1. Lokales
  2. Stolberg

Hochwasser in Stolberg: Untersuchtungsausschus zu Besuch

Nach der Flutkatastrophe : Untersuchungsausschuss besucht Stolberg

Am Freitagnachmittag ist der parlamentarische Untersuchungsausschuss des Landes NRW in Stolberg zu Gast. Bei einem Rundgang verschaffen sich die Mitglieder einen Eindruck von der Lage nach der Hochwasserkatastrophe.

Es ist ein Bild, das nicht so richtig zusammenpasst: Rund 20 Landtagsabgeordnete, größtenteils in feinem Zwirn, laufen durch die zerstörte Stolberger Innenstadt. Der Besuch aus Düsseldorf gehört zum parlamentarischen Untersuchungsausschuss „Hochwasserkatastrophe“, der Anfang Oktober seine Arbeit aufgenommen hat. Der Termin am Freitagnachmittag in Stolberg ist der erste Ortstermin des Gremiums, beim Rundgang machen sich die Mitglieder exemplarisch ein Bild vom Ausmaß der Hochwasserkatastrophe und den entstandenen Schäden in Nordrhein-Westfalen.

„Die veröffentlichten Bilder sind nochmal etwas ganz anderes, als sich die Schäden vor Ort anzusehen und mit Betroffenen zu sprechen“, sagt Ralf Witzel (FDP). Als Ausschussvorsitzender habe er die Aufgabe, die schrecklichen Ereignisse von Mitte Juli aufzuklären und in diesem Zuge Hintergründe und möglicherweise Verantwortlichkeiten zu erarbeiten.

Damit richte sich der Blick des Gremiums in die Vergangenheit, um aus dieser zu lernen und relevante Informationen für die Zukunft zu erhalten. „Damit ist unsere Perspektive eine andere als die der Stadt, die sehr stark mit dem Wiederaufbau und Plänen für die Zukunft beschäftigt ist“, sagt Witzel.

Anlaufpunkt sind unter anderem das Versorgungszentrum auf der Mühle sowie das alte Rathaus. Neben Bürgermeister Patrick Haas (SPD) vertritt Stefan Litzel die Stadt Stolberg. Litzel als stellvertretender Wachleiter der Feuerwehr ordnet während des Rundgangs die Ereignisse von Mitte Juli aus Sicht der Einsatzkräfte ein. Auch Vertreter des Technischen Hilfswerks (THW) sind vor Ort, um sich wie Hilfsorganisationen und Vertreter zivilgesellschaftlichen Engagements mit den Gästen auszutauschen.

„Die Stadt Stolberg hat von Landesbehörden keinerlei Einordnungen der Warnung vom Deutschen Wetterdienst erhalten“, stellt Patrick Haas fest. Der Bürgermeister betont, dass die Einsatzkräfte unmittelbar vor dem Hochwasser am 14. und 15. Juli zu keinem Zeitpunkt vor den späteren Ausmaßen gewarnt worden sind.

Stefan Litzel bestätigt diesen Eindruck und fügt hinzu: „Niemand hätte im Vorfeld etwas tun können, um das zu verhindern. Für solche Ausmaße sind wir nicht gerüstet, das ist keine Feuerwehr.“

Litzel spielte den Ball in der Fragerunde der Ausschussmitglieder zurück an die Landesregierung: „Wir arbeiten nach Vorgaben. Diese Vorgaben beschließen Sie mit Ihren Gesetzen.“ Damit spielte er auf die Werte an, die für Bauvorhaben angesetzt werden. Aktuell liegen diese beim Schutz gegen hundertjährliche Hochwasser. Das Ereignis in Stolberg sei eher ein 10.000-jährliches gewesen.

Stolberg ist eine von voraussichtlich drei Kommunen, die der Untersuchungsausschuss in den kommenden Wochen besucht – es sollen noch Bad Münstereifel und Erftstadt folgen. Dass die Abgeordneten auch Eschweiler besuchen, hält Ralf Witzel für eher unwahrscheinlich. „Eschweiler hätte man fast mit Stolberg verbinden können, aber aus Zeitgründen sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir das nicht schaffen“, erklärt der Ausschussvorsitzende.