Stolberg-Büsbach: Hubertus-Schützen engagiert im Bürgerhaus: Tradition und Zukunft verpflichtet

Stolberg-Büsbach : Hubertus-Schützen engagiert im Bürgerhaus: Tradition und Zukunft verpflichtet

Einer der ältesten Vereine der Region ist ein Paradebeispiel dafür, wie Traditionspflege in der Moderne Bestand haben kann und in eine aussichtsreiche Zukunft blickt: Die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Büsbach existiert seit 395 Jahren und ist gerade heute ein großer „Aktivposten“ im Vereinsleben.

Seit fast drei Jahrzehnten ist Heinz Offermann Mitglied der Bruderschaft und hat vor sieben Jahren als Brudermeister den Vereinsvorsitz übernommen. Seinerzeit zählten die Büsbacher Schützen knapp 30 Mitglieder, darunter drei Jugendliche.

In Eigenleistung hat die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft den Schießstand im Büsbacher Bürgerhaus komplett entkernt und neu aufgebaut. Foto: H. Offermann

Inzwischen freut sich der Verein über 14 Jugendliche in seinen Reihen und ist auf insgesamt 70 Mitglieder angewachsen. Eine Entwicklung, die mit der Dynamik des Traditionsvereins einhergeht. Seit sechs Jahren haben die Hubertus-Schützen ihren Königs- und Bürgervogelschuss in die Öffentlichkeit des Marktplatzes verlegt und am Folgetag das Muttertagsfest in Büsbach ausgerichtet. Vor fünf Jahren hat der Verein erfolgreich die Hubertus-Kirmes wiederbelebt. „Die Kirmes hatte pausiert, weil es zunehmend schwieriger wurde, Schausteller zu finden“, beschreibt Offermann.

Einerseits sei eine kleine Dorfkirmes wenig lukrativ für die Schausteller, andererseits befänden diese sich zum Patronatsfest der Büsbacher Schützen oft schon im Winterlager. Um den Bürgern dennoch die Hubertus-Kirmes anbieten zu können, fand der Verein eine Lösung. „Die Schausteller zahlen keine Platzmiete, und auch die Kosten für Strom und Wasser übernehmen wir Schützen“, erklärt der Brudermeister, dass es vom 2. bis 4. November wieder die Kirmes in Büsbach geben werde. Ein weiterer positiver Trend ist beim Schützenfest des Vereins zu verzeichnen: Immer mehr Gäste kamen, so dass der große Saal im Büsbacher Bürgerhaus schlichtweg zu klein geworden ist.

Zum dritten Mal feierte die Bruderschaft ihr Schützenfest daher vor kurzem in dem noch größeren Saal von „Angie‘s Bistro“ mit rund 250 Gästen. In 2017 erfolgte ein weiterer Schritt in Richtung Jugendförderung: „Wir haben zwei Jugend-Luftgewehre angeschafft, die kleiner und leichter sind als die Luftgewehre für Erwachsene. Außerdem sind sie mit weniger Kraftanstrengung zu laden“, erläutert Offermann. Die Anschaffung macht den Verein für Jugendliche zwar attraktiv, aber Kinder unter 12 Jahre dürfen nicht mit Luftgewehren schießen. Wieder fand der Verein eine Lösung und investierte in eine kostspielige Laser-Schießanlage.

„Damit können Kinder mit einem ungefährlichen Laserstrahl eine Zielscheibe anvisieren, die mit einem Laptop verbunden ist. So werden die Treffer elektronisch erfasst“, führt Offermann aus. Aktuell machen die Schützen im Bürgerhaus mobil, das seit 150 Jahren besteht. Die Hubertus-Bruderschaft verwaltet das frühere Büsbacher Rathaus an der Konrad-Adenauer-Straße und vermietet drei verschieden große Gesellschafts- beziehungsweise Probe- und Trainingsräume im Erdgeschoss, dem ersten Stock und unter dem Dach, wo der Verein den eigenen Schießstand betreibt.

Letzterer befand sich neben einem schmalen Flur und dem Aufenthaltsraum der Schützen — bis der Verein den kompletten Bereich in Eigenleistung vollständig entkernt und umgebaut hat. Der Flur ist verschwunden, der Aufenthaltsraum „umgezogen“, und aus dem alten Schießstand mit fünf beengten Bahnen ist ein großzügiger Stand mit jetzt sechs Bahnen geworden. „Der neue Schießstand ist bestens geeignet für schießsportliche Veranstaltungen“, sagt Offermann. Und damit nicht genug, denn die Hubertus-Schützen nehmen in diesem Jahr das ganze Bürgerhaus ins Visier — vom Erdgeschoss bis unters Dach.

Der große Saal im Erdgeschoss soll im Gedenken an den ehemaligen Bezirksbundesmeister und verdienten Büsbacher Schützenbruder in „Helmut-Schümmer-Saal“ umbenannt werden, und der Verein will den Küchenbereich erneuern. Im Flurbereich des ersten Stockwerks soll der mittelgroße Gesellschaftsraum neben Kühlschränken nun auch eine Spüle mit Warm- und Kaltwasseranschluss sowie Abfluss erhalten. Unterm Dach wollen die Schützen zudem zwischen der vorhandenen Miniküche und dem kleinen Gesellschaftsraum, der jetzt auch Aufenthaltsraum des Vereins ist, eine Durchreiche einbauen. Ein weiteres wichtiges Projekt heißt „Internet fürs Bürgerhaus“, denn das Gebäude ist seit 150 Jahren offline.

„Die Arbeiten der Schützen im Büsbacher Bürgerhaus gehen quasi einher mit den baulichen Maßnahmen der Stadt“, beschreibt Offermann. So wurde bereits das Dach des Bürgerhauses seitens der Stadt neu gedeckt. Dabei hatte die Jugend der Bruderschaft eine gute „Recycling-Idee“: Der Schützennachwuchs hat die 150 Jahre alten Dachziegel mit Thermometern versehen und bietet sie als „ein Stück Heimat“ zum Verkauf an. Für 10 Euro können die alten Dachziegel in der Hirsch-Apotheke oder dienstags von 16 bis 20 Uhr im Heimat- und Zeitungsarchiv der Interessengemeinschaft Büsbach im ersten Stock des Bürgerhauses erworben werden.

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