Geschäftsführerin des Seniorenzentrums Auf der Liester nicht entlastet

Geschäftsführerin Makola nicht entlastet : Keine Auswirkungen auf Bewohner und Personal des Seniorenzentrums

Ruhig ist es am Mittwochmorgen vor dem Seniorenwohn- und Sozialzentrum Auf der Liester. Lediglich einige Kinderstimmen aus der benachbarten Kita sind zu hören. Hört sich so etwa die Ruhe nach dem Sturm an? Gegenwind hatte Gabriele Makola schließlich am Dienstagabend bekommen – und zwar ordentlich.

Der Stadtrat – in seiner Funktion als Gesellschafterversammlung – hatte die Geschäftsführerin in seiner Sitzung nicht für das Geschäftsjahr 2018 entlastet. Das soll erst geschehen, wenn eine Unternehmensberatung die finanzielle Situation des Hauses genauer unter die Lupe genommen hat. Mit den ersten Ergebnissen rechne man in knapp zwei Monaten. Aber: Mitarbeiter und Patienten sollen davon nicht betroffen sein. Ihr Wohl stehe nach wie vor an erster Stelle, betonten Politik und Verwaltung.

Es war gegen 18.40 Uhr am Dienstagabend als Gabriele Makola dem Stadtrat den Jahresabschluss für das vergangenen Geschäftsjahr präsentierte. Was deutlich wurde: Die knapp 600.000 Euro, die die Stadt bereits im Jahr 2017 investiert hatte, seien bereits vollständig aufgebraucht. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Makola mit einem Fehlbetrag von 1,1 Millionen Euro. Für das kommende Jahr – in dem eigentlich wieder eine schwarze Null geschrieben werden sollte – soll der Fehlbetrag bei 540.000 Euro liegen. Weitere finanzielle Unterstützung durch die Stadt sei notwendig, „um den Fortbestand der Einrichtung zu gewährleisten“, schloss Makola ihre Präsentation.

Bevor sich die Politik äußerte, ergriff Bürgermeister Patrick Haas das Wort und sprach die „erheblichen Haushaltsbelastungen“ an, gegen die etwas unternommen werden müsse. Eine Unternehmensberatung mit Sitz in Köln soll für eine „tiefergehende Analyse“ beauftragt werden.

Die Einrichtung solle fortgeführt werden, aber man habe auch eine Verantwortung den Bürgern und somit auch den kommunalen Mitteln gegenüber. Die ersten Ergebnisse sollen bereits Anfang September feststehen. Dann will man auch über weitere Maßnahmen entscheiden. „Es gibt viel zu tun“, meinte Haas.

Unterstützung für diese Entscheidund der Verwaltung gab es von Seiten der Politik. „Ohne Kritik auszuüben, aber das, was wir wollten, ist nicht passiert“, meinte CDU-Chef Jochen Emonds. Anstatt wieder schwarze Zahlen zu schreiben, gebe die Stadt für die Weiterführung der Einrichtung noch mehr Geld aus als zuvor.

SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Wolf meinte: „Die Zielsetzung war die Kostendeckung und das ist kein utopisches Ziel. Aber was wir heute vor uns sehen, ist nur schwer verdaulich.“ Was ihm besonders sauer aufstieß: Makolas Begründungen für die Misere. Die seien nämlich lediglich allgemein gefasst und würden zudem keine Lösungen für das Problem beinhalten. „Es gibt einen Fehlbetrag und dann wird erwartet, dass dieser vo der Stadt ausgeglichen wird“, so Wolf weiter. „Wir sind der Meinung, dass die Geschäftsführung nicht in der Lage ist, die Vorgaben zu erfüllen“, so Wolf. Eine Entlastung soll es von Seiten der SPD erst geben, wenn die Ergebnisse aus der Analyse der Unternehmensberatung vorliegen. Diese Meinung teilte auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Dina Graetz. „Mit einer Entlastung erteilt man einen Zuspruch an Vertrauen. Von Vertrauen kann man hier nicht mehr sprechen.“ Aus Sicht der Grünen müsse nicht nur eine Analyse durch eine Unternehmensberatung erfolgen, sondern auch eine Controlling-Stelle in der Geschäftsführung eingerichtet werden.

„Baby von Grüttemeier“

Eine andere Auffassung hatte Gabi Halili (Linke), für die das Vorhaben der Verwaltung einen „Schnellschuss“ darstellte. Schließlich sei der Umzug erst Ende November erfolgt und man müsse der Einrichtung erst einmal Zeit geben, um dort auch anzukommen. Halili brach am Dienstagabend zudem eine Lanze für Geschäftsführerin Gabriele Makola. „Das Seniorenzentrum war immer das Baby von Herrn Grüttemeier und jetzt steht Frau Makola alleine auf weiter Flur“, so Halili. Von einem vermeintlichen „Schnellschuss“ wollte Haas nichts wissen. „Ich kann nicht die Verantwortung dafür tragen, dass wir jede Woche 30.000 Euro in den Wind schießen“, konterte er und wurde von den Ratsmitgliedern durch lautstarkes Klopfen unterstützt.

Hans Emonds (UWG) regte indes an, dass man auch darüber nachdenken könnte, die Einrichtung zu verkaufen. Bereits unter Ferdi Gatzweiler als Bürgermeister habe man damals überlegt, sich von dem Haus zu trennen. Das war für Politik und Verwaltung allerdings keine Option. Man sollte die Einrichtung weiter in kommunaler Hand in die schwarzen Zahlen führen. Eine Veräußerung sei keine Option, so Wolf. Graetz meinte, dass man vor allem Sicherheit für Bewohner und Personal schaffen müsse. Das erreiche man nicht durch eine Privatisierung der Einrichtung. Man habe die Einrichtung nicht gebaut, um sie zu verkaufen, pflichtete auch Jochen Emonds bei.

Danach hatte noch einmal Gabriele Makola das Wort, die versucht habe im Rahmen der Diskussion „die Contenance zu halten“. „Sie haben natürlich Recht mit dem, was Sie sagen. Aber glauben Sie mir, jeder Mitarbeiter hat schlaflose Nächte und fragt sich, wie es mit der Einrichtung weiter geht“, so Makola weiter. Auch sie selbst begrüße den Vorschlag, durch eine Unternehmensberatung unterstützt zu werden. In der Einrichtung habe man nichts zu verbergen, erklärte sie.

Keine schwarze Null

Allerdings machte sie auch deutlich, dass man aufgrund des Umzugs vor sechs Monaten und der Eröffnung von zwei neuen Fachbereichen voerst wohl nicht mit einer „schwarzen Null“ rechnen könne.

In Einzelpunkten – so wie FDP-Chef Bernd Engelhardt es zu Beginn der Diskussion beantragt hatte – wurde anschließend abgestimmt. Der Abschluss für das Geschäftsjahr 2018 wurde einstimmig genehmigt. Der Jahresfehlbetrag in Höhe von 319.705 Euro wurde mit dem Verlustvortrag aus dem Vorjahr in Höhe von 285.451 Euro auf die neue Rechnung übertragen. Einstimmig fiel auch folgendes Votum aus: Gabriele Makola wurde nicht vom Rat entlastet und nach einer hitzigen Diskussion kehre gegen 19.20 Uhr erneut Ruhe in den Ratssaal ein.

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