Stolberg: Inklusion in Fotos zum Thema gemacht

Stolberg: Inklusion in Fotos zum Thema gemacht

Hochbetrieb herrschte jetzt im Foyer des Stolberger Rathauses, als eine Gruppe von Kindern „Das eine Kind ist so, das andre Kind ist so“ von Rolf Zuckowski zur Gitarrenbegleitung von Peter Verhees anstimmte.

Es ging um das Thema Inklusion, die jeden Menschen so akzeptiert wie er ist, damit er gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben kann, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen.

Während die Erwachsenen sich mit diesem Thema oft noch schwertun, ist es für die Kinder überhaupt kein Problem. „Da können die Erwachsenen noch von den Kindern lernen!“, meinte Bürgermeister Tim Grüttemeier bei seiner Begrüßungsrede zur Eröffnungsausstellung. Ihre Botschaft, Hand in Hand die Dinge anzugehen, sei kinderleicht und befruchtend für beide Parteien.

Lukas Franzen, der Inklusionsbeauftragte der Stadt, hatte die jüngsten Bewohner Stolbergs aufgerufen, Projekte einzureichen, die Inklusion vor Ort erleb- und sichtbar zu machen. Inka Wilms von der Kita „Liester“ hatte die Idee mit dem Fotoprojekt „miteinander kinderleicht“, das die Fotografin und Künstlerin Agnes Bläsen in Zusammenarbeit mit den zwei Foto-AGs der Regenbogenschule der Städteregion Aachen und der Grundschule Hermannstraße auf der einen Seite und der inklusiven städtischen Kindertagesstätte „Auf der Liester“ auf der anderen Seite umsetzte. Ein großer Dank ging an die Sponsoren: der Städteregion Aachen, der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen und dem Verband Sonderpädagogik.

Professionell angeleitet und geschult, sammelten die Kinder zunächst erste kreative Erfahrungen mit der Kamera: Was eine Speicherkarte ist, wie man Spezialeffekte erzeugt und wie das Zoomen geht. Dann begaben sie sich auf Spurensuche nach inklusiven Momenten in ihrem Kita- und Schulumfeld.

Sie beschäftigten sich mit vier Fotoprojekten: Miteinander im Alltag (beim Frühstück, beim Ankleiden), im Wald, im Schwarzlichttheater und bei dem Projekt „Generationenbrücke“. Die Fotografin selbst fand es spannend, mit den Kleinen zu arbeiten und ihre Sicht auf die Welt, auf die Erwachsenen und auf andere Kinder zu sehen.

Sich neu wahrnehmen

Ihr Aha-Erlebnis war, wie schnell die Kinder das fotografische Sehen am eigenen Bild umsetzten, aber bei der Auswahl für die Ausstellung auf ihr eigenes Foto verzichteten, weil das Foto zum gleichen Thema von einem anderen Schüler besser war. Inka Wilms beobachtete auch, wie die Kinder sich neu wahrgenommen und gelernt haben, auf für sie fremde Menschen zuzugehen.

Jedes Kind des Fotoprojektes wurde mit einem Abzug eines Team-Fotos belohnt, die Seniorinnen - Frau Metens, Frau Sielaff, Frau Böhm, Frau Stolz und Frau Ubländer vom Seniorenzentrum Amselweg - erhielten aus den Händen des Bürgermeisters je einen Blumenstrauß.

Die Darbietungen der Chöre aus den jeweiligen Schulen und der Kita unterstrichen das Thema Inklusion mit Liedern „Ich bin anders“, Regenbogen, Regenbogen“ und „Ein Hoch auf das, was uns vereint“. Nach der Verabschiedung lud Tim Grüttemeier alle Kinder, die an diesem Morgen mit ihren Betreuern und Lehrern gekommen waren, zu einer Kugel Eis in die benachbarte Eisdiele ein.

Die Ergebnisse der jungen Stolberger Fototalente können sich sehen lassen. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert. Sie soll an mehreren Standorten gezeigt werden, um möglichst vielen Menschen zu erklären, was Inklusion bedeutet.

Die erste Station der Ausstellung ist das Stolberger Rathaus, wo die Fotos bis zum 31. August 2018 im Foyer zu bestaunen sind.

(mlo)