Stolberg-Zweifall: Im Zweifaller Museumssägewerk hat der Zahn der Zeit keine Chance

Stolberg-Zweifall : Im Zweifaller Museumssägewerk hat der Zahn der Zeit keine Chance

Zur Vorführung von Sägegatter und Bandsäge wurde am Wochenende wieder ins Museumssägewerk in Zweifall eingeladen. Das alte Sägegatter stammt aus dem Besitz von Franz Groß, der seit Ende der 1920er Jahre ein kleines Sägewerk in Mulartshütte betrieben hatte. Seit fast 84 Jahren ist das immer noch intakte Gatter nunmehr in Betrieb.

Vor der Vorführung spannen Heinz-Gerd Braun und Richard Veeser, zwei der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums, die Sägeblätter in das Gatter. Nach der Vorführung werden diese wieder entspannt. „Wenn die Sägeblätter die ganze Zeit gespannt wären, würden sie stumpf werden“, erklärt Andrea Pohl, ehrenamtliche Aufsicht im Zweifaller Museumssägewerk.

Heute elektronischer Antrieb

Der Abstand zwischen den einzelnen Sägeblättern wird individuell eingestellt, je nachdem, in welcher Form das Holz benötigt wird. Im Museumssägewerk wird das Gatter elektronisch angetrieben. In früheren Zeiten wurde der Antrieb unterdessen mit Hilfe von Traktoren oder Dampf sichergestellt. Das Holz, das hier im Museum geschnitten wird, stammt aus den umliegenden Wäldern und ausschließlich aus der Nachkriegszeit. „Bei älteren Bäumen besteht die Gefahr, dass Metallsplitter aus der Kriegszeit in den Stämmen sind. Diese Splitter würden die Sägeblätter beschädigen und unbrauchbar machen“, erläutert Pohl den Hintergrund. Nachdem der Baumstamm mit dem Gatter der Länge nach zersägt worden ist, kommt die aus dem Jahr 1936 stammende Bandsäge zum Einsatz. Mit ihr werden die ungeraden Seiten der Holzzuschnitte, die sogenannten Waldkanten, gleichmäßig abgesägt. Das Ergebnis sind gerade Holzbretter, ganz so wie man sie aus dem Baumarkt kennt.

Neben dem Vorführraum, in dem sich das Gatter und die Bandsäge befinden, verfügt das Museum auch über einen Ausstellungsraum. Hier zieren alte Motorsägen, Mess- und Nummerierwerkzeuge sowie Exponate mit Metallsplittern aus dem Krieg und Fotos aus vergangenen Zeiten die Wände. Auch ihr Wissen über die Jahresringe der Baumstämme können die Besucher des Sägewerkmuseums im Ausstellungsraum erweitern. „Die Dicke oder Dünne der Ringe lassen auf die Einflüsse schließen, denen der Baum ausgesetzt war“, erklärt Andrea Pohl. „Sind die Ringe dick und kräftig, waren die Wetterbedingungen gut. Sind die Ringe hingegen dünn, lässt das auf einen Nährstoffmangel schließen.“

Ein weiteres Highlight in Zweifall ist die lange Holzbank vor dem Museum, an der wohl kein Besucher ohne Halt vorbeigehen kann. Die Bank misst stolze 36 Meter und bietet somit genug Platz für eine ganze Gruppe erschöpfter Wanderer, die auf ihrem Weg durch das Solchbachtal das Museumssägewerk passieren. Die Bank wurde aus einer 130 Jahre alten Douglasie hergestellt, die im Jahr 2010 dem Orkan „Xynthia“ zum Opfer gefallen war. Wer selbst einmal auf der langen hölzernen Sitzgelegenheit Platz nehmen möchte, hat jederzeit die Möglichkeit dazu.

Das Museumssägewerk an der Jägerhausstraße 148, ist hingegen nur sonn- und feiertags von 11 bis 16 Uhr für Interessierte geöffnet. Die nächste Vorführung von Sägegatter und Bandsäge findet am Samstag, 16. Juni, um 16 Uhr statt.

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