Jubiläum der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist

325 Jahre alt : Jubiläum der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist

Die Vichter Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist ist 325 Jahre jung. Alle aus Vicht und allen Nachbargemeinden sind für nächsten Sonntag, 22. September, zu einem Fest der Erinnerung und der Begegnung eingeladen.

Der Tag startet mit einer Festmesse um 9.30 Uhr in der Vichter Pfarrkirche. Zelebriert wird diese von den Pfarrern Norbert Bolz und Hans Doncks. Die musikalische Untermalung der Messfeier übernimmt der Kirchenchor Schevenhütte-Vicht. Er gestaltet auch den anschließenden Umtrunk, zu dem die Gäste in das Pfarrheim eingeladen sind.

Im Mittelpunkt der Begegnung im Pfarrheim steht der 30-minütige Festvortrag von Professor Dieter Wynands. Er ist es, der den ersten Vicht-Band in der Reihe „Vicht-Beiträge zur Heimatgeschichte“, „Vicht 1“, mit dem Titel „Geschichte der Katholischen Kirchengemeinde St. Johann Baptist zu Stolberg-Vicht“ verfasst und im Juni 1988 veröffentlicht hat. Weiterhin werden alte Fotos und Pressebeiträge gezeigt. Ebenso können Schieferplatten mit Motiv vom sanierten Vichter Kirchendach erworben werden.

300 Jahre zuvor, am 11. Juli 1694, vollzog Antonius Wormbs, Generalvikar des Kölner Erzbischofs, die Vichter Pfarrerhebung. Bis 1694 gehörte Vicht zur Pfarrgemeinde Lendersdorf, einem heutigen Stadtteil von Düren.

Bezogen auf das Jahr der Vichter Pfarrerhebung hat insbesondere das Taufbecken, das im Altarraum der Kirche St. Johannes Baptist steht und bei jeder Taufe genutzt wird, eine herausragende Bedeutung. Auf ihm ist das Jahr 1694 verewigt. Foto: Rudi Dreuw

Die Initiative zur Pfarrerhebung ging von der Vichter Bevölkerung aus, die aus rund 70 Familien bestand. In einer an den Kurfürsten bei Rhein als Rechtsnachfolger des Herzogs von Jülich gerichteten Bittschrift, in der sich die Vichter „als irrende Schafe ohne einen Hirten“ bezeichneten, konnten sie darauf verweisen, dass sie dem künftigen Pfarrer ein Pastorat mit Wirtschaftsgebäuden (1686 errichtet) zwölf Morgen Land und jährlich 70 Reichstaler aus verpachteten Grundstücken geben konnten.

Erster Vichter Pfarrer wurde Rektor Jakob Jungen. Die erste Eintragung des Kirchenbuches stammt vom 22. August 1694. Das halbrunde, aus poliertem Blaustein gehauene, im Altarraum der Pfarrkirche stehende Becken enthält nicht nur den Namen des ersten Täuflings, sondern auch die Namen der Wohltäter der neuen Pfarrgemeinde. Dieser Taufstein mit der Inschrift „1694“ wird bis heute bei jeder Taufe als Wasserspender genutzt. Die Ballustersäule wurde im Jahre 1917 erneuert.

Noch im Juli 1694 erlaubte der Kürfürst Johann Wilhelm den Vichtern die Anlage eines Friedhofs, in Vicht zu Recht „Kirchhof“ genannt, rund um die Kirche, die heutige Johannes-Kapelle. Seit 2010 dient diese Fläche als Urnenfriedhof. Pfarrer Jungen wirkte zwölf Jahre in Vicht. Durchschnittlich taufte er im Jahr 17 Kinder. Im Januar 1707 starb er im Alter von 81 Jahren und wurde im Chorraum der Kirche begraben.

Bis zur Einführung eines neuen Pfarrers verwaltete der Gressenicher Pfarrer die verwaiste Vichter Gemeinde. Die erste Vichter Kirche, die heutige Johannes-Kapelle, wurde bereits im Jahre 1672 parallel und nahe dem Vichtbach errichtet. Als Pfarrpatron wurde Johannes der Täufer auserkoren. Bereits 1830 - mehr als 150 Jahre nach dem Bau der ersten Vichter Kirche - gab es Überlegungen, das Gotteshaus großzügig zu erweitern. So wurde in den 1840er Jahren der ersten Kirche ein Langhaus angefügt, das 1963 samt Turm abgebrochen wurde.

1200 Kirchenmitglieder

In den 1890er Jahren zeigte sich erneut, dass die so erweiterte Pfarrkirche für inzwischen 1200 Kirchenmitglieder zu klein geworden war. So wurde schließlich die jetzige Pfarrkirche von keinem Geringeren als dem Aachener Regierungsbaumeister Franz Wildt im neugotischen Stil entworfen und im August 1912 benediziert.

Nach Pfarrer Jungen folgten weitere 14 Vichter Pfarrer: insbesondere seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts Pfarrer Lucius Hecker (1900 bis 1908), Pfarrer Julius Rumpen (1908 bis 1929), dessen Portrait als Erbauer der Kirche im linken Haupteingang verewigt ist und nach dem die Rumpenstraße benannt ist, Pfarrer Franz-Peter Oebbecke (1929 bis 1950), Pfarrer Dr. Alexander Klein (1950 bis 1959), Pfarrer Paul Piontek (1959 bis 1977) und Pfarrer Hans Doncks, der über 29 Jahre (1978 bis 2007) als menschennaher Seelsorger betreute. Seitdem nimmt Norbert Bolz, als Pfarrer von Mausbach, Gressenich, Schevenhütte und Werth, die Aufgabe in Vicht mit hohem persönlichem Einsatz wahr. Unterstützt wird er dabei von Pater Sylvanus Njurum aus Nigeria und Gemeindereferentin Christiane Hartung.

Damit den Vichtern das Jubiläum auch im Gedächtnis bleibt, können Interessierte eine Schieferplatte erwerben. Diese stammt vom kleinen Glockenturm der Kirche.

Mehr von Aachener Nachrichten