Stolberg: „Hand in Hand für Syrien“ in der Kupferstadt gefeiert

Stolberg: „Hand in Hand für Syrien“ in der Kupferstadt gefeiert

Syrien — das liegt ihrem Herzen so nahe wie anderen Stolbergern Büsbach, Münsterbusch oder Donnerberg. Und darum fühlten sich Muslime vor allem arabischer Herkunft vom Bürgerkrieg im Land des Diktators Assad dazu motiviert, zur Linderung der Not von Flüchtlingen und anderen Opfern in die Stadthalle einzuladen — und das nicht zum ersten Mal.

Es war die zweite Gala, zu der die Initiatoren um die Jugendgruppe des Islamischen Zentrums (IZ) am Aachener Westbahnhof am Samstag in die Stadthalle eingeladen hatten. Ganze Familien, die Frauen überwiegend (aber nicht nur) mit langem Mantel und Kopftuch, die Männer oft mit sorgsam getrimmtem Bart, folgten der Einladung. Und sie kamen nicht nur aus der Region Aachen, wo sich durch die Technische Hochschule und das IZ ein gewisser Schwerpunkt in der Emigration aus Syrien gebildet hat, sondern auch aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Belgien und Frankreich.

Beworben hatten die Ausrichter ihre Veranstaltung, wie Gala-Moderatorin Ayicha Hawari im Gespräch erklärte, „in allen arabischsprachigen Medien“. Auch das Motiv, das sie und ihre Mitstreiter aktiv werden ließ, benannte die Muslima deutlich: „Wir wollten nicht länger zuschauen.“

Der Mobilisierungseffekt der Gala ließ sich nicht verleugnen: Ganze Gruppen nutzten am Samstag die Züge der Euregiobahn oder ihr eigenes Auto, machten vor der Stadthalle die Identität ihrer ethnischen Gruppe sichtbar und setzten schon so ein Zeichen. Fast jede Gruppe trug Schüssel oder ein ähnliches Gefäß mit süßen oder herzhaften Köstlichkeiten mit sich — denn Gastfreundlichkeit und gemeinsames Essen sind wichtig im Orient. Und so wurde der Vorraum zu den Emporen im Obergeschoss der Stadthalle je nach Gusto zur Garküche oder zum Café, wo sich die Gerüche mischten.

Ob es den Organisatoren 2013 gelungen ist, die 1200-Besucher-Marke der Gala im Vorjahr zu toppen, steht noch dahin. Der Zuspruch der Männer und Frauen jedenfalls, die — je später der Nachmittag desto intensiver — durch den Eingang strömten, nahm sich jedenfalls sehr ansehnlich aus. Das Klima im Inneren war vom Islam, der mit 71 Prozent Anteil führenden Religion Syriens, bestimmt — mit Blick auf die Organisatoren kein Wunder.

Koran-Rezitationen bildeten einen wichtigen Bestandteil des Programms. Viele Persönlichkeiten wie der Aachener Professor Issam El-Attar und Scheich Mouaz El-Khatib gehören zum dezidiert religiösen Spektrum der Gesellschaft. Selbst bei der Hintergrundmusik, die zu Beginn — die Gala begann mit rund eineinviertel Stunde Verspätung — lief, klangen immer weder Anrufungen Allahs durch.

„Hand in Hand für Syrien“ wurde getragen von Menschen, für die ihre Religion im Mittelpunkt steht — im Exil ebenso wie in ihrer Heimat. Das gilt auch für den „Sänger der syrischen Revolution“, wie ihn Ayicha Hawari vorstellte: Yahya Hawa artikuliert das Lebensgefühl seiner Zuhörer mit lyrischen Tönen. Selbst die Bildende Kunst fehlte nicht: Mit einer Auktion von selbst gemalten Bildern warb ein Kreis von Auktionatoren zusätzliche Mittel für Landsleute in Not ein. Immer wieder spürbar wurde das Bemühen, ganz konkret zu helfen — wie bei Jamal Sobeh, seines Zeichens Psychologe an der TH Aachen, der die verwundeten Seelen von durch die bewaffneten Auseinandersetzungen traumatisierten Kindern zu heilen trachtet.

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