Stolberg-Gressenich: Gräberfeld in Gressenich: Eintrag in die Denkmalliste beschlossen

Stolberg-Gressenich: Gräberfeld in Gressenich: Eintrag in die Denkmalliste beschlossen

Eine römische Siedlung in Stolberg: Solch ein Fund ermöglicht neue wissenswerte Details über die römische Welt und wertet die geschichtliche Bedeutung der Stadt auf. Allerdings bringt der Fund auch einige bürokratische Hürden mit sich.

Länger bekannt

Für Wolfgang Wegener vom Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn ist ein solcher Eintrag in die Denkmalliste „ein ganz normaler Vorgang”. Von derartigen archäologischen Funden würde es über 2500 im Rheinland geben. Die römische Siedlung in Gressenich sei dem Amt für Bodendenkmalpflege schon länger bekannt gewesen.

Durch die geplante Steinbrucherweiterung sah das Amt in Bonn die Relikte allerdings als gefährdet an und stellte deshalb den Antrag an die Stadt Stolberg, die Siedlung unter Denkmalschutz zu stellen.

Der Vicus wurde vermutlich in der Mitte des ersten Jahrhunderts erbaut. Das Zentrum liegt im Osten der Gressenicher Straße. Mit seinem dazugehörigen Gräberfeld repräsentiert er den seltenen Typus einer dorfähnlichen Siedlung mit Gewerbecharakter. Allerdings bringt ein solch archäologischer Fund auch Konsequenzen für die Nutzer mit sich. Zwar sei es weiterhin möglich, die betroffenen Flächen als Grünanlagen zu nutzen, doch gestaltet sich die Sache etwas schwieriger, wenn der Nutzer das betroffene Areal bebauen will.

„Zunächst müssten archäologische Untersuchungen an der Stelle stattfinden”, erklärt Wegener. In der Folge gelte dann das „Verursacherprinzip”: So muss sich der Nutzer an den Kosten der Ausgrabungen, die für eine Bebauung notwendig sind, mit fünf bis sieben Prozent beteiligen. Auf diese Weise trage er nämlich, als Verursacher mit Eigeninteresse, eine Mitschuld an der Beschädigung des Kulturdenkmals.

„Keine Ausgrabungen”

Die Eigentümer wurden nun über die geplante Aufnahme ihrer Grundstücke in die Denkmalliste per Anschreiben informiert. „Ausgrabungen werden nicht stattfinden”, erklärt Annemarie Papadimitriou von der Unteren Denkmalbehörde in Stolberg. Allerdings wurden die Bereiche zwischen Gressenich und Mausbach zu beiden Seiten der Landstraße zu „Schutzbereichen” erklärt, darunter „Krewinkeler Felde”, „Weihenest”, „Auf den Stöcken”, „Grunsenbruch”, „Wingertsberg”, „Mausbacher Hacken”, „An der Kaule” und „An der Palanderweide”.

Geplant sei, die betroffenen Bereiche kartographisch zu erfassen, kündigt Wegener an. Mit moderner Technik sei es möglich, ohne Ausgrabungen Relikte der vergangenen Zeit zu analysieren: „Anhand von Magnetometer-Messungen und Bodenradar können Informationen gesammelt werden.” Von besonderem wissenschaftlichen Interesse seien vor allem die Struktur der Siedlung sowie die Frage, ob dort tatsächlich Messing verarbeitet wurde. „Das Ganze ist schon eine spannende Sache”, findet Wegener, denn bislang hätte diese Vermutung noch nicht verifiziert werden können.

Untersuchungen im Spätsommer

Im Spätsommer werden vermutlich die ersten Untersuchungen an der Erdoberfläche durchgeführt. Zunächst gelte es aber, die Betroffenen über die Folgen des Eintrags in die Denkmalliste aufzuklären, so Wegener.

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