Infostand zum Thema Schmerzen vorm Bethlehem Krankenhaus in Stolberg

Infostand am „Bethlehem“ : Gesundheitszentrum zeigt, dass Indianer doch Schmerz kennen

Schmerzhaft ist es am Dienstag vor dem Bethlehem Gesundheitszentrum zugegangen – aber nur rein theoretisch. Unter dem Motto „Auch Indianer kennen Schmerzen“ informierten Ärzte und Physiotherapeuten über das Leiden und vor allem die Vorbeugung von Schmerz.

Die gemeinsame Aktion des „Bethlehems“ und des Pharmaunternehmens Grünenthal rückte damit den Schmerz in den Vordergrund. „Oft wird zu schnell gesagt, dass man Schmerzen aushalten sollte, und solange die nicht zu stark seien, wäre alles gut. Aber das stimmt nicht“, sagt Klaus Nagelschmidt, Leiter der Altersmedizin am „Bethlehem“ und ergänzt: „Wir müssen die Leute erreichen und aufklären, dass man Schmerzen rechtzeitig und individuell behandeln muss.“

Es gehe vor allem darum, so sind sich die Experten einig, dass ein akuter Schmerz, der beispielsweise bei einer falschen Bewegung am Rücken auftritt, nicht zu einem chronischen Schmerz wird und über Jahre die Patienten quält. Denn das kann schlimme Folgen haben.

Das weiß auch Oberarzt Felipe Rodriguez, der auch im Bereich der Palliativmedizin tätig ist, in der es vor allem darum geht, Schmerzen zu lindern und Lebensqualität zu geben. „Wenn man sich einmal mit einem Hammer auf den Finger haut, tut das zwar weh, aber das vergeht auch irgendwann wieder. Wenn man sich den ganzen Tag lang alle zwei Sekunden auf den Finger haut, wird man irgendwann wahnsinnig.“ Chronische Schmerzen können sich auf andere Bereiche des Körpers ausbreiten, Depressionen zur Folge haben und die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken, weil sie nicht mehr am Alltag teilnehmen können. Suizidgedanken sind hierbei nicht selten. „Unser Ziel ist es, den Menschen wieder die Freude am Leben zurückzugeben.“

Laut Information des Vereins „Deutsche Schmerzgesellschaft“ berichten rund 23 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik von chronischen Schmerzen. Schmerz ist sehr subjektiv, wissen die Ärzte am „Bethlehem“. Menschen haben eine unterschiedliche Empfindung und Leidensgrenzen und das ist legitim. Der Grundsatz bei der täglichen Arbeit der Ärzte heißt daher auch „Der Patient mit Schmerzen hat immer recht“, denn objektiv kann man das Leid kaum beurteilen.

Der Leiter der Inneren Medizin, Christoph Dietrich, weiß, wie wichtig die aktive Schmerzbehandlung ist. Im Laufe der Jahre kam ihr mehr und mehr Bedeutung zu. „Früher hat man teilweise den Schmerz nicht erfragt. Seit etwa zehn Jahren fragen wir proaktiv nach. Mit Bögen und Skalen von eins bis zehn kann täglich mehrfach der Schmerz abgeglichen werden.“ Zuvor habe man darauf gesetzt, dass sich der Patient selbst zum Schmerz äußert. „Aber manche machen das nicht, nach dem Motto: Da muss ich jetzt durch – Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Heute werde der Schmerz auch ganzheitlich betrachtet und angegangen. Nicht nur mit Medikamenten, auch Ergo- und Physiotherapie gehören dazu. Auch die psychische Behandlung darf nicht außer Acht gelassen werden.

Daher gab es am Infostand vor dem Gesundheitszentrum auch viele Broschüren und Hefte, um das Thema Schmerz besser verstehen und die eigenen Leiden abgleichen zu können. Außerdem wurde eins Stunde lange eine Telefonberatung freigeschaltet, bei der ein Arzt die Fragen von Interessierten beantwortet hat.

Für den praktischen Part am Dienstag sorgte der Leiter der Physiotherapie, Marc Unterberger, mit Schülerin Anna Mantler. Die beiden demonstrierten praktische Übungen, die jeder zu Hause machen kann, um den Rücken zu stabilisieren, denn eine der häufigsten Klagen sind Rückenschmerzen. „Die Menschen müssen sich bewegen, damit der Schmerz besser wird“, erklärt Mantler. Bewegung sei auch der Schlüssel, um Schmerzen vorzubeugen, weiß ihr Chef Unterberger. „Im Berufsleben im Büro ist es wichtig, sich aktiv hinzusetzen, aber auch häufig aufzustehen“, sagt er. Erinnerungen mit Klebezettel am Bildschirm, kurze Wege vermeiden und zum Beispiel weiter zum Drucker laufen, könne schon helfen. „Ältere Menschen sollten sich auch in Gruppen regelmäßig verabreden und sich bewegen und eine halbe Stunde bis Stunde Sport machen.“ Auch Spazierengehen kann helfen, Hauptsache die Fitness gewinnt gegen die Anziehungskraft der Couch.

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