Aachen/Stolberg: Grausame Szenen gefilmt: Täter aus Stolberg legen erstes Geständnis ab

Aachen/Stolberg : Grausame Szenen gefilmt: Täter aus Stolberg legen erstes Geständnis ab

Die beiden Angeklagten Rene M. (19) und Ali-Riza E. (21) aus Stolberg legten am Montag vor der 3. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht ein Geständnis ab. Sie hatten zu Beginn des zweiten Verhandlungstages auf Nachfrage des Kammer-Vorsitzenden, Richter Jürgen Beneking (mehr gehaucht als laut ausgesprochen) jene Taten gestanden, die ihnen die Anklage am ersten Verhandlungstag vorgeworfen hatte.

Demnach sollen sie in 25 Einzeltaten zwischen Februar und Oktober 2017 einen etwa zwei Jahre jüngeren Kumpel mit Worten erniedrigt, dann mit einem Messer bedroht, ihm sadistisch Verletzungen beigebracht und ihn sogar mit einer Deodorantdose vergewaltigt haben. Das seien schwere Vorwürfe, machte der Vorsitzende den beiden Stolbergern klar. Sie beide seien seit beinahe zehn Jahren „beste Freunde“, hatten sie angegeben. Auch das junge Opfer lebte in dem Haus in Stolberg Mitte, in dem Rene M. zu Hause ist und in dem sich die unglaublichen Praktiken abspielten, selbst ein weiterer, damals elfjähriger Junge, geriet in den Brutalitätsstrudel.

„Wir müssen dennoch Fall für Fall besprechen“, machte der Richter klar, dass ein generelles Geständnis nur ein erster Schritt sei. Doch eines wolle er dringend wissen, fragte Beneking die Angeklagten: Warum habt ihr das eurem Freund angetan?“ Vor allem da jener auch noch partiell geistig behindert erscheine. Sie hatten das Opfer nicht nur mit Worten und Beschimpfungen gedemütigt, sondern ihm mit glühender Shisha-Kohle Verbrennungen am Unterschenkel beigebracht. Es folgten Schläge ins Gesicht und auf den nackten Allerwertesten.

Was letztlich der Grund für die Taten war, berichteten die Angeklagten in völliger Naivität: „Wir haben erste Snapchat-Filme damals im Februar in unserem Account hochgeladen und gezeigt, das gab richtig Feedback“, meinte Rene M. beinahe schulterzuckend. Und dann sei es immer härter geworden, weil die Zuschauer im Netz das so gefordert hätten. Zunächst habe ihr Opfer, so berichteten sie, freiwillig mitgemacht. Dann aber wurde alles so schlimm, dass sich der Junge immer wieder heftig wehrte, es nutzte ihm nichts. „Man sah das auf den Filmen deutlich“, so Richter Beneking an, „das war dann nicht mehr freiwillig!“.

Die aktive Folterrolle dabei nahm Ali-Riza E. ein, Rene M. hielt die Kamera und filmte die grausamen Szenen. „Sie haben sie Taten aber gleichberechtigt durchgeführt“, so Beneking. „Ja, das sei zweifellos so gewesen, gestanden die Angeklagten und schilderten, wie alles „immer einen Schritt weiter“ ging. Die Vergewaltigung jedoch sei abgebrochen worden, versuchten sie die Anklage abzumildern. Am Nachmittag des zweiten Verhandlungstages wollte die Kammer der Sache auf den Grund gehen und sah sich einen Teil der gesicherten Videos an. Man tat das allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, hier habe der Persönlichkeitsschutz Vorrang vor dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Der Prozess wird am 20. August fortgesetzt.

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