Stolberg: Hufschmied: „Das wird immer ein Handwerk bleiben“

Stolberg: Hufschmied: „Das wird immer ein Handwerk bleiben“

Der weiße Lieferwagen hat nur eine Innenfläche von etwa sechs Quadratmetern, dennoch hat Hubert Bengel in dem Wagen stets alles dabei, was er zur Ausübung seines Berufs braucht — vom Amboss bis zu Hunderten von Hufeisen in verschiedenen Größen und Formen.

Hubert Bengel und sein Sohn Holger sind Hufschmiede, und am Mittwochmorgen machen sie mit ihrer mobilen Werkstatt zuerst am Reitstall Kienert in Raffelsbrand Station. Hier warten die Wallache Morning und Bacardi.

50 Prozent orthopädische Fälle

Mit schnellen Handgriffen zieht Hubert Bengel Amboss und Werkzeug aus dem Wagen. Während der Gasofen aufheizt, wird noch ein großer Eimer mit kaltem Wasser geholt. Dann noch die Beschlagsschürze anziehen, und schon kann es losgehen. Wallach Bacardi kommt zuerst an die Reihe. Das, was jetzt auf ihn zukommt, hat er schon diverse Male mitgemacht — kein Grund zur Aufregung also.

„Die Pferdehufe müssen alle sechs bis sieben Wochen vom Hufschmied bearbeitet werden“, sagt Hubert Bengel und klemmt sich Bacardis linken Vorderfuß zwischen die Knie. „Sonst kann es zu Sehnen- und Knochenschäden kommen.“ Mit einer sogenannten Nietklinge öffnet der 67-Jährige die Hufeisennägel und löst das Eisen. Dann säubert er den Huf. Mit einer großen Raspel — einer Art überdimensionalen Nagelpfeile — bearbeitet Holger Bengel anschließend die Hornwand.

Im 800 Grad heißen Gasofen werden derweil die Hufe erhitzt — bis sie rot glühen und heiß genug für die Bearbeitung sind. Nur aus seiner jahrelangen Erfahrung heraus, weiß Hubert Bengel, wie er das Eisen bearbeiten muss. Immer wieder schlägt er mit dem Hammer auf das heiße Hufeisen — für einen Laien sehen die Hammerschläge willkürlich und zufällig aus. Doch Hubert Bengel weiß genau, was er da tut. Bei der ersten Anprobe am Pferdehuf dampft und zischt es, aber das Eisen passt perfekt auf das Huf des Wallachs. Bengel ist zufrieden.

Eigentlich ist der 67-Jährige gelernter Zahntechniker, hat aber dann früh eine Umschulung zum Hufschmied gemacht. Schon sein Vater übte den Beruf aus. Zu dessen Zeiten brachten die Pferdebesitzer ihre Tiere noch zum Hufschmied in die Werkstatt. Bengel — seit 47 Jahren als Hufschmied unterwegs — ist von Anfang an mit seiner Werkstatt zu den Ställen gefahren.

Ob sich die Arbeit eines Hufschmiedes im Laufe der Zeit geändert hat? „Das Grundsätzliche an der Arbeit hat sich in den letzten 100 Jahren nicht verändert“, sagt Bengel. „Amboss und Feuerzangen gehören immer noch dazu. Und ein Handwerk wird das immer bleiben.“ Früher war Hubert Bengel — für Hufschmiede damals üblich — auch noch für das Gebiss der Pferde zuständig. Die Aufgabe haben heute allerdings die Tierärzte übernommen.

Allerdings seien die orthopädischen Ansprüche im Laufe der Zeit gewachsen. Rund 50 Prozent der betreuten Pferde hätten orthopädische Probleme, sagt Holger Bengel. Dann müssen beispielsweise orthopädische Hufeisen oder Spezialeinlagen aus Leder verwendet werden, die dann etwa wie eine Art Stoßdämpfer wirken.

Bacardi und Morning haben keine Probleme mit ihren Hufen, sie werden ganz gewöhnlich behandelt. Nach dem heißen Beschlag werden die Eisen in einem Eimer mit kaltem Wasser gekühlt. Bevor die Eisen vernietet werden, bearbeitet Holger Bengel sie noch am Schleifbock. Dann werden die Eisen mit sechs Nägeln pro Huf befestigt — „aufnageln“ heißt das im Hufschmied-Fachjargon.

Jetzt nur noch die Nägel vernieten, dann sind Morning und Bacardi fertig. Etwa eineinhalb Stunden hat die Prozedur gedauert. „Bei einem Pferd mit orthopädischen Problemen kann der Beschlag aber auch schon einmal dreieinhalb Stunden dauern“, sagt Holger Bengel.

Schon als Kind hat er seinem Vater fast täglich beim Beschlagen der Hufe zugesehen. Genau wie sein Vater auch lernte Holger Bengel erst einmal einen anderen Beruf — doch das Hufschmied-Handwerk ließ ihn nicht los. Sein alter Job war ein Beruf zum Broterwerb; wirkliche Erfüllung fand der 34-Jährige, der selbst zwei Pferde besitzt, nun in seinem Job als Hufschmied.

„Ich mag Pferde und alles, was damit zu tun hat“, sagt er. „Und als Hufschmied tue ich den Pferden auch noch etwas Gutes, denn mit meiner Arbeit verschaffe ich ihnen Erleichterung.“