Stolberg: In der Franziskusstraße wird jetzt „gesznoezelt”

Stolberg: In der Franziskusstraße wird jetzt „gesznoezelt”

Heute schon gesnoezelt? Es ist kein Werbespruch, der sich in der Kindertagesstätte Franziskusstraße zum „running gag” entwickelt hat, sondern eine durchaus ernst gemeinte Frage, die Kinder und Erzieherinnen seit einigen Tagen häufig stellen.

Im Zuge des Um- und Ausbaus der integrativen städtischen Kita konnte jetzt ein lang gehegter Wunsch erfüllt werden. Die Einrichtung wurde mit einem „Snoezel-RaumÓ ausgestattet.

„Snoezelen” stammt wie die dazu gehörige therapeutische Idee aus den Niederlanden und setzt sich aus den Wörtern „snuffeln” und „doezelen” zusammen, was so viel heißt wie Schnuppern und Dösen.

Beides steht für den Ansatz, förderbedürftige Menschen über ihre Sinne anzusprechen und - je nach gewünschter Wirkungsweise - zu aktivieren oder in einen Zustand der Ruhe und Entspannung zu versetzen.

In der Franziskusstraße ist es passenderweise der „Raum der Sinne”, um den sich nun einiges dreht. 100 Kinder betreut die Einrichtung, und möglichst alle sollen in den Genuss der neuen Ausstattung kommen.

„Ursprünglich war das Konzept für mehrfach behinderte Kinder ausgelegt”, berichtet Monika Schwalm. Mittlerweile hat sich das Snoezelen als Methode zur ganzheitlichen Förderung von allen Kindern - und nicht nur von denen - etabliert.

Vor Betreten Schuhe ausziehen

Wer den Raum betreten möchte, muss zunächst die Schuhe ausziehen. Das hat weniger mit Hygienevorschriften zu tun als mit der Tatsache, dass bereits beim Überschreiten der Schwelle über die Füße ein erster Sinnesreiz wirken soll.

Drinnen ist alles in Weiß gehalten, Hocker, Sitzgruppen, Liegeflächen und ein Wasserbett bieten dem Nutzer die Möglichkeiten, eine bequeme Position einzunehmen. Mit farbigem Licht, mit Klängen, Düften, mit Musik und bewegten Bildern auf einer Leinwand wird die Sinneswahrnehmung individuell angeregt.

„Man muss sich etwas einarbeiten, um die vielfältigen Funktionen auch nutzen zu können”, schmunzelt Monika Schwalm, die sich wie ihre Kolleginnen zunächst einmal mit den Bedienungsanleitungen der beiden Fernsteuerungen auseinandersetzen musste.

Die pädagogisch-therapeutische Vorbereitung gab es derweil in einer speziellen Fortbildung, an der alle Kolleginnen des Hauses teilgenommen haben. „Es ist faszinierend, wie positiv der Snoezel-Raum auf die Kinder wirkt”, berichtet Schwalm von den ersten Erfahrungen. Dabei finden (hyper-)aktive Kinder ihre Ruhe, während introvertierte Mädchen und Jungen durch die verschiedenen Sinnesreize angeregt werden.

Nutzen lässt sich der Raum aufgrund der technischen Ausstattung auch für Besprechungen und themenbezogene Projekte. „Wald oder Wasser beispielsweise können hier wunderbar erlebt werden”, schwärmt Monika Schwalm.

Die Kita Franziskusstraße ist die erste Einrichtung im Stadtgebiet, die über einen Snoezel-Raum verfügt. Das Pilotprojekt könnte durchaus auch in anderen Kindertagesstätten Schule machen, wenngleich - wie fast immer - natürlich die Finanzierung sichergestellt werden müsste.

Gesnoezelt wird nicht nur in der Kinder- und Jugendarbeit. Auch bei Erwachsenen und vor allem bei Senioren kommt die Therapie wegen ihrer Wirksamkeit immer häufiger zum Einsatz.

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