Ein Meer aus Kühlschränken: Jede Menge Müll auf dem Außengelände der „Feuerfeste Peters“

Ein Meer aus Kühlschränken : Jede Menge Müll auf dem Außengelände der „Feuerfeste Peters“

Kühlschränke, Waschmaschinen, Fahrzeuge: Das Gelände an der Atscher Probsteistraße soll vermarktet werden. Doch der Verursacher des Mülls kann bislang nicht ausfindig gemacht werden.

Die rosigen Zeiten der „Feuerfeste Peters“ an der Atscher Probsteistraße sind längst vorbei. Das Unternehmen reicht zurück auf den 18. Juli 1859, als die Herren Heinrich Schlaeger, Peter Peters und N. Warrin die Firma H. Schlaeger et Compagnie zur Produktion feuerfester Steine gründen. Ihre Geschichte ist vielseitig. 1997 meldet die Firma „P. Peters Fabrik Feuerfester Produkte GmbH“ Konkurs an und stellte zum Jahresende die Produktion an der Probsteistraße ein.

Die Firma Kurt Peters KG übernimmt Know How und Kundenstamm, produziert an der Eschweiler Karlstraße – seit 2012 unter der Firmierung „L& F. Peters GmbH Feuerfeste Erzeugnisse. Auf Anfrage wird mitgeteilt, dass das Grundstück in Atsch seit einem Jahrzehnt im Besitz eines Komplementärs ist. nachdem zuvor die Kurt Peters KG das Areal verwaltet hat. 2007 standen die rund 23 Hektar mit 19 Gebäudeteilen mit einem Gesamtwert von 51.000 Euro zur Zwangsversteigerung.

Jetzt soll das Areal offensiv vermarktet werden: als „Gewerbepark in top Lage am Hauptbahnhof“. Der Breiniger Immobilienmakler Alex Kaldenbach betreut das Objekt, das seit 2015 in den Flächenpool NRW aufgenommen wurde. Mit Hilfe zweier Landesgesellschaften soll die Industriebrache reaktiviert werden. „Wobei man bestimmt nicht zwingend alle Gebäudeteile abreißen muss“, sagt Kaldenbach. Eine Sanierung könne teilweise kostengünstiger sein. Der Kaufpreis wird mit 2,6 Millionen Euro aufgerufen, sei aber verhandelbar. Letzteres verkünden Werbebanner an der Gebäudefront.

Bemerkbar gemacht hinter dem Eingangstor hat sich zwar kein Hund, aber der Einblick aufs Gelände ist vielsagend. Foto: Jürgen Lange

Die Stolberger und Besucher des Hauptbahnhofs bewerten die zerfallende Fabrik mit ihrem schiefen Schornstein als Schandfleck. Andererseits könnte das Areal ein Filetstück bei der Projektierung des Euregio-Railports sein. Im Umfeld des Hauptbahnhofs sollen Logistik affine Unternehmen angesiedelt werden.

Aber das Gelände hat Schattenseiten. Einerseits gilt es als Altlastenverdachtfläche, was laut Alex Kaldenbach eine Untersuchung im Jahr 1999 nicht bestätigt habe. Andererseits gleichen weite Teile des Areals einer riesigen Abfallhalde.

Der schwierige Blick durch die Umzäunung lässt Kühlschränke, Altfahrzeuge und unterschiedlichen Unrat erkannen. Foto: Jürgen Lange

Vor allem Kühlschränke, Altfahrzeuge, Altreifen und Unrat sind auf dem Außengelände geradezu gestapelt. Von der Grundstücksgrenze aus lässt sich kaum erahnen, was man aus einem Flugzeug erblicken kann. Neben einfallenden Dächern türmen sich Kühlschränke en masse. „Die kommen bei einem Verkauf natürlich weg“, sagt Kaldenbach.

