Trio will Verein gründen : Ihr Herz schlägt für Kaninchen in Not

Trio will Verein gründen : Ihr Herz schlägt für Kaninchen in Not

Melanie Schäfer liebt Kaninchen. Im Alter von sieben Jahren schenkten ihr ihre Eltern das erste Tier. Bis ins Erwachsenenalter setzte sich dies fort. Im August 2017 kam dann jedoch der Wendepunkt. Schäfers Tiere erkrankten damals an der gefährlichen Chinaseuche. Diese Viruserkrankung befällt ausschließlich Kaninchen und führt fast immer zum Tod der Tiere.

Das war auch bei den Vierbeinern von Melanie Schäfer der Fall. Hilflos musste die junge Frau damals mit ansehen, wie es ihren Tieren immer schlechter ging. Helfen konnte sie ihnen nicht. „Es ist schlimm zu sehen, wie qualvoll die Tiere sterben. Das war ein Grund, warum ich mich damals dafür entschieden habe, keine Kaninchen mehr aufzunehmen“, sagt Schäfer. Doch dieses Vorhaben hielt nur wenige Monate an.

Bereits im November des gleichen Jahres brach sie ihren Vorsatz. Der Grund dafür: Damals fand sie sechs Jungtiere, die man mitten in Stolberg ausgesetzt hatte. Mit der Flasche zog sie die Kleinen, die teilweise gerade einmal 96 Gramm wogen, wieder auf. Mittlerweile haben sie und ihre beiden MitstreiterVanessa Schäfer und Andreas Gabrysch bereits etlichen Kaninchen das Leben gerettet, weil ihnen niemand anders mehr ein zu Hause geben wollte.

Nicht alleine leben

Im Laufe der Jahre sind die drei Stolberger zu wahren Kaninchen-Experten geworden. Sie wissen, dass viele Besitzer eine Menge falsch machen. Kaninchen gehören im Idealfall nach draußen und sollten auch nicht alleine, sondern gemeinsam mit Artgenossen leben. Zu Dritt besitzen sie mittlerweile 16 Tiere, die in einem großen Gehege im Garten untergebracht sind. Dort erhalte die Tiere genügend Auslauf und können ihre Zeit mit Artgenossen verbringen. Dort scheint es ihnen zu gefallen. Fröhlich hoppeln sie in der Gegend herum oder genießen die Sonnenstrahlen.

Doch das Leben der Tiere war nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Im Gegenteil. Schließlich haben die Tiere den Weg zu Melanie und Vanessa Schäfer sowie Andreas Gabrysch nur gefunden, weil ihnen in der Vergangenheit Leid widerfahren ist. „Wir haben einige Problemfällchen“, sagt Vanessa Schäfer. Eines der Tiere besitzt beispielsweise keine Schneidezähne mehr. „In falschen Händen würde das Tier verhungern“, macht Schäfer deutlich. Doch nicht nur mit auftretenden Krankheiten oder unerwarteten Tierarztkosten seien Besitzer oft überfordert.

Traurig: Die Kaninchen, die die Stolberger aufnehmen, sind nicht immer in einem guten gesundheitlichen Zustand. Foto: ZVA/Sonja Essers

Die Haltung der Tiere sei oft ein Problem. Erst kürzlich erlebten sie, wie in St. Augustin ein Tier der Rasse Deutscher Riese in einem winzigen Karton gehalten wurde. „Es konnte sich noch nicht einmal drehen“, sagt Andreas Gabrysch. Heute lebt besagter Vierbeiner in Stolberg.

Für wenig Geld „verscherbelt“

Gehandelt wird mit den Tieren auch im Internet. „Schlimm ist es, wenn Tiere nur für wenige Euros verscherbelt werden“, sagt Melanie Schäfer. Sie und ihre Mitstreiter wollen niemanden davon abhalten, Kaninchen anzuschaffen – im Gegenteil. „Nicht jeder, der ein Kaninchen hält, hält es automatisch schlecht. Wir wollen einfach nur Aufklärungsarbeit leisten“, damit anderen Tieren erspart bleibe, was die Vierbeiner in ihrem Garten in der Vergangenheit erleben mussten.

Das langfristige Ziel der Drei: Sie wollen einen Verein gründen, damit sie künftig noch mehr Tiere aufnehmen können. Die Kosten für Unterbringung, Futter und den Besuch beim Tierarzt zahlen sie bis dato komplett aus der eigenen Tasche. Für den kürzlich anstehenden Impftag zahlte man für alle Tiere insgesamt 260 Euro.

Um 16 Tiere kümmern sich die drei Stolberger derzeit. Allesamt Tiere, die niemand mehr versorgen wollte. Foto: ZVA/Sonja Essers

Zudem wollen sie in ihrer Freizeit auch mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeiten, um bereits so früh wie möglich über den richtigen Umgang und die richtige Haltung zu informieren. Und auch Besuche in Seniorenheimen könnten sie sich gut vorstellen. „Ich habe gelesen, dass gerade Demenz-Patienten Kaninchen mögen, weil viele von ihnen die Tiere aus ihrer Kindheit kennen“, sagt Gabrysch.

Er und seine beiden Mitstreiterinnen verbringen einen Großteil ihrer Freizeit bei und mit den Tieren. Füttern und das Gehege sauber machen stehen natürlich jeden Tag auf dem Programm. „Manchmal ist man auch zwei oder drei Mal am Tag hier. Aber man bekommt von den Tieren auch einfach so viel zurück“, ist sich Vanessa Schäfer sicher.

Wer die drei Tierschützer unterstützen möchte und ihnen beispielsweise Futterspenden zukommen lassen möchte, kann sich per E-Mail an bunny-island@gmx.de an sie wenden.

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