Stolberg: In Zweifall dreht sich alles ums Holz

Stolberg: In Zweifall dreht sich alles ums Holz

„Holz ist das große Thema”, sagt Barbara Breuer. Als Leiterin der Stolberg-Touristik muss sie es schließlich wissen. Kurse und Exkursionen zum Thema Wald werden stark nachgefragt, Wanderer zieht es in den Forst, das Museumssägewerk erfreut sich großer Beliebtheit, und „nicht zuletzt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich dabei etwas gedacht, den Tag des offenen Denkmals im September ganz dem Thema Holz zu widmen”, sagt die 46-Jährige.

Holz ist nicht nur seit Menschengedenken ein zentraler Baustoff, Holz ist lebendig, strahlt Wärme und Naturverbundenheit aus.

Prominente Besucher

In Stolberg steht der Ort Zweifall beispielhaft für die Gewinnung und Nutzung von Holz, die Bewohner des Dorfes sind stolz darauf, „Eschekülle” (Eichenkeulen) genannt zu werden, einige Sägewerke und holzweiterverarbeitende Betriebe prägen das Gewerbe und im Rahmen des Denkmaltages am 9. September werden u.a. Führungen zu Häusern mit alten Holztüren und bis ins Gebälk des Turms der 329 Jahre alten evangelischen Kirche angeboten.

Spätestens dann sollten an Holz interessierte Besucher auch dem „Hotel zum Walde” einen Besuch abstatten. Denn auch die Inhaberinnen Melanie Bungenberg und Eva Carlitz haben sich intensive Gedanken gemacht, wie sie das Hotel in aktuellen Zeiten neu positionieren können. Immerhin gründen die Anfänge des renommierten Betriebes im Jahr 1974, als Familie Christen eigentlich nur ein paar Gästezimmer als Ergänzung des Restaurants im Garten bauen wollte - aber damit war der Grundstein für ein kleines Hotel gelegt.

In den 80er und 90er Jahren wurde es konsequent ausgebaut und erweitert und bietet heute über 60 Zimmern und Appartments mit rund 150 Betten.

Hier residierten schon Karlspreisträgerin Gro Brundlandt und die amerikanische Generalität, CHIO-Besucher ebenso wie Formel-1-Teams, Nationalmannschaften in Handball, Volleyball und Radsport, Opernsänger wie Rudolf Schock oder Rocker wie Wolfgang Niedecken und Schlagerstars a la Bata Ilic und Chris Roberts. Zu Zeiten der „Bonner Republik” reisten gerne Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht mit der Bundestagsfraktion der PDS zu Klausurtagungen in Zweifall an.

Neben Prominenz hat die Hoteliers-Familie zwar vor allem auf Geschäfts- und Tagungskunden bauen können, aber über die Jahre immer stärker nachgefragt wurden Wellness-Angebote und touristische Pakete. „Heute halten sich Touristen und Business-Kunden bereits die Waage”, sagt Eva Carlitz und freut sich über eine weiterhin steigende Tendenz von Besuchern, die Zweifall als Urlaubsort entdecken. „Wir haben in den vergangenen beiden Jahren unsere Übernachtungszahlen deutlich steigern können”, verweist Carlitz auf ein Plus von 30 Prozent bei Gruppenreisen und eine Verdopplung der Kurzurlauber bei einem verlängerten Aufenthalt.

Name ist Programm

„Das bestärkt uns nicht nur auf unserem Weg, sondern wir sehen auch ein weitaus stärkeres Potenzial”, sagt Carlitz, die mit dem Hotel-Ausbau die bisherige Zielgruppe von Wellness-Urlaubern sowie Tagungs- und Geschäftsreisenden unterstreichen und Urlauber verstärkt als neue Kunden gewinnen möchte. Dabei spielt in Zweifall der Wald eine große Rolle - nicht nur im Ort, sondern nun auch in dem Hotel. „Der Name soll Programm sein”. Das haben sich die beiden Schwestern nicht nur lange überlegt, sondern sie haben auch intensiv Studien und Trends durchforscht, vergleichbare Objekte angeschaut und sich zu erheblichen Investitionen entschlossen. „Natur ist ein Thema, das nachgefragt wird bei Hotels im ländlichen Raum”, berichtet Carlitz über aktuelle Trends.

