Im Rahmen des Projekts „Oberstark“ lernen Kinder das Kochen

Himbeeren kommen nicht auf den Tisch : Kleine Nachwuchsköche lernen im Projekt „Oberstark“ das Kochen

Gemüse schneiden, Salat anrichten, den Quark zuckern, das Fleisch anbraten, die Schokoladensauce zubereiten und natürlich das Spülen und Saubermachen der Küche am Ende nicht vergessen.

Im Helene-Weber-Haus an der Oststraße gab es in der vergangenen Woche eine ganze Menge zu tun. Fünf kleine Nachwuchsköche tobten sich dort an und rund um die Herdplatten aus. Zum Abschluss luden sie ihre Familien ein. Wie es den Erwachsenen geschmeckt hat? Und warum Himbeeren auf keinen Fall in den Nachtisch wandern durften? Dazu kommen wir gleich.

Zum Hintergrund: Veranstaltet wird der Kochkurs im Rahmen des Projekts „Oberstark“. Dieses wiederum ist eine Maßnahme aus dem integrierten Handlungskonzept „Berg- und Talachse – Miteinander für Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg“. Es wird mit insgesamt 90 Prozent – also 400.000 Euro – aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Zehn Prozent beträgt der Eigenanteil für die Stadt Stolberg.

Das Ziel: Alle Kinder Oberstolbergs bis zum 14. Lebensjahr sollen mit ihren Familien durch das Projekt angesprochen und zum Mitmachen eingeladen werden. Denn: Rund 50 Prozent der insgesamt 450 Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahren, die in Oberstolberg leben, sind von Armut betroffen. Dazu hat sich ein Trägerverbund aus Helene-Weber-Haus (HWH) Stolberg, Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Stolberg und dem Verein Betreute Schule Aachen-Land gemeinsam mit der Stadt formiert, der seit Januar bis einschließlich Dezember 2020 das Projekt umsetzen will.

Die Füllung für die Hauptspeise ist mittlerweile fertig. Dann kann es mit dem Dessert weitergehen. Foto: ZVA/Sonja Essers

Erste Aktionen sind bereits gestartet. Unter anderem wurde auf dem Kaiserplatz gekocht und gespielt. In den Sommerferien wurde auf dem Schulhof der Grüntalschule gespielt und getobt. In Zusammenarbeit mit dem Projekt „Viertel-Lab“ entstanden zudem Blumenkästen, die auch als Spiel- und Sitzmöglichkeit genutzt werden können (wir berichteten). Mit dem Kochkurs ging es nun weiter.

Geleitet wurde dieser von Andrea Derichs und Thomas Graff. Das Ziel: Für drei Euro sollte pro Person ein leckeres und gesundes Essen gekocht werden – Vorspeise und Nachtisch inklusive. Die Rezepte gab es am Ende der Woche noch einmal gesammelt, damit auch zu Hause fleißig nachgekocht werden kann. Der Kurs stand übrigens unter dem Motto „Eine kulinarische Weltreise“. Los ging es mit einem italienischen Tag – selbst gemacht Pasta inklusive.

Es folgten kulinarische Abstecher nach Syrien, Österreich und Mexiko. Am letzten Tag gab es dann eine Art „Best of“, zu dem dann auch die Familien eingeladen waren. Und deshalb strengten sich die kleinen Köche natürlich noch einmal umso mehr an. Schließlich gab es eine ganze Menge zu tun.

Für die Vorspeise musste der Kopfsalat gewaschen und vorbereitet werden. Da durfte natürlich auch das Dressing nicht fehlen. Für die mexikanischen Enchilladas musste zunächst Gemüse geschnitten und dann gemeinsam mit dem angebratenen Fleisch in den Kochtopf wandern. Die Masse wurde dann in Wraps gefüllt, mit ein wenig Käse bestreut und wanderte in den Ofen.

Das Eindecken gehörte auch zu den Aufgaben der Teilnehmer. Foto: ZVA/Sonja Essers

Fehlte nur noch das Dessert. Erdbeeren wurden geschnippelt, der Quark gezuckert und gerührt, die Löffelbiskuits zerbröselt. In Schichten kamen die einzelnen Komponenten in die Auflaufformen und garniert wurden diese dann mit Kakaopulver und ein wenig Schokoladensauce. Himbeeren fanden diesmal nicht – so wie beim ersten Versuch – den Weg ins Tiramisu. Die waren den Kindern nämlich zu bitter. Nachdem auch der letzte Topf gespült war, wurde es Zeit, den Tisch zu decken.

Viel Mühe gaben sich die Kleinen beim Eindecken und überzeugten damit und natürlich mit dem Geschmack ihre Familien so, dass diese nach dem Essen einen großen Applaus spendeten. Und wie geht es nun weiter? Momentan denke man darüber nach, den Kus zu wiederholen. Die Kinder hatten dazu eine eindeutige Meinung: „Mir hat das Kochen so viel Spaß gemacht, dass ich traurig war, als das Essen fertig war. Ich wollte noch so gerne weiter kochen“, brachte es Teilnehmerin Lisa auf den Punkt.

Mehr von Aachener Nachrichten