Junge Frau vor Wohnungstür überfallen: Haft mit Sicherungsverwahrung für Vergewaltiger

Junge Frau vor Wohnungstür überfallen : Haft mit Sicherungsverwahrung für Vergewaltiger

Weil er eine junge Frau vor ihrer Wohnungstür überfallen hatte, wurde Alen L. am Freitag vor dem Landgericht Aachen wegen versuchten Raubes zu mehrjähriger Haft verurteilt. Im Anschluss bleibt der wegen Vergewaltigungen Vorbestrafte in Sicherungsverwahrung.

Der „geübte Räuber“, so erklärte es der Vorsitzende Richter der 6. Großen Strafkammer Matthias Quarch in seiner Urteilsbegründung, hatte einen Tipp von Komplizen bekommen, wonach in der Wohnung der 24-jährigen Frau in Stolberg-Büsbach Goldschmuck versteckt sei. Was freilich nicht der Wirklichkeit entsprach.

Der Angeklagte habe „hoher krimineller Energie“ an jenem Abend des 19. Novembers 2018 gegen 20 Uhr sein Opfer bis in ihre Wohnung verfolgt. Zunächst war er am Mühlener Bahnhof zu ihr in den Bus gestiegen, hatte sogar ein wenig mit ihr geredet. Dann setzte er sich in ihre Nähe.

In Büsbach stieg er hinter ihr aus und ging dreist mit ihr in das Mietshaus. Als sie ihn darauf ansprach, behauptete er, er suche einen bestimmten Bewohner und ging an ihr vorbei ein Stück weiter hoch ins Treppenhaus. Als sie ihre Wohnungstür aufgeschlossen hatte, kam er blitzartig wieder herunter und überfiel sie. Er hielt ihr im Flur den Mund zu und drohte: „Ich bringe dich um, wenn du schreist!“

Doch wie in einem Action-Film brachte die laut Quarch „zierliche junge Frau“ den kräftigen Angreifer im Wohnungsflur zu Fall. Das gelang ihr, weil sie seit Jahren Unterricht in Kampfsport genommen hatte und anscheinend instinktiv den richtigen Griff angesetzt hatte. Der Sturz der beiden sei als dumpfer Aufschlag hörbar gewesen, der die Nachbarn im Haus alarmiert habe. „Der Angreifer“, so der Vorsitzende in der Urteilsverkündung, „sah keine Chance mehr, seine Tat zu verwirklichen“. Er flüchtete aus dem Haus.

Dass Alen L. als Täter ermittelt werden konnte, lag daran, dass die als Opfer ausgewählte junge Frau nicht nur gute Nahkampfreflexe hatte, sondern auch ein ebenso gutes Erinnerungsvermögen. Sie erinnerte sich, dass der Angreifer vor der Busfahrt noch am Mühlener Bahnhof eine filterlose Zigarette geraucht und sie vor dem Einsteigen weggeschnippt hatte. Die Polizei fand den Stummel – und daran die DNA von Alen L., der vorher bereits in Düsseldorf ein junges Mädchen in einer S-Bahn bedroht und versucht hatte, sie in der Zugtoilette zu vergewaltigen. Dafür war er bereits von einem Düsseldorfer Gericht zu einer dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. So fand sich seine DNA in der Datenbank.

Nach Ansicht von Staatsanwältin Pascale Schlimm hätte der in seiner Heimat Serbien und in Deutschland mehrfach wegen Vergewaltigungen und wegen eines versuchten Mordes vorbestrafte Täter denn auch nicht wegen eines Raubversuches verurteilt werden sollen, sondern wegen versuchter Vergewaltigung.

Das Aachener Gericht kam wegen der von Alan L. in Deutschland und in Serbien begangenen Taten zu der Auffassung, dass der Angeklagte einen verbrecherischen Hang habe und eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Die Kammer verhängte deshalb im Anschluss an die vierjährige Haft die Sicherungsverwahrung. Das kann bedeuten, dass der Verurteilte nach dem Absitzen seiner eigentlichen Haftstrafe nie wieder in Freiheit kommt.

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