Ideenwerkstatt

Geschwister-Scholl-Platz: Das Herz der Liester soll wieder schlagen

Sie war chic und moderm, verfügte über ein pulsierendes Leben und war ein Treffpunkt für Jung und Alt aus nah und fern: Die blühenden Zeiten der in den 1960er Jahren als Wohngebiet entwickelten Liester liegen lange zurück.

Das Seniorenzentrum bot mit Restaurant, Kegelbahn und Gesellschaftsräumen Raum für vielfältiges soziales Leben.

Rund um den Geschwister-Scholl-Platz fand man fast alles, was man im Alltag brauchte: ein Spar-Markt mit Frischeangebot zur Nahversorgung, Reinigung, Imbiss, Versicherung, Tierhandlung und – den „Heuwagen“. Die Gaststätte mit Tanzkeller von Siggi Eder hatte Kultstatus. Im Keller des Kirchengebäudes konnte man Pfarrer Wim Buscher bei der Disco für die Jugend antreffen. Das Jugendheim Oase folgte erst später. Als Wim Buscher, der die Pfarrgemeinde von 1967 an zum Leben erweckt hatte, die Liester verließ, war das ein tiefer Einschnitt im Leben vieler Bewohner. Weitere Einschnitte sollten folgen und formten sich zu einer Abwärtsspirale.

Schon lange ist die Liester nicht mehr das, was sie einmal war. Es gibt nur noch wenige Straßenzüge mit wohlhabenden Bewohnern. Von den über 5100 Einwohnern leben 16,3 Prozent in der sozialen Mindestsicherung. Der Anteil von Eltern mit niedrigem Einkommen ist im Sozialraum Liester / Münsterbusch der höchste im Stadtgebiet. Die Bevölkerungsstruktur ist im Wandel, die Lieser wesentlich internationaler geworden, als sie es in ihren Gründerzeiten war. Deren Väter und Mütter sind heute hochbetagt. Vereine oder Clubs sind kaum anzutreffen.

„Die soziale Entwicklung der Liester erfordert präventive Strategien gegen Armut, soziale Isolation und Exklusion“, sagt Robert Voigtsberger. Die Liester ist ein Starter- und Schlüsselprojekt innerhalb des Integrierten Handlungskonzeptes, so der Erste Beigeordnete und Sozialdezernent weiter.

Einen ersten Ansatz zur Wiederbelebung betreut sein Kollege Tobias Röhm. „Das Herz der Liester soll wieder richtig schlagen“, sagt der Technische Beigeordnete.Der Geschwister-Scholl-Platz soll städtebaulich aufgewertet werden, um den sozialen Strukturmaßnahmen auch einen äußeren Rahmen zu bieten – wieder liebens- und lebenswert zu werden.

Erste Akzente haben die neuen Eigentümern der früheren Gehag-Häuser gesetzt und den Hochhäusern zumindest wieder eine frischere Optik gegeben. Aber Kernpunkt ist die Neugestaltung des zentralen Platzes, der heute fast nur noch als Abstellort für Fahrzeuge dient. Das haben Anwohner in ersten Gesprächen mit den Planern bereits moniert.

Bereits im Juni hatte die Stadt das BüroClub 94 – es lieferte in Stolberg die Blaupause für den Bastinsweiher – beauftragt mit der Bestandsanalyse und Rahmenplanung für die Liester. Erste Sondierungen haben stattgefunden mit Eigentümern, Behörden und der Kirche. Denn die Pfarre St. Lucia hat die St.-Hermann-Josef-Kirche zur Dispisition stellen müssen. Eine Machbarkeitsstudie soll im nächsten Jahr Vorschläge für eine zukünftige Nutzung des Gotteshauses und seiner Freiflächen im Zusammenhang mit der Wiederbelebung des Geschwister-Scholl-Platzes aufzeigen, kündigt Röhm an.

Die entscheidenden Ideen für das „Herz der Liester“ sollen jedoch ihre Bürger selbst liefern. Wie für die Stadtrandsiedlung, den Kaiserplatz oder Oberstolberg sollen bei einer Planungswerkstatt gemeinsam Ideen, Anregungen und Visionen gesammelt und ausgewertet werden. Diese setzt dann das Büro Club 94 in erste Entwürfe um, die wiederum öffentlich diskutiert werden sollen. Ziel ist es, Ende 2019 den Förderantrag für die Umsetzung beim Ministerium einreichen zu können. Bei einem positiven Bescheid soll überlegt werden, wie bei der Umsetzung auch Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose integriert werden können, so Robert Voigtsberger.

„Die Aufgabe ist auch für die Bewohner der Liester reizvoll“, sagt Tobias Röhm. „Immerhin umfasst der Platz mit seinem Umfeld 8800 Quadratmeter und bietet somit deutlich mehr Gestaltungsspielraum als der Kaiserplatz“.

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