Drei Jahre nahmen die Vorbereitungen in Anspruch, dann wurde monatelang bei laufendem Betrieb in unterschiedlichen Bereichen des Ensembles gewerkelt, um zu renovieren und das Thema Wald in das Ambiente zu integrieren. „Das hat dann länger gedauert und war schwieriger als wir das erwartet haben”, gesteht die frühere Jugendmeisterin der Hotelfachleute. „Von der Stange” passte fast nichts zum Thema und zur geforderten Qualität eines Themenhotels, außerdem sollte das neue Interieur regionaler Herkunft sein.

So wurden zwar nicht in der Eifel, aber zumindest im nahen Hunsrück die Möbel nach den Vorstellungen der Zweifaller gefertigt - und sind viel leichter als sie aussehen. „Damit wir endlich auch Lobby und Restaurant flexibler für Gäste und Gruppen nutzen können”, sagt Carlitz. Denn auch Touristen treten in Stolberg immer häufiger in Gruppen auf und sitzen gerne beim Dinner zusammen.

Damit die Küche den wachsenden Anforderungen eines wechselnden A-la-Carte-Angebots mit frischer Ernte aus dem Wald kulinarisch mithalten kann, steht ihr noch ein Umbau bevor. „Bislang waren wir ja eigentlich nur ein Hotel Garni”, erklärt die Mitinhaberin. Doch so wie das Waldthema in die Speisekarte integriert wird, durchzieht es wie ein roter Faden auch die Angebotspakete - vom Besuch des Museumssägewerks über Wanderungen mit dem Förster und der Kräuterhexe bis hin zur Infrarot- Kräutersauna.

Schwieriger als Arrangements zu schnüren und Konzepte zu entwickeln erwies sich für die beiden Schwestern die Lösung kleiner, aber wichtiger Detailfragen im Umgang mit einem lebenden Rohstoff: Wie befestigt man Birkenstämme als Wandverkleidung? Wie integriert man Holz in Feuchträume der Zimmer? Bei letzterem half ein Trick: Es ist eine leuchtende gläserne Platte in Holzoptik, auf der ein großer aufgeschnittener Kieselstein als Waschbecken ruht. Flusskiesel greifen das Thema auf als Wandverkleidung in der Dusche. Holz und hölzerne Optik im modernen Design prägen Restaurant und Bar, daumendicke Scheiben uralter Bäume zieren effektvoll die Wände.

Das Thema Wald, das hat heute in Zweifall nichts gemein mit schwerer original bayrischer Alpenromantik im Stile der 50er Jahre. Das Walderlebnis ist jetzt modern und filigran, unaufdringlich und stilvoll. Akzentuiert setzt es sich optisch wie thematisch fort durch das Angebot des Hotels, das immer mehr Touristen anlockt.

Das macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. 20 bis 30 Mitarbeiter sind je nach Saison im Hasselbachtal beschäftigt - in der Regel angehende oder ausgebildete Hotelfachleute. „Zunehmend haben Mitarbeiter eine höhere Schulbildung und nutzen die Ausbildung als Einstieg in ein Studium”, berichtet Carlitz. Und von denen nutzen viele ihre Erfahrungen, um dem Job zwischen dem und während der Semester treu zu bleiben. Und während der letzten Wochen ist eine starke Nachfrage auf die drei neu zu besetzenden Stellen losgegangen, so dass der Betrieb bis zum 1. September insgesamt sieben auszubildende Hotelfachleute und eine Fachkraft im Gastgewerbe eingestellt hat. „Um die Jugendlichen annehmen zu können, haben wir die Dienstpläne geändert und den Bereich Housekeeping innerhalb der Ausbildung erweitert”, unterstreichen Eva Carlitz und Melanie Bungenberg, die sich schon immer intensiv um die Qualifizierung gekümmert haben.

Beide Schwestern haben selbst erfolgreich und mit Auszeichnungen ihre Lehrjahre gestemmt. Immer wieder wurden Absolventen des Zweifaller Beher­ber­gungs­be­triebs mit Bestnoten ausgezeichnet. Jüngst Liane Joußen, die mit 90 Punkten nicht nur beste Hotelfachfrau, sondern machte den besten Abschluss der Branche gemacht hat und deren Leistungen bei der Lossprechungsfeier im Quellenhof gewürdigt wurde.