Heimat- und Geschichtsverein Stolberg lädt Guido Büren zum Vortrag

Spannendes aus alten Tagen : Vortrag zu Burgen und Schlössern beim Heimat- und Geschichtsverein Stolberg

Mit dem Vortrag „Burgenbau und Hofhaltung der Herzöge von Jülich im 14./15. Jahrhundert“ beschäftigte sich Historiker Guido von Büren und stellte die Jülicher Residenzen Nideggen, Kaster und Hambach vor.

Werner Schindler begrüßte den Gast im Namen des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins im wunderschönen Kupferhof Rosental, wo zahlreich Interessierte versammelt waren, um sich für die im Mai stattfindende Exkursion nach Hambach und Kaster einzuhören.

Das nördliche Rheinland ist eine burgenreiche Region mit wenigen hohen, aber vielen flach gelegenen Burgen. Während im Mittelalter Burg (=Berg) und Schloss synonym verwendet wurden, haben die Begriffe heutzutage eine andere Bedeutung. Eine Burg ist ein wehrhafter trutziger Bau im Gegensatz zum repräsentativen und komfortablen Schloss, so der Referent und verwies dann auf die landesherrlichen Bauten der Herzöge von Jülich.

Von Kleve bis zur Eifel reichte das flächendeckende Netz von belegbaren Anlagen. Die Jülicher Landesburgen erstreckten sich von Brüggen bis nach Münstereifel und wurden irgendwann Amtsverwaltungen, dem allerdings eine prozessuale Entwicklung voranging. Insgesamt gibt es 144 Burganlagen im gesamten Gebiet sowie 1500 Rittersitze, von denen 482 Anlagen dokumentiert sind.

1304 starb Walram von Kessel und mit ihm das einst bedeutsame Grafengeschlecht. Sein Vermögen fiel durch Erbschaft an die Herzöge von Jülich, die schon eine territoriale Macht im südlichen Niederrheinraum innehatten, und jetzt neue Lehensnehmer von Brüggen wurden. Den in Jülich ansässigen Vögten, die dem Erzbistum von Köln unterstanden, war es bereits gelungen, ihren Besitz auf das direkte Umland des aus einer römischen Siedlung hervorgegangenen Ortes auszudehnen. Ihre Stammburg, die nur noch als künstlich aufgeworfenener „Motten“-Hügel erkennbar ist, lag an der Rur und wurde im 13. Jahrhundert zerstört. Zwischen den Flüssen Wurm im Westen (Grenze zum Herzogtum Limburg) und Erft im Osten (Grenze zu Köln) bauten sie nach und nach ihre territorialen Rechte aus, wobei die Wasserkraft der Rur in der fruchtbaren Jülicher Börde von entscheidender Bedeutung war. Wegen ihres schwankenden und flachen Wasserstandes war sie jedoch nicht für den Antrieb der Mühlen geeignet. Dafür wurden sogenannte „Teiche“ (kein stehendes Wasser) von der Rur abgezweigt. Wichtig war für die Grafen, dass sie möglichst zusammenhängende Gebiete am Fluss besaßen, um entsprechend lange Teiche anlegen zu können. Die Erzbischöfe von Köln sahen in den Jülicher Grafen treue Verbündete gegen die Herzöge von Limburg.

Mit dem Graf Wilhelm IV. änderte sich diese Haltung. Es kam zum Bruch mit Köln und zu einem jahrzehntelangen Ringen um die Macht links und rechts der Rur, wobei die Jülicher Grafen am Ende die Oberhand behielten. Jülich blieb zwar das bedeutende Zentrum, aber da die kastellartige Burganlage zerstört worden war, wurde die neue Residenz der Grafen die Burg in Nideggen. Den Höhepunkt des Ausbaus erfuhr die Burganlage unter Graf Wilhelm V., dem in der Mitte des 14. Jahrhunderts der Aufstieg von der Markgrafschaft zum Herzogtum gelungen war. Die oberen Geschosse des gewaltigen Burgfrieds, auch Jenseitsturm genannt, sollen aus dem Abbruchmaterial der Burg Bergstein errichtet worden sein. Mit der Übersiedlung des Kollegiatstifts aus Stommeln, das aufgrund der mittlerweile seliggesprochenen Territorialheiligen Christina Bruso (Christina von Stommeln) entstanden war, erhielt die Burgsiedlung eine weitere Aufwertung.

Bald zeichnete sich aber ab, dass die Höhenburg in Nideggen für Herzog Wilhelm nicht mehr das geeignete Herrschaftszentrum darstellte.Erst mit Herzog Gerhard (1437-1475 regierend) erlebte Nideggen noch einmal eine Wiederbelebung durch die Gründung des Hubertus-Ritterordens. 1542 wurde die Burg Nideggen im Geldrischen Krieg stark zerstört und nicht wieder vollständig aufgebaut, sondern diente als Amtsitz. Unter den Herzögen Wilhelm II (1361-1393) und Wilhelm III (1393-1402) wurde Kaster zum Zentrum des Herzogtums Jülich, weil die Herzogtümer Geldern, gelegen am linken Niederrhein, und Jülich seit 1371 in Personalunion regiert wurden.

Für die Herzöge bildete Kaster (bei Bedburg) einen günstigen Ausgangspunkt für regelmäßige Reisen durch ihr südlich gelegenes Territorium Jülich, und es war nicht weit nach Köln. Auch wenn es nur noch spärliche Reste zu sehen gibt, weil die Burg 1648 endgültig zerstört wurde, ist Kaster heutzutage zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. 1542 wurde die Burg im Geldrischen Krieg durch kaiserliche Truppen zerstört und 1550 unter dem italienischen Architekten Alessandro Pasqualini wieder aufgebaut. So soll der große Turm aus Backstein gewesen sein, weil die Ziegelherstellung ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wieder eingeführt wurde und das Problem des Natursteinmangels aufhob. Der Wirtschaftshof des ehemaligen Schlosses war der Sitz des Rentmeisters, dessen zentrale Rechnungsbelegungen die Einnahmen und Ausgaben aus dem Jahr 1398/99 gegenüberstellte. Da die Ausgaben wesentlich höher waren als die Einnahmen und die Burg bald nur noch eine Dauerbaustelle war, zogen es die Herzöge im 15. Jahrhundert vor, ihr Residenzschloss nach Hambach zu verlegen. Hambach lag in einem ausgedehnten Waldgebiet, das den Herzögen einen hervorragenden Jagdgrund bot und somit der Höhenburg Nideggen den Rang ablief. Dieser größte zusammenhängende Laubwald Westeuropas war noch bis vor wenigen Jahrhunderten intakt, ehe er bis auf einen kläglichen Rest für den Braunkohletagebau Hambach gefällt wurde.

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