Aachen: Grünenthal baut weltweit 360 Stellen ab

Aachen: Grünenthal baut weltweit 360 Stellen ab

Das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal steht vor massiven personellen Einschnitten: Bis Ende 2013 sollen nach Auskunft des Betriebsrates 360 Vollzeitstellen im Gesamtkonzern abgebaut werden. Davon betroffen sind rund 450 Mitarbeiter.

In Deutschland, also in der Aachener Zentrale und am Standort Aachen-Oberforstbach, geht es um 220 Vollzeitstellen, was in etwa 270 Mitarbeitern entspricht. Die Unternehmensleitung informierte heute die Belegschaft im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung über die Pläne.

Die Stellen sollen demnach in den Bereichen Verwaltung, Produktion und Service abgebaut werden. Hinzu kommt die zweite Phase in der Schließung des Produktionsstandortes Stolberg, von dem weitere 66 Mitarbeiter betroffen sind. Die Maßnahmen laufen unter der Überschrift „Lean Admin”; mit dem Projekt sollen laut Betriebsrat die Verwaltungskosten im Unternehmen von 104 auf 80 Millionen pro Jahr heruntergeschraubt werden.

Vorstandschef Harald F. Stock kündigte an, in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat „bestmögliche Lösungen” für die betroffenen Mitarbeiter zu entwickeln. Von Entlassungen sei auszugehen.

Grünenthal will ab 2013 Einsparungen von jährlich 57 Millionen Euro erzielen und die Verschlankung des Unternehmens und die Konzentration auf Schmerzmittel konsequent fortgeführten. Außerdem laufen die Patente für einzelne Schmerzpräparate aus, billigere Nachahmerprodukte werden dann auf den Markt drängen. Diese Umsatzeinbrüchen will die Unternehmensleitung durch die Sparmaßnahmen ausgleichen. Die Einsparungen sollen reinvestiert werden: in die Forschung und die Erschließung neuer Märkte vor allem in den USA und in Brasilien. Nur so könne der Fortbestand als selbstständiges Unternehmen gesichert werden.

Der Betriebsrat hat Widerstand vor allem gegen den Abbau der Stellen im Servicebereich, also bei Reinigungskräften, dem Werksschutz oder im Marketing, angekündigt, da diese Stellen ausgegliedert werden sollen. Dies sei Aktionismus, kritisierte Betriebsratschef Karl-Josef Matthias. Gegen einen sozialverträglichen Abbau von Stellen in den Bereichen Verwaltung und Produktion will sich die Arbeitnehmervertretung hingegen nicht grundsätzlich sperren.