Stolberg: Jetzt kann die Nachfrage nicht bedient werden

Stolberg: Jetzt kann die Nachfrage nicht bedient werden

Wenn Nils Leonhardt gefragt wird, wie es denn so geht, dann antwortet er immer mit einem Satz, der Raum für Interpretationen lässt: „Es ist nicht hoffnungslos”, sagt der Gebrauchtwagenhändler dann.

Anders ausgedrückt heißt das, dass es zwar schlecht gehe, aber immerhin „Licht am Ende des Tunnels ist”, so der Geschäftsführes von Westerhausen-Leonhardt Automobile in Stolberg.

Das Jahr 2010 ist sozusagen das Jahr eins nach der Abwrackprämie, die ordentlich Bewegung in die Branche gebracht - allerdings nicht nur zum Positiven, vor allem nicht aus Sicht der Gebrauchtwagenhändler. Sogar von einer „Katastrophe” hatte Leonhardt vor gut einem Jahr gesprochen - und damit das ausgedrückt, was viele seiner Kollegen damals empfanden. Die Prämie habe nur der Fahrzeugindustrie und dem Neufahrzeuggeschäft geholfen, die Gebrauchtwagenhändler blieben im Regen stehen, ihnen liefen die Kunden weg.

Immerhin, „der Markt hat sich wieder beruhigt”, sagt Leonhardt, dem vor einem Jahr das komplette Segment der Fahrzeuge bis 8000 Euro weggebrochen war - ein Segment, in dem er sich mit seinem Geschäft hauptsächlich bewegt. Nun bestimme der Markt sich zumindest wieder selbst, sagt er hoffnungsvoll, auch wenn es nicht einfach ist, auf diesen Markt zu reagieren. Denn die Nachfrage nach Fahrzeugen unter 5000 sei zwar groß, könne nun aber kaum noch bedient werden: „Es ist schwierig für uns, an solche Fahrzeuge heran zu kommen. Die sind nicht mehr existent.”

Wieder Platz auf dem Hof

Wenn Eltern heute für ihre Tochter ein günstiges, gebrauchtes Anfängerauto suchten, dann dauere es oft Monate, bis sie etwas Geeignetes finden. „Und das in Zeiten des Internets”, sagt Leonhardt.

Ähnliches hat auch Reiner Bonnie beobachtet. „Diese Autos sind einfach nicht mehr auf dem Markt, die sind ja alle abgewrackt”, sagt der Autoverwerter, der durchaus von der Prämie profitiert hat. Im vergangenen Jahr rannten ihm Kunden sprichwörtlich die Bude ein, er hatte kaum noch Platz auf seinem Hof, kam mit dem Abwracken nicht mehr hinterher.

Heute ist wieder Platz auf dem Gelände an der Steinfurt, dafür ist aber das Geschäft schlechter geworden. Unser Kerngeschäft ist der Teilehandel”, sagt Bonnie, der rund 70 Prozent seines Umsatzes mit dem Verkauf von Ersatzteilen macht. Davon hat er wahrlich genug im Angebot, doch die Nachfrage sei einfach nicht mehr da. Kunden, die im vergangenen Jahr ihr altes gegen ein neues Auto getauscht hätten, bräuchten nun eben erst einmal keine Ersatzteile mehr: „Wer jetzt ein Neufahrzeug gekauft hat, den sehen wir in den nächsten Jahren nicht wieder.”

Dennoch ist Bonnie nicht unglücklich, das Geschäft habe sich eben normalisiert. „Den gewissen Kundenstamm, den wir durch die Abwrackprämie verloren haben, haben wir durch andere Dinge kompensiert”, sagt er.

Gar nicht verändert habe sich das Geschäft für Hans Wibbers, der mit seinem Bruder in der Nähe des Hauptbahnhofs ebenfalls einen KFZ-Handel - vornehmlich mit Schrottfahrzeugen - betreibt. Weil mehr Ersatzteile von ausgenommenen Abwrackautos auf dem Markt sind, seien die Preise dafür etwas runtergegangen, ansonsten habe Wibbers die Abwrackprämie nicht gespürt, weder positiv noch negativ.

Das würde Nils Leonhardt auch gerne über seine Branche sagen. „Es ist eine harte Zeit”, meint er stattdessen, „für viele ist es sogar existenzbedrohend.” Den Großkonzernen habe der Staat mit der Abwrackprämie geholfen, die Kosten dagegen trügen die Kleinen auf ihrem Rücken. „Wir haben als Gebrauchtwagenhändler eben nicht die Lobby”, seufzt Leonhardt.

Aufgeben gilt aber nicht. Man müsse die Zeit überbrücken, bis die jetzt neuen Autos wieder als kleine Gebrauchtwagen auf den Markt kämen. So lange bietet Leonhardt alle Marken an, die er bekommt, um seine Kunden bedienen zu können. Und dann sagt er wieder diesen Satz: „Es ist nicht hoffnungslos.” Diesmal klingt er dabei richtig positiv.