Helene-Weber-Haus: Im Näh- und Flickcafé wird repariert

Helene-Weber-Haus : Reparieren statt wegschmeißen lautet die Devise im Näh- und Flickcafé

Die Hose muss nicht in die Tonne, nur weil sie einen Riss hat. Alte Hemden, versehen mit neuem Kragen und neuen Manschetten, können weiter getragen werden. Das lernen die Besucher des Näh- und Flickcafés in gemütlicher Atmosphäre.

Wer kennt das nicht? Die Hose muss gekürzt werden oder braucht einen neuen Reißverschluss. An der Bluse müssen die Knöpfe neu angenäht werden. In früheren Zeiten erledigten solche Arbeiten die Mütter zu Hause. Heutzutage ist die Standardlösung meist, das beschädigte Teil wegzuschmeißen und ein neues Kleidungsstück zu kaufen.

Aber was tun, wenn es ausgerechnet die Lieblingshose oder das Lieblingskleid trifft? Dann nimmt man es und geht freitags zwischen 9 und 12 Uhr ins Näh- und Flickcafé des Helene-Weber-Hauses.

Unter fachlicher Anleitung können die Frauen ihre Änderungen und Flickarbeiten hier selbst vornehmen. In netter Runde fällt ihnen das Arbeiten leicht und führt zu einem schnellen Erfolgserlebnis. Das Angebot besteht seit zwei Jahren und wird sehr gut angenommen. Zudem ist es kostenlos und bedarf keiner Anmeldung. Thi Kim Thoa Nguyen-Brandt ist die Leiterin dieses Näh- und Flickcafés, bei dem der Kaffee erst am Ende nach getaner Arbeit getrunken wird.

Sie ist gelernte Damenschneiderin. Ihr Vater war Herrenschneider in Vietnam und hat ihr in jungen Jahren schon die Grundkenntnisse vermittelt. Seit 33 Jahren lebt Kim in Deutschland und machte in Neuss eine Schneiderlehre. Im Helene-Weber-Haus arbeitet sie seit vier Jahren und ist mit Leib und Seele bei der Sache. Wichtig bei ihrem Tun ist für sie die Nachhaltigkeit. Sie möchte der nicht mehr benötigten Kleidung ein zweites Leben geben.

Alma Bastamy arbeitet an einer der Nähmaschinen. Foto: Marie-Luise Otten

Die Hose muss nicht in die Tonne, nur weil sie einen Riss hat. Alte Hemden, versehen mit neuem Kragen und neuen Manschetten, können weiter getragen werden. Aus verwertbaren Stoffteilen lassen sich preiswerte, neue, bunte Upcycling-Produkte herstellen.

Der Profi hilft zum Beispiel beim Versetzen der Abnäher, weil die Brustweite sich vergrößert oder verkleinert hat, oder mit dem Schnitt, der an die eigene Taille angepasst werden muss. Neben dem Ausbessern der Lieblingskleidungsstücke fertigen einige Damen auch Wohnaccessoires an, seien es neue Kissenhüllen für das Sofa, Gardinen für das Bad oder neue Taschen aus alten Jeans.

Andere lernen erst einmal das Maßnehmen und Zuschneiden, heften mit Stecknadeln Stoffe übereinander, reihen das Ganze mit einer Handnähnadel und nähen die Teile dann auf der Nähmaschine zusammen.

Anfängerinnen und Fortgeschrittene sind gleichermaßen willkommen. Es ist ein stetes Kommen und Gehen, nicht alle bleiben die vollen drei Stunden. Wer möchte, kann seine eigene Nähmaschine mitbringen oder benutzt eine der vielen vor Ort. Ganz nebenbei lernen die Damen Wissenswertes zu Schnittmustern, Stichen und Nähten und den richtigen Umgang mit der Nähmaschine kennen.

Neben der „Hilfe zur Selbsthilfe“ bietet das Näh- und Flickcafé den Menschen mit Migrationshintergrund an, das Sprechen der deutschen Sprache zu üben, und leistet damit einen nachhaltigen Beitrag für die Integration in der Gesellschaft.

Mittlerweile hat sich eine kleine Stammgemeinschaft gebildet, die regelmäßig erscheint. Aber es kommen immer wieder auch neue Gesichter dazu, die etwas zu ändern und zu flicken haben oder auch etwas Neues schneidern wollen. Für Mütter mit Kleinkindern gibt es sogar eine Kinderbetreuung.