Stolberg: Große Resonanz auf Debold-Ausstellung

Stolberg: Große Resonanz auf Debold-Ausstellung

Er ist sich sicher gewesen, Stolberg sei genau der richtige Ort für eben diese Ausstellung. Und dabei bleibt Wolfgang Debold auch. Der Künstler war nicht nur bei der Vernissage seiner aktuellen „Artibus“-Sonderausstellung „Menschen mit außergewöhnlichen Körperformen“ zugegen, sondern in einer kompletten Woche der Kunstschau permanent vor Ort in der Burg-Galerie.

„Dabei bin ich mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, habe viel positive Resonanz erhalten“, sagt Debold. Die Ausstellung, welche die „außergewöhnlichen Körperformen“ von Contergan-Betroffenen hoch künstlerisch in Szene setzt, habe bei Besuchern das Bewusstsein für die „Normalitätsebene“ gefördert.

„Die außergewöhnlichen Körperformen wie meine gehören zur Realität und somit auch zur Normalität“, erklärt Debold. Aus den in der Ausstellung aufgezeigten Perspektiven hätten die meisten Leute das Thema Contergan noch nie gesehen, und seine „Werbekampagne“ sei erfolgreich gewesen. „Ich wollte nicht mit Modells mit Idealmaßen werben, sondern für Menschen mit außergewöhnlichen Körperformen. Das ist mir in vielen Fällen gelungen“, erklärt Debold. Ermutigende Rückmeldungen habe er auch bezüglich weiterer Ideen bekommen. Zunächst sei es ihm wichtig, dass die Gespräche zwischen Betroffenen und dem Unternehmen Grünenthal wieder aufgenommen werden.

„Dass Gespräche ins Stocken geraten, kommt vor, aber man sollte wieder miteinander reden“, meint Debold der für eine Kommunikation auf Augenhöhe einen neutralen Ort vorschlägt — in Stolberg. Er könne sich vorstellen, daran beteiligt zu sein, und betont: „Die Verursacher von Conterganschädigungen sind ja keine Unmenschen. Betroffene und Günenthal sollten miteinander umgehen können, da sie es eigentlich müssen, solange beide Seiten existieren.“

Auch den Umgang der Stadt und ihrer Bürger mit der Contergan-Thematik hat Debold ins Augenmerk genommen und regt eine Dokumentation an: „Da wir Menschen mit außergewöhnlichen Körperformen leben, ist das Thema kaum geeignet, totgeschwiegen zu werden.“ Eine dauerhafte Installation, welche die Geschichte und Gegenwart von Contergan und den Betroffenen dokumentiert, sieht Debold als Chance für Stolberg. „So könnte ein ehrlicher Umgang mit Contergan gefördert werden. Verleugnen lässt es sich ohnehin nicht, dass Contergan ein Kapitel ist, das in ihrer Stadt geschrieben wurde.“

Debold ist sich bewusst, ein solches Projekt müsse breit aufgestellt von vielen Menschen realisiert und getragen werden, sein Mitwirken als Designer biete er jedenfalls an.