Herr Nadenow aus Stolberg-Vicht sammelt Brillen für den guten Zweck

Für den guten Zweck : Herr Nadenow hat schon über 38.000 Brillen gesammelt

„Ich bekomme täglich Pakete aus ganz Deutschland, sogar aus Schweden und Österreich war schon was dabei“, erzählt Hubert Nadenow. Was klingt, als würde er exzessives Onlineshopping betreiben, entpuppt sich als Einsatz für den guten Zweck.

In den vielen hunderten Paketen, die Nadenow bisher erreicht haben, versteckten sich Brillen. Insgesamt über 38.000 hat er seit 2015 gesammelt. Jede einzelne von ihnen hat ihren Weg zu einem bedürftigen Menschen gefunden.

Gemeinsam mit den Hilfsvereinen Katholisches Blindenwerk und Brillen weltweit setzt sich Nadenow für Menschen ein, die sich keine Sehhilfe leisten können. „Die meisten gehören zu den Ärmsten der Armen, sie sehen oft zum ersten Mal ihre Angehörigen scharf“, berichtet er. In vielen Ländern koste eine Brille das Zehnfache des Monatslohns, wenn die Leute denn überhaupt eine Arbeit haben. Über Hilfsorganisationen werden Anfragen aus 60 Ländern gestellt, die dann aus der Zentrale in Koblenz beantwortet werden. „Die Organisationen sind allerdings dreimal geprüft, damit kein Handel mit den Brillen getrieben wird“, erklärt Nadenow.

Dank von den Empfängern der Sehhilfen bekommt der 77-Jährige nicht, er hat noch nie einen dieser Menschen persönlich kennengelernt. Dafür bedeuten ihm die vielen Karten derer, die Brillen spenden, umso mehr. Fast jedem Päckchen liegt ein Brief oder eine kleine Notiz bei, mit denen sich die Spender bedanken. Dass es irgendwann einmal so viele Brillen werden würden, damit hat er nie gerechnet.

Die Absenderkarten der Spender sammelt er, davon sind schon eine Menge zusammengekommen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Angefangen hat er im Jahr 2015, als er bei seiner Zahnärztin im Wartezimmer gesessen hat. Während er sich dort die Zeit vertrieb, fiel ihm ein Plakat auf, mit dem eine Brillensammelaktion beworben wurde. „Da habe ich mir gedacht: Du bist Rentner, du hast Zeit!“, erzählt Nadenow rückblickend. Zuerst habe er damals im Bekanntenkreis gesammelt, dann bei seinem früheren Arbeitgeber Dalli. Als nächstes wurde seine Aktion im lokalen Kirchenblatt veröffentlicht, und so nahm die Aktion seinen Lauf.

Waren es im ersten Jahr noch 231 Brillen, so sammelte Nadenow 2016 bereits knapp 7000 Brillen. Ein Jahr später waren es bereits unglaubliche 18.370. Insgesamt hat er bis zum jetzigen Zeitpunkt über 38.000 Sehhilfen zusammengetragen. „Jede einzelne habe ich in der Hand gehabt und kontrolliert, denn wir wollen ja nur gute Brillen weitergeben“, betont er. Zurzeit befinden sich rund 3900 Gestelle in seinem Keller, wo er sie feinsäuberlich in Kartons verpackt gestapelt hat. Immer wenn der kleine Kellerraum zu voll wird, müssen Nadenow und seine Frau wieder einen Transport nach Koblenz organisieren.

Dann kommt jemand von der Zentrale mit einem Bulli ins kleine Örtchen Vicht und nimmt die Brillen mit. Früher hat Nadenow das noch selbst gemacht, mittlerweile ist aber sein Kofferraum zu klein für die Ladung geworden. In Koblenz werden die Brillen dann kategorisiert und weiter verschickt. „Mit dieser Arbeit gebe ich meinem Rentnerdasein einen Sinn“, sagt Nadenow, „auch wenn das bei dem ganzen Elend in der Welt nicht viel ist.“

Schülerprojekt am Ritzefeld-Gymnasium

Für seine Aktion erhält der 77-Jährige viel Unterstützung. Unter anderem steht seit Jahren eine Sammelbox im Dorfladen, der ehrenamtlich betrieben wird. Dort sind bisher rund 1400 Brillen abgegeben worden. „Fast jeder Vichter hat also sozusagen eine Brille gespendet“, freut sich Nadenow. Das nächste Projekt startet bald am Ritzefeld-Gymnasium. Unter dem Motto „Schüler helfen Schülern“ wird auch dort eine Box aufgestellt, in die die Schulgemeinschaft alte Brillen schmeißen kann. Nadenow erhofft sich davon vor allem mehr Kinder- und Jugendbrillen. „Diese sind sonst nämlich selten dabei, obwohl gerade die benötigt werden.“

Ansonsten fährt der Rentner weiterhin regelmäßig durch die gesamte Region, um Brillen bei Optikern einzusammeln. „Etwa alle vier Wochen gehe ich dort Klinken putzen“, berichtet er. Mittlerweile ist er über Stolbergs Grenzen hinaus bekannt als der Mann, der die Brillen sammelt – ebenso wie das kleine Vicht. „Solange ich das gesundheitlich kann, mache ich weiter“, betont Nadenow. Damit trägt er seinen kleinen Teil zur Beruhigung des Chaos in der Welt bei. „Diese Zahl 38.000 ist eine große Zahl, aber ich sehe hinter jeder einzelnen Brille einen Menschen, dem damit geholfen wird.“