Stolberg: „Heiraten ist immer ein Risiko“: Pfarrer muss den Liebhaber spielen

Stolberg: „Heiraten ist immer ein Risiko“: Pfarrer muss den Liebhaber spielen

An einem kühlen Novemberabend herrscht eine ausgelassene Atmosphäre in der Martin-Luther-Kirche in Brand. Das Evangelische Gemeindezentrum ist so gut besucht, dass zusätzliche Stühle organisiert werden müssen. Und das ist der Theatergruppe der Kirche zu verdanken. Denn die theaterbegeisterten Laienspieler sind inzwischen so bekannt, dass die Besucherreihen schnell gefüllt sind. In diesem Jahr steht eine Kriminalkomödie von Saul O‘Hara auf dem Plan: „Heiraten ist immer ein Risiko“.

Dort, wo sonst Gottesdienste stattfinden, herrscht nun das rege Treiben einer englischen Strandpromenade. Der „fähigste Kommissar Englands“ setzt sich vor seiner Pensionierung das Ziel, „die beiden fähigsten Mörder Englands“ zu fassen. Mit ganz viel gutem alten britischen Humor wird der „Zweck der Ehe“ diskutiert — es kommt zum Zusammentreffen von hartnäckigen Junggesellen, Jungvermählten und hoffnungslos Verliebten.

Dabei liegt der Humor nicht nur im Stück begründet — die Schauspieler selbst lassen es sich nicht nehmen, auf Zwischenrufe des Publikums spontan und humorvoll zu reagieren.

Lebhafte Interaktion

Der Wortwitz und die lebhafte Interaktion führen zu einer gewissen Leichtigkeit. Da wird deutlich, was die vor 16 Jahren von Pfarrer Uwe Loeper von der Evangelischen Kirchengemeinde und Roswitha Rienäcker ins Leben gerufene Theatergruppe vor und hinter der Bühne macht: mit Engagement und „Spaß an der Freude Theater spielen“, wie Uwe Loeper treffend beschreibt. Und da kann Engagement auch einmal bedeuten, für die Rolle ein paar Kilo abzunehmen.

Die zwölfköpfige Privatgruppe beginnt jedes Jahr nach den Sommerferien mit den Proben eines neuen Stücks. Unterstützt wird sie von bis zu 40 ehrenamtliche Helfern: Von Jung bis Alt wissen sich die Gemeindemitglieder mit Freu­de einzubringen — sei es beim Bühnenaufbau oder in der Küche.

Bunt gemischt ist auch das Publikum: Sowohl ältere Menschen, die sich vom tristen Herbstwetter ablenken möchten, wie auch jüngere Interessierte verfolgen das Geschehen. Genau dies ist das Ziel der Mitwirkenden, wie Roswitha Rienäcker und Uwe Loeper ein wenig stolz erklären: Sie möchten allen Menschen aus der Umgebung ermöglichen, „im kleinen Rahmen am kulturellen Leben teilzunehmen“.

Um nicht zuletzt ein Element des Gemeindeaufbaus zu sein und alle Leute — auch außerhalb der Kirche — anzusprechen, ist der Eintritt kostenlos, wie Uwe Loeper hervorhebt. Es bleibt den Besuchern selbst überlassen, ob sie eine Spen­de hinterlassen möchten. Wie Uwe Loeper verrät, wird auch dieses Jahr neben der Kostendeckung wieder die Spende des Restbetrags an soziale Projekte möglich sein.

Nachdem die letzte Aufführung abgeschlossen ist, blicken die Beteiligten etwas traurig auf die sieben Aufführungen dieses Novembers zurück. Das gemeinsame Theaterspielen ist vorerst vorüber — und damit verblasst der Ruhm der seit 1996 vereinten evangelischen und katholischen Christen, die immerhin schon nach Autogrammen gefragt wurden. Das gilt allerdings nur bis zum nächsten November.

Für die Zukunft hoffen die Mitwirkenden, auch junge Menschen für das Theaterspielen begeistern zu können — dann müsste auch nicht immer Pfarrer Loeper aufgrund seines Alters als jüngerer Liebhaber einspringen.

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