Aber ausrangierte Kühlschränke und Waschmaschinen waren bereits 2002 und 2003 ein Problem auf dem Gelände der Feuerfeste Peters. Ob es sich teilweise um dieselben Geräte handelt, in ungeklärt. Seinerzeit nutzte die Polarbär GmbH den Standort, gab an die Geräte nur zwischen zu lagern und ins Ausland zu verkaufen. Bauordnungsamt und die Umweltbehörde des Kreises reagierten mit Besichtigungen und Ordnungsverfügungen. Die insolvente Polarbär GmbH wurde jedenfalls kurz darauf mangels Masse abgewickelt.

Feuerfeste Peters, Eburonenweg, Stadion. Foto: Jürgen Lange

Zählten die Ordnungsbehörden im Juli 2003 rund 30 Kühlschränke, die zunächst in einer Halle zwischengelagert werden sollten, ist ihre Anzahl heute weitaus größer.

„Das Grundstück war über die Jahre aufgrund illegaler Nutzungen mehrfach Gegenstand ordnungsbehördlicher Verfahren durch unser Bauordnungsamt und das Umweltamt der Städteregion“; erklärt Tobias Röhm auf Anfrage. Neben besagter Polarbär GmbH sei auch gegen andere Nutzer ermittelt worden, so der Technische Beigeordnete.

Altreifen, Holz, Metall und Kunststoffe sind an einer Gebäudeseite aufgetürmt. Eine ordnungsgemäße Abfallentsorgung sollte anders aussehen. Foto: Jürgen Lange

Im Jahr 2009 wurden durch das Bauordnungsamt erneut Ordnunsverfügungen gegen verschiedene Nutzer erlassen. „Diese wurden seinerzeit bestandskräftig und sind unanfechtbar“, sagt Röhm weiter: Einer dieser Nutzer war verantwortlich für die Lagerung unzähliger Waschmaschinen, Kühlschränke und weiterer Sachen auf der südlich der Hallenbauten gelegenen Freifläche.“ Aber „da es sich bei den gelagerten Gegenständen um Abfall handelte, war für deren Beseitigung als zuständige Ordnungsbehörde das Umweltamt der Städteregion zuständig“, betont Röhm.

Aus der Stolberger Aktenlage geht hervor, dass die Städteregion ebenfalls ein entsprechendes Verfahren eingeleitet hat. Sie habe dem Verantwortlichen zunächst selbst die Gelegenheit gegeben, die Gegenstände, also den Abfall, ordnungsgemäß zu beseitigen. Dann habe es aber in der Folgezeit Probleme bei der Zustellung von Bescheiden und Vollstreckungsbescheiden geben, da die Städteregion „keine ladungsfähige Adresse des Ordnungspflichtigen ermitteln konnte“, berichtet Röhm über den Wissensstand der Kupferstadt. Aber aufgrund der aktuellen Hinweise habe das städtische Bauordnungsamt erneut Ermittlungen aufgenommen.

Nostalgie oder nur noch Schrott? Auch entlang der Probsteistraße sind mittlerweile Altfahrzeuge und Unrat abgestellt. Foto: Jürgen Lange

Augenscheinlich wird weiterhin auf dem Gelände gearbeitet. Mal mehr, mal weniger verstellt ist der Blick durch die Gitterstäbe des Eingangstors des südlichen Außengeländes. Zunehmend sind vor dem Gebäude an der Probsteistraße nicht mehr zugelassene Fahrzeuge abgestellt. Beschriftete Klingeln sind nicht zu sehen, allerdings überfüllte Briefkästen ohne Anschrift.

In einer ersten Stellungnahme erklärte die Städteregion gestern, dass „uns weder eine Anzeige noch irgendwelche Beschwerden vorliegen“; so Pressesprecher Detlef Funken. Auch seitens der Stadt Stolberg sei die Umweltbehörde bis dato in der Angelegenheit noch nicht angesprochen worden. „Wenn neue Hinweise vorliegen, werden wir denen selbstverständlich sofort nachgehen“; so Funken weiter.

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