Stolberg: Kammermusik der besonderen Art

Stolberg : Kammermusik der besonderen Art

Kammermusik der besonderen Art jenseits gängiger Besetzung und Programme erlebten die Besucher des Stolberger Musiksommers jüngst in der Vogelsangkirche.

Dort nahm das Pindakaas Saxophon Quartett seine Zuhörer unter dem Titel „Voyage” mit auf eine doch ungewöhnliche Reise durch sechs Jahrhunderte Musikgeschichte, die geprägt ist von vielen Stilrichtungen und länderspezifischem Kolorit.

Dabei erwiesen sich Marcin Langer (Sopran- und Altsaxophon), Anja Heix und Guido Grospietsch (beide Tenorsaxophon) sowie Matthias Schröder (Baritonsaxophon) in allen Belangen als hervorragende musikalische Reiseführer. Im Laufe ihres langjährigen gemeinsamen Konzertierens erreichten sie eine bewundernswerte Stilsicherheit und Prägnanz, aber auch die Leichtigkeit und Lebendigkeit ihres Musizierens war ausschlaggebend für Freude und Begeisterung bei den Zuhörern.

Diese folgten den Vieren gerne, zumal das Programm abwechslungsreich war und musikalisch höchst niveauvoll umgesetzt wurde. Das galt sowohl für die arrangierten wie für die eigens für Saxophon komponierten Stücke.

Bereits im einleitenden Konzertteil mit Chansons der Renaissance von Orlando di Lasso und Clement Jannequin, eingerahmt von einem kriegerischen und einem Friedenssong, wusste das Pindakaas-Quartett diesen alten Gesängen im ungewohnten Klang neue Qualitäten zu geben. Die durchdacht und präzise herausgearbeitete Polyphonie des „Contrapunctus I” aus Bachs „Kunst der Fuge” bestätigte dies.

Auch die Interpretationen der zeitgenössischen Originalkompositionen des „Totentanzes” von Bastian Fiebig sowie der drei Pariser Stimmungsbilder aus „Quatuor pour Saxophones” von Faustin Jeanjean ließen da nichts zu wünschen übrig. Dies galt ebenso für die rhythmisch prägnanten, burlesk anmutenden „Hampelmann-Serenaden” „Golliwoggs Cakewalk” aus Debussys Zyklus „Children´s Corner” und „Serenata al Pincio” von Eugne Joseph Bozza, wie nach der Pause für die drei „Geschichtchen” von Jacques Ibert, den folkloristischen Satz „Sevilla” aus der Suite „Espa-ola” von Isaac Albniz und bekannten Kurt-Weill-Melodien aus dessen „Dreigroschen-Oper” und aus „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”.

Für deren flotte, quirlig kecke und tänzerisch lockere wie auch malerisch romantische Wiedergabe waren höchste Konzentration und Virtuosität angesagt. Und so machte das Pindakaas Saxophon Quartett aus einigen Beiträgen wirkungsvolle Kabinettstückchen, die wie die Jazz-Ballade „Round Midnight” von Thelonius Monk zum Konzertschluss begeisterten Beifall hervorriefen.

Dafür bedankten sie sich mit dem witzig munteren „China Rag” und dem Wiegenlied „La-le-lu, nur der Mann im Mond schaut zu”, einem Kehraus, der in seiner inhaltlichen wie interpretatorischen Qualität dieses Klasse-Konzert wunderschön ausklingen ließ.

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