Inklusion auf gutem Weg

Stolberg : Inklusion: Stadt Stolberg präsentiert Status Quo

Das Thema Inklusion spielt in Stolberg eine wichtige Rolle — auch in den Kindertageseinrichtungen und Schulen. Den aktuellen Stand in Sachen Inklusion legte die Verwaltung im Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit (ASG) vor. Bereits Ende Mai hatten die Ausschussmitglieder die Verwaltung beauftragt, über den Status quo zu berichten.

Aus diesem Grund präsentierte die Verwaltung ein ausführliches Konzept, das nicht nur alle Angebote in den Stolberger Grundschulen, sondern auch in den Kindertagesstätten umfasst. Denn: „Wenn wir von Bildung sprechen, dann sprechen wir auch immer von Elementarbildung“, sagt Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger. Ein Überblick.

Der Bedarf: Kinder mit Förderbedarf gibt es in fast allen Schulen und Kindertageseinrichtungen. In der Städtischen Gesamtschule (SGS) „Auf der Liester“ sind es 57 Schüler, in der Kupferstädter Gesamtschule sind es 70 Schüler. An den Gymnasien sind die Zahlen anders. Am Goethe-Gymnasium ist es ein Schüler, am Ritzefeld-Gymnasium gibt es keine Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. An den Grundschulen beträgt die Zahl der zu fördernden Schüler 43. In den Kitas und Familienzentren erhalten Kinder mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung einen sogenannten Integrationsstatus (I-Status) In Stolberg gibt es insgesamt 69 Kinder mit diesem I-Status. Davon sind 42 in einer städtischen Kita und 27 in einer Einrichtung eines freien Trägers untergebracht.

Die finanzielle Situation: Unterstützt wird Stolberg in Sachen Inklusion vom Land Nordrhein-Westfalen. Gemäß dem Gesetz zur Förderung kommunaler Aufwendungen für die schulische Inklusion gibt es vom Land die sogenannte Inklusionspauschale. Im Schuljahr 2016/2017 wurde Stolberg mit 60.000 Euro bedacht. Von diesen Mitteln schaffen die Schulen Dinge an, die sie für die tägliche Arbeit im Rahmen der Inklusion benötigen. Einzelmaßnahmen können auch über den Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert werden. Diese Förderung greift allerdings erst, wenn die Mittel aus der Inklusionspauschale des Landes ausgeschöpft sind. Bei den Kitas erfolgt die Finanzierung ebenfalls über den LVR. Für jedes Kind mit besonderem Förderbedarf erhält der Träger der jeweiligen Einrichtung eine Pauschale von insgesamt 5000 Euro — die sogenannte Fink-Pauschale.

Die Angebote an den Schulen: Alle weiterführenden Schulen in Stolberg fertigten im Rahmen des Konzepts ausführliche Steckbriefe darüber an, wie Inklusion an der Schule verstanden wird. „Mittlerweile haben sich in Stolberg alle Schulen mit entsprechenden Maßnahmen und Projekten auf den Weg gemacht“, sagt Voigtsberger. Inklusion gehöre zum Schul- und auch zum Kitaleben einfach dazu. Während an der Städtischen Gesamtschule (SGS) „Auf der Liester“ beispielsweise ein Austausch zwischen den Generationen unter dem Titel „Jung lehrt Alt“ stattfindet, bietet die Kupferstädter Gesamtschule in den Klassen sieben und acht das Sozialprojekt „Helfende Hände“ an. Am Goethe-Gymnasium und auch am Ritzefeld-Gymnasium helfen Schüler sich bei Defiziten untereinander weiter.

Die Schulsozialarbeit: „Die Schulsozialarbeit ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil im Rahmen der Inklusion, sondern ist generell für den organisatorischen Ablauf in der Schule wichtig und nicht mehr wegzudenken“, sagt Voigtsberger. Bis Ende 2018 sei die Schulsozialarbeit in Stolberg gesichert. Bis zu 70 Prozent der Kosten werden vom Land beigesteuert. Und wie geht es dann weiter? „Wir sind gespannt, welche Entscheidungen die neue Landesregierung treffen wird, und dann müssen wir gemeinsam mit der Politik in Stolberg überlegen, wie es bei uns weitergeht. Dass es aber weitergehen muss, steht außer Frage“, so Voigtsberger. Neben den Schulsozialarbeitern sind an den Stolberger Schulen auch Sonderpädagogen und Inklusionshelfer (wir berichteten) im Einsatz.

Die Situation in den Kindertagesstätten: „In der Kita weiß man zu Beginn noch nicht, ob Förderbedarf da ist oder nicht. Kommt ein Kind in die Grundschule, sieht das anders aus. Deshalb ist es unheimlich wichtig, dass alles ineinander greift“, sagt Stolbergs stellvertretender Jugendamtsleiter Josef Offergeld. So sei ein enger Austausch zwischen den Kitas und den Grundschulen notwendig. Dabei sei es jedoch wichtig, dass auch die Eltern mitspielen. „Damit ein Förderbedarf auch früh genug festgestellt werden kann“, sagt Schulamtsleiterin Petra Jansen.

Die Barrierefreiheit: Spricht man von Inklusion, spielt auch das Thema Barrierefreiheit eine wichtige Rolle. Nicht alle 32 Stolberger Kitas seien barrierefrei, man versuche dies jedoch — vor allem auch bei den Neubauten — zu berücksichtigen. Die Umrüstung von bereits bestehenden Einrichtungen sei oft allerdings sehr schwierig, sagt Offergeld. Aber: „Da, wo Dinge möglich sind, werden sie auch umgesetzt“, so Offergeld weiter. Bislang seien an die Verwaltung allerdings noch keine Wünsche herangetragen worden, Voraussetzungen in bestimmten Einrichtungen zu schaffen. Und wie sieht es in den Schulen aus? In der Atscher Grundschule sind Sekretariat und Eingangsbereich barrierefrei, in der Bischofstraße und in Breinig sind Rampen zur Mensa beziehungsweise zum Eingang vorhanden. Auf dem Donnerberg sind der untere Klassenflur und die WCs barrierrefrei, in der Prämienstraße trifft das auf den Eingangsbereich und in Zweifall auf das Erdgeschoss und die Aula zu. An den anderen Stolberger Grundschulen ist keine Barrierefreiheit gegeben.

Das ist auch am Ritzefeld-Gymnasium und an der Willi-Fährmann-Schule der Fall. Bei den anderen weiterführenden Schulen sieht es da schon etwas anders aus. An der Gesamtschule „Auf der Liester“ herrscht Barrierefreiheit inklusive Aufzug und Rampe, am Goethe-Gymnasium gibt es zwei Treppenlifte. An der Kupferstädter Gesamtschule mit ihren beiden Standorten in der Breslauer Straße und in Mausbach soll sich der momentane Zustand im Laufe der Umbauarbeiten ändern. „Auch dort soll Barrierefreiheit herrschen. Das ist eine Herausforderung“, sagt Petra Jansen und verweist darauf, dass das Thema Inklusion auch in den kommenden Jahren noch eine wichtige Rolle in der Stolberger Kita- und Schullandschaft spielen wird.