„Helfe Menschen bei Rückkehr in die Heimat“

Interview zum Wochenende : „Helfe Menschen bei Rückkehr in die Heimat“

Ruanda ist ein zentralalfrikanisches Binnenland. Es grenzt im Westen an die Demokratische Republik Kongo, im Norden an Uganda, im Osten an Tansania und im Süden an Burundi. Heute gilt es als relativ stabiles und sicheres Reiseland.

In die negativen Schlagzeilen geriet es 1994 durch den grausamen Genozid, in dem binnen 100 Tagen nahezu eine Million Menschen ums Leben kamen. Mit dem Beginn des Völkermordes entstanden immense Flüchtlingsströme.

Zu dieser Zeit ist auch Aphrodis Gakwasi nach Deutschland gekommen, allerdings als Student, um in Aachen an der RWTH Romanistik und Politik zu studieren. Heute arbeitet er für die Caritas in der Flüchtlingsberatung, die vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird und gibt den Menschen im „Café Willkommen“ in Stolberg die Hilfe, die sie nötig haben. Mit ihm sprach unsere Mitarbeiterin Marie-Luise Otten.

Wie alt waren Sie, als Sie Ruanda verlassen haben? Was haben Sie in Ruanda vorher gemacht?

Gakwasi: Ich habe in Ruanda mein Abitur gemacht und dann zwei Jahre in der Regionalverwaltung gearbeitet. Dann habe ich fünf Semester Sprache und Literatur im Norden unseres Landes studiert. Im Alter von 27 Jahren entschloss ich mich, in Aachen ein neues Studium mit Romanistik und Politik aufzunehmen, weil ein Verwandter von mir dort lebte.

Sind Sie mit dem Flugzeug gekommen und alleine oder wer war bei Ihnen? Wie viel Gepäck hatten Sie dabei?

Gakwasi: Ja, mit dem Flugzeug und alleine. Ich hatte ein Gepäckstück dabei.

Wie war das am Anfang für Sie in Deutschland?

Gakwasi: Es war Juni, das Wetter war traumhaft, die Menschen fröhlich und freundlich. Ich wurde herzlich aufgenommen. Meine Erfahrungen waren durchweg positiv.

Wie war es mit der Sprache, wie haben Sie sich verständigt?

Gakwasi: Das war sehr schwer für mich. Ich hatte immer ein kleines Wörterbuch dabei, um Wörter, die ich nicht verstand, nachzuschlagen. Dank meines Studienvisums konnte ich sehr schnell einen Deutschkurs belegen.

Was muss der Leser sich unter einem Studienvisum vorstellen? Wo bekommt man dieses? Welchen Abschluss haben Sie in Aachen gemacht?

Gakwasi: Wenn ein Ausländer einen Studienplatz an einer deutschen Hochschule bekommt, muss er vor der Einreise bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung zunächst ein Studentenvisum beantragen. Nach der Einreise in Deutschland bekommt er einen Aufenthaltstitel zum Zweck des Studiums. Alle zwei Jahre muss dieser Aufenthaltstitel verlängert werden. In meiner Zeit war die Dauer des Studiums auf maximal acht Jahre begrenzt. Ich habe das Studium in sieben Jahren mit dem Magister geschafft.

Wie viele Sprachen sprechen Sie überhaupt?

Gakwasi: Ich spreche fünf Sprachen. Das sind neben Französisch, Deutsch und Englisch noch Kiswahili (die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas) und Kinyarwanda.

Wie haben Sie Ihr Leben in Deutschland zu Beginn finanziert?

Gakwasi: Am Anfang haben mich Verwandte finanziell unterstützt. Nachdem Besuch der Deutschkurse habe ich Arbeit in Fabriken gefunden und arbeitete teilweise neben dem Studium als „Hiwi“-Kraft an der Universität.

Wie ging es nach dem Magister weiter?

Gakwasi: Ich habe sechs Jahre an der Uni Französisch und Literatur unterrichtet. Seit knapp drei Jahren arbeite ich für die Caritas in der Flüchtlingsberatung und helfe Menschen, die freiwillig wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollen.

Wie vielen Menschen konnten Sie bereits helfen?

Gakwasi: Mittlerweile sind es Hunderte von Menschen, denen ich weiter helfen konnte.

Was unterscheidet das Leben in Deutschland zu Ruanda?

Gakwasi: Hier in Deutschland ist alles anders strukturiert. Es gibt zwar viel Bürokratie, aber diese schafft auch eine gewisse Ordnung.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt? Inwiefern?

Gakwasi: Ja. In Deutschland kann man eine gute Ausbildung machen und einen guten Job finden. Ich kann hier mit meiner Familie glücklich leben.

Wo haben Sie Ihre Frau kennengelernt?

Gakwasi: Sie war meine Nachbarin in Ruanda.

Haben Sie einen deutschen Pass?

Gakwasi: Ja.

Fühlen Sie sich in Deutschland sicher?

Gakwasi: Bisher ja.

Was machen Ihre Kinder und was macht Ihre Frau?

Gakwasi: Mein Sohn besucht die Grundschule, meine Tochter geht derzeit in den Kindergarten, und meine Frau arbeitet momentan noch zu Hause und versorgt die Familie.