Hospizstiftung Region Aachen lädt zu besonderer Filmveranstaltung ein

Patient mit Todesängsten im Mittelpunkt : Besondere Filmveranstaltung im Kulturzentrum Frankental

Das Euregionale Dokumentarfestival (Docfest) on Tour stammt aus den Niederlanden und zeigt an besonderen Orten Filme, die sich mit dem Thema Hospizarbeit beschäftigen.

So konnte Bernd Claßen, Mitglied des Vorstandes der Hospizstiftung Region Aachen, auch erstmalig im Kulturzentrum Frankental in Stolberg eine stattliche Anzahl von Menschen begrüßen, der die Palliativ-Versorgung am Herzen liegt.

Der erste Film, eine Premiere von Miriam Pucitta und Michael Chauvistré, trug den Titel „Träume habe ich viele“ und handelte von einem jungen Mann aus dem Kamerun, der nach dem frühen Tod der Eltern nach Europa aufbrach und in Würselen die Krankenpflege erlernte.

Das Regieduo hat den Film mit Yves Julio Waffo von 2015 bis 2017 gedreht und seinen besonderen Blickwinkel auf die Kranken und Sterbenden festgehalten, wobei der Patient immer im Mittelpunkt mit seinen Verlust- und Todesängsten stand.

Die Musik zum Film schuf Christianne Steegmans aus Maastricht, die wie auch der Hauptdarsteller bei der Premiere in Stolberg anwesend war und anschließende Fragen aus dem Auditorium gerne beantwortete.

Bernd Wehbrink vom Hospiz am Iterbach und Sybille Schmitz, Leiterin der Schule für Pflegeberufe am Rhein-Maas-Klinikum, Würselen, waren tief berührt von diesem Streifen und meinten, dass Julio mit seiner Ausbildung sogar eine Vorreiterrolle übernommen habe.

Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund müssen in Deutschland gepflegt werden, und da sei es gut, wenn der Krankenpfleger oder die Krankenschwester selbst auch Migationshintergrund habe.

Das Regieduo Miriam Pucitta und Michael Chauvistré wurde zur Vorführung des Films besonders begrüßt. Foto: Marie-Luise Otten

Deutschlandpremiere feierte dann der Film „Vor der Stille“ von Regisseur Richard Dols, der maßgeblich am Docfest beteiligt ist. Der mit deutschen Untertiteln versehene niederländische Dokumentarfilm versuchte die Frage zu beantworten, was in Menschen vor sich geht, wenn sie die letzte Phase ihres Lebens erreicht haben. Es ist immer etwas Spirituelles: Voll und ganz eins zu werden mit Gott, das Leben genossen zu haben und nichts bereuen zu müssen.

Die sieben Hauptfiguren aus Hospizen in Rotterdam, Mechelen oder Maastricht und anderen Städten erzählten sehr viel Persönliches, sei es dass sie ein lebenslanges Geheimnis enthüllten, über ihre kriminelle Vergangenheit sprachen oder noch von dem Lindenbaum in Tilburg träumten.

Ein würdevolles Leben bis zuletzt mit so viel Unterstützung wie nötig und so viel Autonomie wie möglich ist der Leitgedanke der palliativ-medizinischen Versorgung. Oberstes Ziel ist es, die Lebensqualität des erkrankten Menschen und dessen Angehörigen zu erhalten. Im Mittelpunkt der Palliativversorgung steht der Kranke, ob zuhause oder in einer stationären Einrichtung, mit seinen körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der Kooperation vieler Einrichtungen. Zum Netzwerk Regio Aachen zählen Palliativstationen, das stationäre Hospiz Haus Hörn, ambulante Hospizdienste, Home Care, Ärzte, Pflegedienste, Altenheime, Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheken und Sanitätshäuser. Aus diesem Netzwerk ist die am 29. Februar 2012 gegründete Hospizstiftung Region Aachen hervorgegangen.

Noch viel aufzuholen

Als erstes Projekt fördert die Stiftung das in 2015 eröffnete Hospiz am Iterbach. Während Deutschland beim Thema Hospiz noch hinterher hinkt und viel aufholen muss, sind die Niederlande hier weit voraus. Während die Menschen in den Niederlanden durchschnittlich drei Monate im Hospiz bleiben können, sind es in Deutschland nur sechs Wochen. Oft kommen sogar gesundheitliche Verbesserungen vor, dass der Kranke wieder in seine alte Wohnung, sofern sie noch vorhanden ist, entlassen wird.

Im Hospiz ist der Kranke nicht allein, hat immer Leute zum Sprechen und bekommt Kraft von ihnen, weil sie dort arbeiten. Natürlich geht das nicht ohne ehrenamtliche Mitarbeiter. Auf drei bis vier bezahlte Kräfte kommen in den Niederlanden 50 Freiwillige.

Im Gespräch mit dem Regisseur Richard Dols, Bernd Wehbrink vom Hospiz Iterbach und Veronika Schönhofer-Nellessen, Leiterin der Servicestelle Hospiz und Geschäftsführerin des Vereins Palliatives Netzwerk für die Region Aachen, tauschten sich interessierte Gästen über dieses bürgerschaftliche Engagement aus.