Stolberg: Investitionen bei Bleihütte: Neue Filteranlage für doppeltes Volumen

Stolberg: Investitionen bei Bleihütte: Neue Filteranlage für doppeltes Volumen

Nach der Investition ist vor der Investition. Zumindest bei der Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer (BBH). Mit rund 25 Millionen Euro hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren die neue Silberhütte auf dem engen Werksgelände aus dem „Boden gestampft“.

„Die Kapazität für die Silberproduktion, bei der gleichzeitig das im Bleikonzentrat enthaltene Gold mit abgetrennt wird, ist dadurch mehr als verdoppelt worden“, sagt Dr. Urban Meurer. Nach einer intensiven Inbetriebnahmephase läuft „die Silberproduktion nun stabil auf hohem Niveau“, so der Geschäftsführer, wobei die Anlagenkennwerte wie Verfügbarkeit und Energieverbrauch besser seien, als bei der Projektplanung angenommen wurde.

Aus den Erfahrungen des ersten Betriebsjahres heraus wurde gemeinsam mit dem Technologielieferanten für die Vakuumdestillation in der Silberhütte nun ein umfangreiches Verbesserungsprogramm umgesetzt. „Damit haben wir insbesondere die Verfügbarkeit der Anlagen, den Instandhaltungsaufwand und die Arbeitssicherheit verbessert“, betont Produktionsleiter Knut Esser.

Während Berzelius in Stolberg nun mehr Umsatz mit Gold und Silber als mit dem primären Produkt Blei macht, laufen die Investitionen in den Standort weiter.

Jüngst in Betrieb genommen wurde ein außen liegender Aufzug an dem Gebäude, in dem der QSL-Reaktor betrieben wird. Er reicht bis in 36 Meter Höhe und dient dazu, Arbeitsabläufe sowie Materialtransport zu vereinfachen und die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu verbessern. Sie waren bis dato aufs Treppensteigen angewiesen. Rund 700.000 Euro investierte das Unternehmen in den Aufzug.

Nicht nur optisch attraktiver geworden ist der Industriebetrieb in den vergangenen Wochen mit seiner neu gestalteten Fassade zur Zweifaller Straße hin, sondern die Verkleidung in Blau-Weiß dient in erster Linie dem Schallschutz. Und nun sind Meurer und Esser dabei, das nächste Investitions-Paket zu schnüren. Mit etwa drei Millionen Euro beziffert werden die Kosten für die Erneuerung der Filteranlagen in dem QSL-Gebäude.

Ziel ist neben einer Optimierung des Umweltschutzes vor allem der Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter. Die Reinigungsleistung der Luft in dem Gebäude soll verdoppelt, die eingesetzte Filtertechnologie auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Dabei sollen die beiden bisherigen Beth-Filter mit einer Gesamtleistung von 130.000 Normkubikmeter durch eine neue vierstufige Lühr-Filteranlage mit einer Gesamtleistung von 280.000 Normkubikmeter ersetzt werden. Mit ihnen wird im Wesentlichen die Abluft aus den Produktionsprozessen erfasst, gereinigt und gekühlt. Immerhin arbeitet der QSL-Reaktor mit einer Betriebstemperatur von 1200 Grad Celsius.

Derzeit läuft für die Verbesserung das Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz bei der Bezirksregierung. Der Stolberger Umweltausschuss hat jetzt der positiven planungsrechtlichen Stellungnahme der Stadt einstimmig zugestimmt. „Die Inbetriebnahme der neuen Filteranlagen ist bereits für Mitte diesen Jahres geplant“, so Knut Esser.

„Zur weiteren Verbesserung der Anlagensicherheit und des Umweltschutzes führt unsere Hütte zur Zeit eine umfassende Gefährdungsbeurteilung und Ausfall-Effekt-Analyse aller Anlagen auf dem Werksgelände durch“, spricht Urban Meurer nicht nur die Verhinderung von Betriebsstörungen an, sondern der Standort Binsfeldhammer soll gleichzeitig die aktuellen Anforderungen der soeben novellierten Störfallverordnung erfüllen. Durch die Umsetzung der sogenannten „Seveso III“ Richtlinie der Europäischen Union fällt BBH seit Januar 2017 unter diese Verordnung, „ohne dass sich an den Einsatzstoffen oder den Prozessen der Hütte etwas geändert hat“, betont Meurer.

(-jül-)
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