Gründung einer Einkaufsgenossenschaft

Regionetz tauscht Messstellen aus : Digitale Zähler erobern die Haushalte

Die Regionetz GmbH, der gemeinsame Netzbetreiber der Stolberger EWV und Aachener Stawag, möchte durch die Gründung einer Einkaufsgenossenschaft mit weiteren Versorgungsunternehmen in der Region Geld sparen.

Geld sparen durch die Gründung einer Einkaufsgenossenschaft mit weiteren Versorgungsunternehmen in der Region möchte die Regionetz GmbH, der gemeinsame Netzbetreiber der Stolberger EWV und Aachener Stawag. In diesen Wochen wandert die Gründung der „OneMeetering eG“ durch die Ratsgremien der kommunalen Anteilseigner.

Ziel der Genossenschaft ist „nicht die Gewinnerzielung, sondern eine  Bündelung des Einkaufsvolumens“, betont Axel Kahl. Die Aufgaben dabei werden durch das vorhandene Personal erledigt. Anlass zu diesem Vorstoß ist der anstehende Austausch von Zählern und Messstellen in erheblichem Umfang, erklärt der Geschäftsführer der Regionetz.

Tausch Tausender Messtellen

Allein im Jahr 2021 muss der Netzbetreiber 25.000 Stromzähler, 10.000 Gaszähler und knapp 9000 Wasserzähler für den Großraum Aachen neu beschaffen. Hinzu kommt das Volumen der Enwor, der Alliander Netz Heinsberg und der Jülicher Stadtwerke, die sich ebenso in der Genossenschaft engagieren wollen wie die Regio IT, die durch ihre Mitgliedschaft in einer Einkaufsgenossenschaft für kommunale Informationstechnologie bereits über Erfahrungen mit einem ähnlich gelagerten Beschaffungsmodell verfügt.

Die analogen Ferraris-Zähler (l.) weichen digitalen Messstellen. Foto: Regionetz GmbH

Den aktuellen Anlass zu einem solchen Zusammenschluss liefert der Gesetzgeber. Mit Regelungen zum Betrieb von Messstellen innerhalb des „Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewenden“ forderte er, alle Stromzähler ab 2017 innerhalb von 16 Jahren gegen moderne Mess­einrichtungen auszutauschen. Der digitale Stromzähler bereitet den altbekannten Ferraris-Zählern den Garaus.

In jüngerer Zeit hat die Regionetz bei Neubauten zwar bereits die digitalen Messstellen installiert, aber die analogen schwarzen Gehäuse mit ihrer markant drehbar gelagerten Aluminiumscheibe hängen noch in 90 Prozent der Haushalte, sagt Kahl. Mit ihnen kann man zwar problemlos den Stromverbrauch manuell ablesen, aber sie haben aus Sicht des Gesetzgebers den Nachteil, dass sie in Kombination mit einem „smart-Meter-Gateway“ die Daten nicht digital übermitteln können.

Regionetz-Geschäftsführer Axel Kahl setzt auf die Genossenschaft, um die Messstellen zu einem günstigen Preis beziehen zu können. Foto: Jürgen Lange

Die modernen digitalen Messstellen bieten darüber hinaus den Vorteil, dass Stromverbrauch und -einspeisung durch eine möglicherweise betriebene Photovoltaikanlage mit einem Gerät behandelt werden können. Und dem interessierten Nutzer zahlreiche Details zu seinem alltäglichen Strommanagement. „Aber das ist eher ein Angebot für Spezialisten als für den normalen Haushalt“, sagt Kahl. Für den Kunden ändere sich durch den absehbaren Austausch erst einmal nichts.

Es sei denn, er verbraucht im Jahr mehr als 6000 kW/h. Dann wird er seinen Verbrauch auch automatisch digital übermitteln müssen. „Das wird natürlich für normale Haushalte auf Wunsch machbar sein“, so Kahl weiter.

Etwa acht Euro teurer

Spürbar wird sich der verordnete digitale Fortschritt allerdings im Portemonnaie auswirken, da der Messpreis heute wie in der Zukunft zu 99 Prozent im Strompreis der Vertriebsunternehmen integriert ist. Im Vergleich zum Ferraris-Zähler mit aktuell 11,25 Euro Gebühr pro Jahr wird sie für das neue Gerät voraussichtlich um etwa acht Euro teurer ausfallen – was letztlich auch vom Einkaufspreis abhängen wird.

Hier setzt der Gedanke der geplanten Einkaufsgenossenschaft an. Je größer die zu bestellende Menge ist, desto günstiger wirkt sich das auf den Preis und die Verfügbarkeit aus. Aufgrund des Volumens wird die Ausschreibung ohnehin europaweit erfolgen müssen.

Die Regionetz kalkuliert damit, dass die Genossenschaft etwa zwei Drittel der Zähler für sie beschaffen wird. Dabei bündelt die Genossenschaft die von den einzelnen Netzbetreibern und Energieversorgern georderte Geräte in einer Bestellung.

Dabei sollen Modelle unterschiedlicher Hersteller beschafft werden, um etwaigen Lieferengpässen oder Qualitätsmängeln einzelner Chargen einfacher begegnen zu können. Zudem werde im kommenden Jahr die Nachfrage deutlich steigen, wenn deutschlandweit alle Netzbetreiber die Geräte beschaffen müssen.

Dabei bietet die Gründung einer Einkaufs- und Kooperations-Genossenschaft die Perspektive, zukünftig weitere Aufgaben der einzelnen Mitglieder gemeinsam zu leisten. Beispiele wären eine Bündelung der Qualitäts- und Stichprobenprüfungen.

Theoretisch gäbe es noch weitere Gebiete, das erforderliche Arbeitsmaterial der Netzbetreiber, wie Leitungen, Muffen oder Kabel, gemeinsam zu beschaffen. „Davon sind wir leider noch weit entfernt“, gesteht Kahl ein. Die neue Regionetz sei noch dabei, die Standards der zuvor eigenständigen Netzbetreiber-Gesellschaften von Stawag und EWV zu harmonisieren. Aber auch auf diesem Gebiet kann die Zukunft Perspektiven eröffnen.

Stadtrat stimmt zu

Den Stadträten in Stolberg und Eschweiler hat diese Perspektive gefallen. Sie haben ihre Vertreter in den Gesellschafterversammlungen angewiesen, die Gründung der Genossenschaft positiv zu begleiten.