiswerter möglich sein. Jetzt gibt die Verwaltung die Kosten für einen konventionellen Bau inklusive Einrichtung und Gestaltung des Außengelände mit insgesamt 2,2 Millionen Euro an.

Hinzu kommen jährliche Betriebs- und Personalkosten, die mit rund 670.000 Euro beziffert werden. Erhofft wird eine 30-prozentige Landesförderung dazu. Außerdem wird mit Elternbeiträgen in Höhe von weiteren zwölf Prozent kalkuliert. Der Personalbedarf wird mit einer Leitungsfachkraft, 2,5 Fach- und 0,5 Ergänzungskräfte pro Gruppe (gleich zwölf) und einer Hauswirtschaftskraft in Teilzeit angegeben.

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