Jugendamt und Bildungszentrum kooperieren

Jugendamt und Bildungszentrum kooperieren : Handwerk ist nicht mehr nur Männersache

Malen, Löten und Schleifen. Für einige Schülerinnen aus Stolberg ging es in den vergangenen Tagen nur um ein Thema: das Handwerk. Und das während der Herbstferien. Der Grund dafür: ein Pilotprojekt zwischen der Stadt Stolberg und dem Bildungszentrum (BGE) Aachen der Handwerkskammer.

Das Ziel: Auf diese Weise sollen Mädchen auch die Berufe kennenlernen, die eigentlich eher von dem männlichen Geschlecht ausgeübt werden.

Neue Möglichkeiten

Ein Konzept, das bei den Teilnehmerinnen gut ankam, wie sie am letzten Tag selbst berichteten. Wie die Idee zustande kam? An dieser Stelle kommt Stolbergs Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann ins Spiel. Sie sprach das BGE und auch das Stolberger Jugendamt an. Christine Stadler, Leiterin der Sozialpädagogischen Sonderdienste der Stadt Stolberg, war von der Idee, den Mädchen auch Möglichkeiten fernab der klassichen Ausbildungsberufe näher zu bringen, begeistert.

Mit von der Partie waren die Sozialarbeiter Michael Jansen und Sabine Giesker, die an den Stolberger Schulen die Werbetrommel für das Projekt rührten. Es sei natürlich schwierig gewesen, die Schülerinnen aus den Ferien heraus für ein solches Projekt zu motivieren. Mit dem Ergebnis sei man dennoch zufrieden gewesen. „Wir haben erst befürchtet, dass wir nicht genug Schülerinnen für das Projekt zusammen bekommen. Das war aber nicht so“, sagt Jansen. Im Gegenteil!

Begeistert und stolz präsentierten die Stolbergerinnen ihre Werke. Sie nahmen an einem Pilotprojekt von der Stadt Stolberg und dem Bildungszentrum Aachen der Handwerkskammer teil. Foto: ZVA/Sonja Essers

Zehn junge Frauen zwischen 13 und 19 Jahren – allesamt Schülerinnen der Realschule Mausbach oder des Stolberger Berufskollegs – erprobten sich nun eine Woche lang in den fünf Gewerken Elektrotechnik, Maler und Lackierer, Kunststofftechnik, Sanitär-Heizung-Klima und Metall. Die Ergebnisse konnten sich definitiv sehen lassen. Die Mädchen erstellten Klingelbrettchen, Handy- und Stiftehalter, eine Uhr und etliche bunte Bilder.

neben der Arbeit in den Werkstätten wurden die Teilnehmerinnen durch Sozialarbeiterin Yasemin Durdu begleitet. Die einzelnen Tage begannen jeweils mit einer kleinen pädagogischen Einheit. Danach ging es dann in die Werkstätten. Zum Abschluss des Tages reflektierten die Teilnehmerinnen den Tag. Dabei wurden noch offene Fragen geklärt und der nächste Tag wurde entsprechend vorbereitet.

Gruppenzugehörigkeit

Eine Vorbereitung fand auch von Seiten des Stolberger Jugendamtes statt, wie Stadler, Jansen und Giesker erklärten. Vorab lernten sich die Teilnehmerinnen kennen. Ein Nachtreffen könne man sich ebenfalls gut vorstellen. Zudem werde derzeit überlegt, ob eine Ausstellung der entstandenen Werke an den Schulen stattfinden könne. Und damit nicht genug.

„Wir werden den Workshop evaluieren und da er so erfolgreich war, wäre es auch durchaus denkbar, dass man das wiederholen könnte“, sagt Christine Stadler. Zufrieden mit der Premiere war auch Stefanie Horn, Sozialarbeiterin und stellvertretende Fachbereichsleiterin bei der QualiTec der Handwerkskammer.

„Die Nachwuchsgewinnung im Handwerk ist immer ein wichtiges Thema und durch diese kleinen Aktionen wird die Hemmschwelle gesenkt, sich auch in einem vermeintlichen Männerberuf auszuprobieren“, erklärte Horn. Die eine oder andere Stolberger Teilnehmerin konnte sich am Ende der Woche eine Ausbildung in diesem Bereich nun tatsächlich vorstellen.

(se)
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