Umzug von Aachen nach Eschweiler: Jetzt geht die Arbeit im Integrationszentrum erst richtig los

Umzug von Aachen nach Eschweiler : Jetzt geht die Arbeit im Integrationszentrum erst richtig los

Wenn Timur Bozkir und Fattaneh Afkhami alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Team des Kommunalen Integrationszentrums Städteregion sehen wollen, müssen sie viele Treppen steigen. Denn derzeit befinden sich deren Büros auf drei Etagen verteilt im Städteregionshaus an der Zollernstraße in Aachen. Doch ab Ende nächster Woche wird es einfacher für das Leitungsduo: Das Kommunale Integrationszentrum zieht nach Eschweiler um.

Im ehemaligen Gesundheitsamt an der Steinstraße steht ihm die komplette erste Etage zur Verfügung.

Dass das Kommunale Integrationszentrum in relativ kurzer Zeit enorm wachsen würde, hätte bei der Gründung vor gut sechs Jahren wohl niemand gedacht. „Als ich damals angefangen habe, waren wir gerade mal zu fünft“, sagt Timur Bozkir. „Mittlerweile gehören 20 Frauen und Männer zum Team.“ Der Zuzug von Flüchtlingen in den Jahren 2015/2016 ist ein Grund für das schnelle Wachstum des Integrationszentrums. Dessen Hauptaufgabe ist es, die Kommunen bei der Integration von zugewanderten Menschen zu unterstützen und die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte zu verbessern.

„Ende 2015 und in den ersten Monaten 2016 stand im Vordergrund, die geflüchteten Menschen unterzubringen und zu versorgen. Jetzt, da viele eine Bleibeperspektive haben, beginnt der Prozess der Integration in die Gesellschaft“, erläutert Bozkir. Für das Kommunale Integrationszentrum bedeutet dies eine Veränderung der Arbeit. Fattaneh Afkhami veranschaulicht das am Beispiel Bildung: „Anfangs ging es darum, die geflüchteten Kinder in Schulen zu vermitteln, sie irgendwo unterzubringen. Inzwischen ist Vielfalt der Kulturen an den Schulen Normalität. Aber jetzt geht es darum, wie der Schulalltag gestaltet wird, um Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen zu vermeiden.“

Kinder aus Zuwandererfamilien

Anfangs sei es gerechtfertigt gewesen, dass beispielsweise ehrenamtliche Helferinnen und Helfer Flüchtlingskinder besonders unterstützt haben und dass die Kinder in besonderen Klassen auf die Regelschule vorbereitet worden sind. Doch jetzt seien sie dort angekommen, Klassengemeinschaften änderten sich und jetzt müsse sich der Blick wieder weiten. „Wir müssen auch wieder die Kinder aus Zuwandererfamilien in den Blicke nehmen, die schon länger in Deutschland  leben“ sagt Afkhami.

Denn Studien belegten, dass Kinder mit Migrationsgeschichte selbst in der dritten und vierten Generation nicht die gleichen Bildungschancen haben wie Kinder ohne Migrationshintergrund. „Es ist eine Herausforderung für Schulen, das im Blick zu haben und mit neuen Konzepten darauf zu reagieren.“ Das Team des Kommunalen Integrationszentrums lässt die Schulen dabei jedoch nicht allein, sondern entwickelt mit den Schulen gemeinsam Konzepte, wenn sie es wollen. Dabei können Afkhami und Kollegen auf einen großen Erfahrungsschatz in Nordrhein-Westfalen zugreifen, denn sie sind gut vernetzt mit anderen Zentren.

Gut vernetzt ist das Kommunale Integrationszentrum auch in der Region. „Unser Ziel ist ja nicht, irgendein tolles Projekt zu machen und dann zu gehen. Wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen. Das geht nur mit Kooperationspartnern vor Ort“, stellt Timur Bozkir fest. Da heißt es, viele Gespräche zu führen, Überzeugungsarbeit zu  leisten, Berührungsängste abzubauen und Vorurteile aufzubrechen. Auf allen Seiten, wie Bozkir betont. Nicht selbstverständlich sei es bislang etwa, eine enge Zusammenarbeit mit Moschee-Vereinen zu pflegen. „Migrantenvereine sind ganz wichtige Bündnispartner, wir brauchen sie“, sagt Fattaneh Afkhami. „Man sagt ja immer, die wollten sich nicht öffnen. Aber das stimmt nicht.“

Auf die Menschen zugehen

Rausgehen aus den Büros, auf die Menschen zugehen, das Gespräch suchen, nachfragen, was sie brauchen, mit ihnen gemeinsam Lösungen für gesellschaftliche Probleme entwickeln: Die Arbeitsweise des Kommunalen Integrationszentrums ist anders als die der herkömmlichen Ämter, obwohl es in der Städteregion als „Amt“ geführt wird. Timur Bozkir und Fattaneh Afkhami sehen ihr Amt als Dienstleister für die Kommunen im Altkreis.

Ohne deren Mitwirken können sie nur wenig umsetzen. „Wenn wir eine Projektidee haben oder ein neues Programm von Land oder Bund aufgreifen wollen, müssen wir die Kommunen immer fragen, ob sie das wollen“, sagt Bozkir. Manche kommen mit eigenen Ideen auf das Kommunale Integrationszentrum zu und bitten um Unterstützung bei der Umsetzung. „Eschweiler und Stolberg beispielsweise wollten unbedingt bei dem Programm „Gemeinsam klappt’s“ mitmachen, durch das junge Flüchtlinge beruflich qualifiziert werden, die zwar keine Bleibeperspektive haben, aber aus humanitären Gründen durchaus jahrelang bleiben können.“

Der Umzug nach Eschweiler ist laut Timur Bozkir für das Integrationszentrum richtig: „Wir sind dadurch näher an den Akteuren der beiden größten Städte im Altkreis, die Wege werden kürzer. Und wir haben endlich auch einen Besprechungsraum.“ Am Dienstag kommender Woche werden die Rechner im Städteregionshaus abgebaut, Ab- und Aufbau der Möbel sind für Mittwoch und Donnerstag vorgesehen, und ab Freitag, spätestens Montag, 29. Juli, ist das Kommunale Integrationszentrum Städteregion wieder voll einsatzfähig. Die Telefonnummern und E-Mail-Adressen bleiben, wie sie sind. www.staedteregion-aachen.de/integration

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