Stolberg-Venwegen: Kaum noch Särge: Bestattung meistens im Urnengrab

Stolberg-Venwegen : Kaum noch Särge: Bestattung meistens im Urnengrab

- Einen Thementag zur Veränderung in der Bestattungskultur gab es jetzt zu dem von Papst Franziskus weltweit ausgerufenen „Jahr der Barmherzigkeit“ von der GdG Kornelimünster-Roetgen-Venwegen.

Dr. Angela Reinders begrüßte im Pfarrheim St. Brigida, Venwegen, etwas mehr als zwanzig Teilnehmer und leitete das Podiumsgespräch. In der Runde saßen Gabriele Eichelmann (Grabeskirche Aachen), Geschäftsführer Christoph Keldenich von Aeternitas (Verbraucherinitiative Bestattungskultur, Königswinter), Angela Sauer (Bestatterin), Prof. Dr. A. Prescher (Körperspenden, RWTH Aachen) und Klaus Ahlert, freier Theologe und Künstler aus Jülich. „Tote bestatten ist das siebte der leiblichen Werke der Barmherzigkeit und daher passt es gut in unser Konzept“, so die engagierte Pastoralassistentin.

Ausgangspunkt war eine Zeitungsannonce im Erscheinungsbild einer Todesanzeige, in der sich eine Familie für die offenbar völlig misslungene Beerdigung ihres Vaters entschuldigte. In den sozialen Medien löste diese Anzeige heftige Reaktionen aus. Viele teilten ihre schlechten Erfahrungen mit der Beisetzungspraxis mit. Angela Sauren sprach über ihre Dienstleistung als Bestatterin. Sie sei immer in Bereitschaft, die Vielfalt lasse jeden Tag anders aussehen. Es sei vor allem die Vor- und Nachbereitung der Beerdigungen und vor allen Dingen das Trauergespräch, was den Beruf interessant mache. In den wenigsten Fällen werde heutzutage ein Priester verlangt, hin und wieder gäbe es sogar Ärger von Kirchenseite. Sie lobte die positiven Erfahrungen mit ehrenamtlichen Trauerbegleitern.

„Körperspender kann jeder werden, der seinen Körper für Forschungszwecke zur Verfügung stellen will, wie es bei einer Erbkrankheit oft der Fall ist“, erläuterte Prof. Prescher. „Der Spender muss allerdings geschäftsfähig sein und darf nicht weiter als 30 Kilometer vom Institut entfernt leben“. Mit vielen Angehörigen habe er noch Jahre hinaus persönlichen Kontakt, weil sie auch wissen wollen, was es mit der Krankheit auf sich hat. „Es gibt auch Menschen, die wollen mit der Körperspende den Verwandten die Beerdigung verderben“. Allerdings müssen die Bestattungskosten im Vorfeld selbst geregelt werden. Ist dies nicht der Fall, kann die Universität die Körperspende ablehnen.

Nur Urnen

Gabriele Eichelmann ist Seelsorgerin und seit 2011 in der Grabeskirche Aachen tätig. „Hier muss gibt es nur die Urnenbestattung. Wer den gesellschaftlichen Wandel studieren will, muss die Bestattungskultur studieren“, so Eichelmann. Sie definierte Trauer als nachgetragene Liebe. Beschwerden gab es bei ihr nur über Priester, nie über Laien. Sie wies auf das neue Dokument aus dem Vatikan hin, das besagt, dass die Asche Verstorbener nur noch an einem heiligen Ort aufbewahrt werden darf. Somit ist das Ausstreuen in der freien Natur und auf See nach katholischer Lehre nicht gestattet.

Hohe Kosten

Christoph Keldenich von der Verbraucherinitiative berichtete von Beschwerden über zu hohe Kosten für die Bestattung. Als gelernter Jurist helfe er mit Rat und Tat, worunter zehn bis zwanzig Minuten telefonische Beratung umsonst seien und darüberhinaus weitere Hilfe nur über eine Mitgliedschaft erfolge. Allein der Arzt berechne heute für die Leichenschau horrende Summen ab, dabei sei 75 Euro der absolute Höchstsatz. Und auch die zum Begräbnis gehörenden Friedhofsgebühren, Grabsteine und Bestattungskosten könnten sich viele Leute ohne Sozialhilfeleistungen der Stadt nicht mehr leisten. Da verwundert es nicht, dass es in Berlin mittlerweile schon Diskountbestattungen gibt, und Angehörige die Urnen ihrer Toten nach Tschechien bringen lassen. Das Kostenbewusstsein nimmt zu; Friedhofsgebühren sind hoch, und es gibt große Unterschiede. Auf einen Sarg kommen drei Urnen.

Während im Nordosten Deutschlands schon mehr als 90 Prozent für eine Feuerbestattung sind, liegt der Prozentsatz im Westen noch bei circa 72 Prozent. Hinzu kommt das Projekt „Friedwald“, das seit 2001 existiert, und Baumbestattungen auf ausgewiesenen und genehmigten Waldfriedhöfen anbietet . Was für die Angehörigen nicht bekannt sei, ist die Tatsache, dass die Angehörigen auch beim Bestatter Abschied nehmen können oder zu Hause. Die Bestattung durch Laien sahen alle als segensreiche Entwicklung, denn der Prozentsatz nicht kirchlicher Bestattungen nehme zu und liege in Köln schon bei 70 Prozent.

Mit allen Symbolen

Wenn jedoch eine kirchliche Beerdigung gewünscht wird, dann gibt es eine mit all ihren Symbolen. Einzig verhandelbar seien die Texte, so Frau Eichelmann. „Alles ist möglich, wenn das Beerdigungsinstitut und der Seelsorger mitspielen.“

Zum Reden bringen

Für Klaus Ahlert, freier Theologe und Seelsorger, steht immer der Mensch im Vordergrund. Auf die Frage, ob man ihm Hebamme, Kindergärtner, Wirt oder Staatspräsident zuordnen könne, meinte er, wenn er verschlossene Menschen zum Reden bringe, fühle er sich manchmal wie eine Geburtshelferin. Das Fazit des Abends war, dass die Angehörigen sich informieren müssen. Eine Beerdigung muss nicht viel Geld kosten und braucht nicht perfekt zu sein, sondern soll Herz haben und dem Verstorbenen gerecht werden.

Mehr von Aachener Nachrichten