Heinrich-Böll-Platz verliert Parkplätze

Heinrich-Böll-Platz verliert Parkplätze : Diese „Planung ist ein gelungener Kompromiss“

„Kompromiss“ nennt Rolf Engels das, was für den Heinrich-Böll-Platz geplant ist. Heute ist dieser Teil des Oberstolberger Marktes in erster Linie ein gut genutzter und umgeschlagener Parkraum. Zukünftig erhalten soll er mehr Aufenthaltsqualität.

Dies kann nur zu Lasten des Parkplatzangebotes gehen. Darin sind sich die meisten Fraktionen des Rates, Verwaltung und Planungsbüro einig.

Nur die Linken werden am Ende der Sitzung des Ausschusses mit Nein die weiteren Planungen ablehnen. Weil ihnen das alles „zu konfus und konträr ist“, wie Gabi Halili ausführte. Auf den Heinrich-Böll-Platz kommen Haltebügel für Fahrräder, aber durch die Stadt werde kein Fahrradweg gebaut, argumenierte die neue Fraktionsvorsitzende der Linken. Und handelte sich prompt den Widerspruch von Siegfried Pietz und Tobias Röhm ein. Der CDU-Vize und der Technische Beigeordnete erläuterten noch einmal komplett die Eckpunkte des Mobilitätskonzeptes mit weiteren Radstationen bis hinunter zum Hauptbahnhof mit Verweis auf die Anordnung von Tempo 30 auf der Rathausstraße.

Halili monierte zudem, dass zwei weitere Bäume gefällt und neue gepflanzt werden sollen. Ob das so genau kommen wird, werde von der Lage der Versorgungsleitung im Boden und der Buskaps abhängen, was sich im Rahmen der Detailplanung erst genau klären werde, erläuterte Hiltrud Lintel vom Düsseldorfer Büro Scape, das auch die Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes betreut. Der Oberstolberger Markt soll nach der Umgestaltung wie aus einem Guss wirken.

Während im Bereich Willy-Brandt-Platz durch die Verlagerung zur Geschäftsseite der Zweifaller Straße alle bestehenden Parkplätze erhalten bleiben, reduziert sich die Anzahl auf dem Heinrich-Böll-Platz von heute 34 auf zukünftig 22 plus je zwei Behinderten- und E-Mobil-Stellplätze; hinzu kommen 18 Fahrradparkplätze. „Eine vertretbare Lösung“, brachte Rolf Engels die Mehrheitsmeinung auf den Punkt, auch wenn alle ja doch lieber mehr Parkplätze gesehen hätten. Aber dann habe der Platz ja für mehr Freiraum nicht mehr ausgereicht. Dieses mehr an Aufenthaltsqualität hätten die Bürger bei der Planungswerkstatt schließlich auch eingefordert. „Es ist eine runde Sache“, lobte Siegfried Pietz. 

Erste Mehrkosten 

Ein kleiner runder Trinkwasserbrunnen, eine neue Roteiche umgeben von einer Sitzbank bilden zukünftig die einzigen Elemente des nördlichen Platzbereiches, den ein anspruchsvoller – vermutlich mit kupferfarbenen Applikationen gestalteter – Busunterstand zur Straße hin einrahmen wird. Die beiden Parkplatzfelder im südlichen Platzbereich werden mit hüfthohen Hecken eingerahmt.

Leuchtstelen, Abfalleimer, Bänke, Fahrradbügel und eine Auswahl vieler rotblättriger Pflanzen, ähnlich der Qualität der am Bastinsweiher verwendeten Möblierung, sollen für weiteres Flair sorgen.

Als Clou aber wird die Vichtbachpromenade gehandelt: ein Weg entlang der Bachufermauer mit einigen Sitzbänken. Noch etwas hadert die Politik mit dem angedachten Highlight: Ein Teil des Brüstungsmauerwerks soll durch eine große Glasplatte ersetzt werden: Aber das sogenannte „Fenster zur Vicht“ wird mit 25.000 Euro zusätzlich kalkuliert. Zudem fehlt noch die Zustimmung der Unteren Wasserbehörde, während der Wasserverband Eifel-Rur bereits seine Zustimmung zu diesem Kompromiss gegeben habe. Abgelehnt hatte er aus Gründen des Hochwasserschutzes eine einfachere und vermutlich auch preiswertere Lösung: ein Gitter als Absturzsicherung in der geöffnten Balustrade.

Immerhin schlägt bereits die vorgeschlagene zusätzliche Beleuchtung der Bachufermauer mit weiteren 50.000 Euro zu Buche. Während im Integrierten Handlungskonzept die Gesamtkosten für die Herstellung des Willy-Brandt-Platzes noch mit 1.133.800 Euro benannt werden, beziffert Hiltrud Lintel die Kosten des Konzeptes mit 1,33 Millionen Euro brutto; hinzu kämen weitere 110.000 Euro netto Mehrkosten für Bachfenster und weitere kleinere Details.

Nach dem mehrheitlichen Ja des Ausschusses wird die Verwaltung Konzept und Kostenrechnung in diesem Jahr zur Förderung anmelden. Bei positivem Bescheid könnte 2021 die Umgestaltung laufen, weil im Vorjahr der Willy-Brandt-Platz Baustelle ist.

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